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Zwei Delfine auf Europatour

Neustadt/Kopenhagen Zwei Delfine auf Europatour

Tümmler sorgen seit Wochen für Begeisterung in der Lübecker Bucht – Jetzt berichtet ein dänischer Walforscher vom Besuch der Tiere in Dänemark, Schweden, Polen und Litauen – Ähnliche Vorfälle in den 20er Jahren.

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Ob vor Grömitz , Neustadt  oder Sierksdorf – die Delfine sind neugierig

Quelle: Eric Janner

Neustadt/Kopenhagen. Delfine in der Ostsee, vor Neustadt und Grömitz – so etwas gibt es nicht? Doch, und das schon seit Anfang Dezember. Die Großen Tümmler, die es lieben, vor Booten durchs Wasser zu rasen und wilde Sprünge vorzuführen, fühlen sich wohl in der Lübecker Bucht. Das äußerst seltene Phänomen begeistert nicht nur Einheimische und Touristen, sondern auch einen dänischen Walforscher. Dr. Carl Christian Kinze beschäftigt sich seit mehr als drei Jahrzehnten mit den im Meer lebenden Säugetieren. Wie er den LN erzählte, sei es keinesfalls eine Premiere für Delfine in unserer Region.

„Wir wissen, dass Großtümmlern in der Ostsee beileibe nicht zum ersten Mal vorkommen, aber auch, dass etliche Vorkommen wahrscheinlich noch unentdeckt sind“, so Kinze. Gerade zwischen 1923 und 1925 habe es ein ähnliches Szenario wie aktuell gegeben. Mehrere Tiere seien monatelang gesichtet worden. Jedoch gibt es einen Haken: „Leider ist die Delfinart nicht eindeutig belegt. Man wähnte sie als Große Tümmler. Da es viele Verwechslungen mit dem Weißschnauzendelfin gegeben hat und auch die Beleg stücke in den Museen verschollen sind, muss man auf Fotos in Archiven oder im Privatbesitz hoffen“, erläutert Kinze.

Bekannt sei, dass in dem erwähnte Zeitraum drei Delfine zwischen Boltenhagen (Landkreis Nordwestmecklenburg) und Fehmarn unterwegs waren. Laut Kinze handelte es sich dabei um ein Einzeltier sowie ein Pärchen. "Ein Tier strandete bei Niendorf im Februar 1925. Es war ein trächtiges Weibchen, dessen Embryo ins Hamburger Zoologische Museum kam. Ein weiteres Tier wurde 1924 zwischen Niendorf und Timmendorf erlegt“, betont der Walforscher. Mehr Details seien nicht bekannt. Er sucht daher dringend weitere Informationen und hofft auf die Unterstützung der LN-Leser (siehe Info kasten).

Aus Forschersicht ist es ein Drama, dass der Embryo bei einem Großfeuer vernichtet wurde. „Leider ist unser Museum 1943 komplett ausgebrannt. Alle Archivmaterialien sind zerstört worden“, sagt der Hamburger Museumspädagoge Daniel Bein und spielt damit auf den Einsatz von Brandbomben während des Zweiten Weltkriegs an. Hinzu komme, dass es zwar Wal-Exponate aus späteren Zeiten gebe, diese aber nicht aus der Lübecker Bucht stammen würden.

Dr. Carl Christian Kinze weist darüber hinaus auf einen bedeutenden Unterschied zwischen den heutigen Reaktionen auf die Delfine und den vor mehr als 100 Jahren hin. „Delfine wurden früher weniger freundlich bewertet. Man diffamierte sie als ,Fischräuber’ und stellte ihnen nicht wie heute nur mit der digitalen Kamera nach.“

Heute lösen die Delfine eine regelrechte Begeisterung aus. Insbesondere in den sozialen Medien finden sich zahlreiche Bilder und Videos. Für den Walforscher ist das ein Segen. Er und seine Kollegen haben so eine Art Helfernetzwerk, auf das sie zurückgreifen können. Mittlerweile ist eindeutig geklärt, dass die beiden Delfine vor Neustadt keine Unbekannten sind. Sie wurden bereits vor Dänemark, Schweden, Polen und Litauen gesichtet. Vor Ostholstein tauchten sie übrigens zum ersten Mal Ende Mai 2015 auf. Damals wurden die beiden vor Weissenhäuser Strand beobachtet. „Das alles haben wir durch unser internationales Meldenetz erfahren und eigentlich zum ersten Mal so detailliert dokumentieren können“, so Kinze.
Die beiden Super-Schwimmer haben übrigens bereits Spitznamen bekommen: Wie in schwedischen Medien zu lesen ist, werden sie „Selfie“ und „Delfie“ genannt. Wo sie sich im Moment herumtummeln, ist unklar. Sebastian Rosenkötter

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