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Zu viele Minijobs und Teilzeitstellen in Ostholstein

Ostholstein Zu viele Minijobs und Teilzeitstellen in Ostholstein

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) schlägt Alarm. Sie spricht von einer Unwucht am Arbeitsmarkt, von einem Signal an die Politik und vom Billig-Prinzip der Arbeitgeber. Was der IG Bau Sorgen macht, ist die hohe Zahl sogenannter atypischer Beschäftigung in Ostholstein. Die sei in den vergangenen Jahren auf ein Rekordhoch gestiegen.

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"Atypische Beschäftigung" heißt: Unsichere Jobs wie Minijobs als alleiniges Einkommen, Teilzeitarbeit, Leiharbeit und befristete Arbeitsverhältnisse.

Quelle: Jens Buettner/dpa

Ostholstein. Der Fachbegriff der atypischen Beschäftigung kommt aus der Arbeitsverwaltung. Übersetzt heißt er schlicht, dass diese Arbeitnehmer unsichere Jobs haben: Minijobs als alleiniges Einkommen, Teilzeitarbeit, Leiharbeit und befristete Arbeitsverhältnisse. Nach Angaben der Gewerkschaft haben rund 35500 Menschen in Ostholstein einen solchen unsicheren Job. Das seien 48 Prozent aller Arbeitnehmer, mehr als je zuvor.

 

LN-Bild

„Überwiegend Frauen nutzen Teilzeit und Minijobs.“Markus Dusch, Chef der Arbeitsagentur

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17125 Minijobs zählte die Arbeitsagentur im Dezember 2016, davon 11492 als alleinige Jobs. Die Minijobber arbeiten im Handel (21,5 %), im Gastgewerbe (16,5), in Privathaushalten (11,%).

19121 Teilzeitkräfte arbeiten im Gesundheits- und Sozialwesen (23,3%), im Handel (16,9) und im verarbeitenden Gewerbe (12,3).

Zahlen, die die für Ostholstein zuständige Arbeitsagentur (BA) Lübeck weitgehend bestätigt, wenn die BA-Zahlen auch etwas von denen der IG Bau abweichen. Atypisch beschäftigt sind danach 30600 Menschen von den insgesamt rund 74000 Arbeitnehmern in Ostholstein, das ist eine Quote von 41,3 Prozent. Hinsichtlich der Entwicklung dieser Zahl stimmen IG Bau und Arbeitsagentur überein: Sie ist gestiegen. Arbeitsagentur-Sprecherin Olga Nommensen teilte mit, im Zehnjahresvergleich von 2007 bis heute habe es diese Veränderungen gegeben: sozialversicherungspflichtig Beschäftigte plus 18,9 Prozent (das sind 9055 Menschen), geringfügig Beschäftigte, also 450-Euro-Jobber, plus 14,5 Prozent, Teilzeit plus 84,8 Prozent (8772 Menschen), ausschließlich geringfügig Beschäftigte minus 0,6 Prozent.

Zahlen, die IG-Bau-Bezirkschef Ralf Olschewski aufschrecken: „Es kann nicht sein, dass wir einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten.“ Da sei grundsätzlich etwas in Schieflage geraten. Der unbefristete Vollzeitjob müsse wieder der Normalfall werden, lautet Olschewskis Forderung. Als eine denkbare Lösung wünscht sich die Gewerkschaft ein verbrieftes Recht zur Rückkehr auf Vollzeit, etwa für Frauen nach einer längeren Familienpause. Ein solcher Gesetzentwurf der Großen Koalition sei im Frühjahr am Widerstand der Union gescheitert.

Markus Dusch, der Chef der Agentur für Arbeit Lübeck, sieht die Zahlen nicht ganz so dramatisch. Es gebe viele Gründe, in Teilzeit zu arbeiten oder einen Minijob anzunehmen. Überwiegend Frauen nutzten diese Möglichkeit, entweder, weil sie wegen der Kinderbetreuung nicht mehr arbeiten könnten oder weil sie den Kontakt zur Berufswelt nicht abreißen lassen wollten. Dieses Potential der wenig arbeitenden Frauen möchte die Arbeitsagentur gerne heben, auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und zunehmenden Fachkräftemangels. „Wir werben bereits seit längerem für kurze Pausen im Arbeitsleben und früheren Wiedereinstieg.“ Dusch ist aber auch klar, dass Kinderbetreuung ein Problem sein kann. „Hier gäbe es sicher noch Handlungsbedarf beim Ausbau von Betreuungsplätzen und familienfreundlichen Arbeitszeiten in Unternehmen.“ Für Arbeitslose dagegen könne ein Minijob eine gute Möglichkeit sein, einen Fuß in einen Betrieb zu bekommen. Ziel solle aber immer der Vollzeitjob sein.

Eine Art der atypischen Beschäftigung kommt in Ostholstein so gut wie gar nicht vor: die Leiharbeit. „Die Zahl dieser Mitarbeiter kann man vernachlässigen“, teilt Olga Nommensen mit. Von allen 74

000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind lediglich 63 Leiharbeiter, bei den 450-Euro-Jobbern sind es gerade mal vier. Bei einer anderen atypischen Beschäftigung ist keine differenzierte Betrachtung möglich: Die Arbeitsagentur erfasst keine Daten zu befristeten Stellen.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im September erhebt die IG Bau klare Forderungen. Sie verlangt von den Parteien, etwas gegen die „Unwucht“ am Arbeitsmarkt zu tun. Dazu gehöre, die Befristung ohne sachlichen Grund ebenso abzuschaffen wie die Einbeziehung von Minijobs in die Sozialversicherung. Zudem sieht Olschewski auch die Arbeitgeber in der Pflicht: „Statt aufs Billig-Prinzip sollten Chefs auf Kontinuität setzen.“ Das helfe auch gegen die Folgen des demografischen Wandels. Wer heute vollwertige Stellen schaffe, brauche sich morgen nicht um fehlende Fachkräfte zu sorgen.

 Susanne Peyronnet

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