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Ostholstein Zukunftsängste bei Ostholsteins Sportvereinen
Lokales Ostholstein Zukunftsängste bei Ostholsteins Sportvereinen
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13:42 09.05.2015
1141 Mitglieder sind kreisweit aus Vereinen ausgetreten. Quelle: LN-Archiv
Ostholstein

Ostholsteins Sportvereine haben mit Mitgliederschwund, fehlenden Übungsleitern und überalterten Vorständen zu kämpfen. Kreisweit sind dieses Jahr 1141 Mitglieder ausgetreten, 744 davon aus einem Verein. Viele erste Vorsitzende müssen über Jahrzehnte im Amt bleiben, weil sich kein Nachfolger findet.

Die hohe Austrittszahl in diesem Jahr ergebe sich, weil ein Verein seine Mitgliederlisten korrigieren musste, erklärt der Geschäftsführer des Kreissportverbandes, Götz Haß. In Zukunft werden sich die Austritte seiner Ansicht nach aber häufen. „Wir werden durch den demografischen Wandel unseren sportlichen Nachwuchs verlieren“, befürchtet Haß.

Zusätzlich blieben die Jugendlichen aufgrund der erhöhten Anforderungen in den Ganztagsschulen weg.Auch die Suche nach geeigneten und willigen Kandidaten für die Vorstandsarbeit werde immer schwieriger. Im Kreis gibt es 1000 Übungsleiter mit Lizenz. Beim NTSV in Timmendorfer Strand sind innerhalb eines Jahres über 50 Mitglieder ausgetreten.

Auch weil Sportangebote nicht umgesetzt werden können, da sich in dem Verein zu wenig Übungsleiter engagieren. In seinem Abschiedsbericht hat der langjährige NTSV-Vorsitzende Peter Danzeglocke das Problem deutlich ausgesprochen: „Die Zeiten des ehrenamtlichen Engagements scheinen wohl endgültig der Vergangenheit anzugehören.“

Peter Danzeglocke (73) war 27 Jahre im Amt. Der erste Vorsitzende des TSV Malente, Reinhard Schröder, wollte eigentlich schon im vergangenen Jahr zurücktreten, musste aber mangels eines willigen Kandidaten im Amt bleiben. „Ich habe mich nochmal breitschlagen lassen. Aber das Fundament im Verein fehlt“, erklärt der 63-Jährige.

Auch Jutta Voigt ist bereits zehn Jahre die erste Vorsitzende des MTV Ahrensbök von 1861. „Es ist schon schwer. Das ist mit Arbeit verbunden und das will nicht jeder machen“, sagt die 65-Jährige.

Doch es gibt auch Sportvereine, die kein Klagelied singen - wie der ATSV Stockelsdorf zum Beispiel, der größte Sportverein im Kreis Ostholstein. „Es gibt da schon Unterschiede zwischen dem nördlichen und dem südlichen Ostholstein“, weiß Wilhelm Fritzen, 2. Vorsitzender des ATSV.

„Bei uns hat der schon lange angekündigte demografische Wandel bis jetzt nicht zugeschlagen“, so Fritzen, „aber wir haben auch alles dafür getan, damit das nicht passiert.“ Zum Beispiel mit neuen Sparten wie Bogenschießen, wo sich innerhalb von wenigen Monaten bereits rund 30 Sportbegeisterte zusammengefunden haben.

„Nachwuchsprobleme haben wir nicht“, so Fritzen. 2850 Mitglieder zählt der ATSV derzeit. „Wir sind einer der wenigen Vereine, die Zuwachs haben“, erklärt der ATSV-Vorsitzende Dieter Iden. Geschuldet sei diese Tatsache nicht zuletzt „der günstigen Situation in Stockelsdorf, denn der Ort ist Zuzugsgebiet für junge Familien“, so Iden weiter.

Beim VfL Bad Schwartau werden zur Zeit 2599 Mitglieder und damit 100 weniger als im Jahr 2014 verbucht, „aber das bewegt sich im Bereich ganz normaler Schwankungen“, so Vorstand Uwe Witaszak, der die Mitgliederzahl „als stabil“ bezeichnet. Dennoch wolle der Verein die Weichen für die Zukunft stellen - und zwar mit der Gründung einer Stiftung, wie Uwe Witaszak ankündigt.

Alles im Lot - so bezeichnet der Schatzmeister vom SV Olympia, Jens Groß, in Bad Schwartau die Situation des rund 700 Mitglieder starken Vereins. Auch hier werde die Mitgliederzahl stabil gehalten.

Alessandra Röder und Doreen Dankert

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