Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Zu viel Regen: Der Mähdrescher bleibt drin
Lokales Ostholstein Zu viel Regen: Der Mähdrescher bleibt drin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:01 25.07.2017
Christoph Kickbusch-Eck muss den Mähdrescher in der Maschinenhalle lassen. An Ernte ist bei dem Wetter nicht zu denken. Quelle: Fotos: Peyronnet

30 Liter allein am Sonntagvormittag: Der Regenmesser auf dem Hof Kickbusch-Eck in Gnissau hatte am vergangenen Wochenende viel zu schlucken. In Sturzbächen rauschte der Regen vom Himmel. Sehr zum Leidwesen der Landwirte, die mitten in der Ernte stecken. Doch daran ist erst einmal gar nicht mehr zu denken. Der Mähdrescher bleibt in der Scheune.

Auf den nassen Böden können die schweren Maschinen nicht fahren.

Viel zu nass

110 Liter Regen pro Quadratmeter fielen in diesem Juli bisher in Liensfeld, hat Jan-Henning Wülfken gemessen. Das langjährige Mittel für Lübeck liegt bei 72 Litern.

50 Liter sind allein in der vergangenen Woche, von Montag, 17. Juli, bis Sonntag, 23. Juli, in Liensfeld gefallen.

Während es im Nordkreis lediglich ab und zu nieselte, bescherte das Wochenende dem Südkreis kräftige Regenfälle. „Von Donnerstag bis jetzt waren es 60 Liter“, berichtet Landwirt Ernst-Otto Kickbusch-Eck. Sein Sohn und Hofbetreiber Christoph Kickbusch-Eck würde ja gerne mit der Ernte fortfahren, sieht dazu im Moment aber keine Möglichkeit. „Am Wochenende vielleicht, das kommt aufs Wetter an“, schaut er voraus und hofft, dann wieder den Mähdrescher herausholen zu können. 75 Hektar Gerste hat Christoph Kickbusch-Eck schon gedroschen, 150 Hektar Raps stehen als nächstes an. Noch ist der nicht ganz reif. Aber selbst wenn er es wäre, könnte er jetzt nicht vom Acker geholt werden. „Das Problem ist die Befahrbarkeit“, erklärt er. „Wir würden die Straßen voller Modder schleppen, was wir nicht wollen.“ Zudem besteht die Gefahr, dass die schweren Mähdrescher einsinken und sich sogar festfahren. Die Maschinen wiegen je nach Typ zehn bis 15 Tonnen.

Jan-Henning Wülfken, Landwirt auf dem Liensfelder Landhof, kann das nur bestätigen. „Wir versuchen gerade, Kartoffeln zu bergen“, berichtet er und erzählt er von schlammigen Äckern. „Die Befahrbarkeit der Felder ist unter aller Kanone, da geht gar nichts.“ Beim Weizen bestehe zudem die Gefahr, dass die Halme von Pilzen befallen werden. Das bedeutet, dass das Korn nur noch als Futtergetreide verwendet werden darf.

„Die Böden sind relativ gesättigt. Jeder Liter, der jetzt fällt, bleibt erstmal stehen“, beschreibt Holger Schädlich, Geschäftsführer des Bauernverbandes Ostholstein-Lübeck, die Situation. Hinzu komme, dass das Getreide „ins Lager“ falle, was nicht bedeutet, dass es eingefahren ist, sondern dass die Ähren vom Regen schwer werden und umknicken. Dann trocknen sie nicht nur langsamer, sondern halten auch den Boden unter sich länger nass.

„Die Fahrgassen stehen voller Wasser, wir werden es nicht los“, sagt Ernst-Otto Kickbusch-Eck. Versickern könne der Regen nicht, es ist schon zu viel gefallen und der Boden zu sehr verdichtet. Es muss verdunsten. Mit Blick auf die Ernte sagt der Altbauer: „Wir haben das noch lange nicht unter Dach und Fach.“

Alles noch nicht richtig schlimm. Aber das Wetter müsste besser werden. Schädlich: „Es ist noch keine Panik da, aber es wäre schön, wenn es jetzt mal zwei Wochen warm, trocken und windig würde.“

Eine Hoffnung, die die Wetterfrösche enttäuschen müssen. Für die kommenden Tage werden Schauer vorgesagt. Ob es mit dem Beginn der Rapsernte am kommenden Wochenende etwas wird, scheint fraglich.

Zudem ist die Ernte nicht alles, was die Landwirte jetzt erledigen müssen. „Viele wollen schon das Gerstenland vorbereiten für den Raps, der muss bis zum 10. September rein“, sagt Schädlich.

Ernst-Otto Kickbusch-Eck rechnet nicht mit trockenerem Wetter. „Das geht so weiter bis zum 8. August. Dann ist Siebenschläfer vorbei.“

Susanne Peyronnet

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige