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Ostholstein Zwei Kandidaten wie auf dem Tandem
Lokales Ostholstein Zwei Kandidaten wie auf dem Tandem
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20:17 14.01.2016
Die Aula des Voß-Gymnasiums war voll, als am Mittwochabend die Eutiner Bürgermeister-Kandidaten Regina Poersch und Carsten Behnk im Wahlkampf zum ersten Mal direkt aufeinander trafen. Quelle: Fotos: Petersen

Der Auftakt war nichts zum Aufwärmen, voller Einsatz war gefragt: Zum ersten Mal traten am Mittwochabend die beiden Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 28. Februar in Eutin gegeneinander an. Die Initiative „Fahrradfreundliches Eutin“ hatte SPD-Bewerberin Regina Poersch und ihren von der CDU ins Rennen geschickten Konkurrenten, den parteilosen Carsten Behnk, geladen, um mit ihnen über „zukunftsfähige Mobilität“ in Eutin zu diskutieren. Ein Reizthema, wie die leidenschaftliche Debatte in der Stadt über probeweise Straßensperrungen zur Landesgartenschau zeigt.

Für beide Kandidaten, die ihre heiße Wahlkampfphase eingeläutet haben, wurde der Abend in der Aula des Voß-Gymnasiums kein Spaziergang. Die Fahrrad-Freunde mit Jens Rose-Zeuner auf dem Podium hatten eine hochprofessionelle Veranstaltung organisiert: mit klaren Themenblöcken, kurzen Eingangsreferaten, mit präzisen Fragen eines kundigen Moderators und intensiver Publikumsbeteiligung. Nicht nur das: Zur Einstimmung auf den Abend hatte die Initiative vorab beide Kandidaten zu Rollstuhlfahrten und Fahrradtouren durch die Stadt geschickt.

Das blieb nicht ohne Wirkung. Dass einiges im Argen liege, habe er gewusst. Aber das Ausmaß habe ihn dann doch überrascht. „Selbst da, wo ich dachte, man kommt mit dem Rollstuhl durch, war es nicht so“, räumte Behnk ein. Eine Rollstuhlfahrerin aus dem Publikum formulierte es noch drastischer: „Ob Marktplatz, Geschäfte oder die Toilette im Rathaus: Eutin ist absolut nicht behindertengerecht.“

Poersch gewährte einen Einblick in ihren Schuhschrank. „Ich kaufe nur noch flache Schuhe“, verriet sie unter Hinweis auf Stolperfallen auf Plätzen und Wegen.

Die Radtour bestätigte der SPD-Politikerin, dass auf zwei Rädern in Eutin das Risiko mitfährt. Einige Straßen und Kreuzungen, etwa Plöner Straße/Bahnhofstraße/Plumpstraße oder die Elisabethstraße seien regelrecht gefährlich. Poersch: „Autofahrer dürfen sich nicht automatisch bevorzugt fühlen.“ Ihr Konkurrent hielt fest: Wer als Radfahrer flott durch Eutin kommen wolle, müsse „acht bis zehn Mal die Regeln missachten oder absteigen“. Behnk: „Das macht deutlich, es muss etwas passieren.“

Das findet auch die Fahrrad-Initiative. Geht es nach ihr, dann wird die aktuell debattierte Umgestaltung von Lübecker Straße/Stolbergstraße/Rosengarten genutzt, um eine durchgängige, verkehrsberuhigte Nord-Süd-Verbindung für Radfahrer zu schaffen. „Freiwillig fährt dort keiner Rad“, betonte Rose-Zeuner — zum Schaden von Geschäften und Gastronomie. Es sei statistisch erwiesen, dass Fußgänger und Radfahrer deutlich mehr Geld in die Innenstädte trügen als Autofahrer. Überhaupt bemängelten Vertreter der Initiative, dass Eutin in Sachen Fahrradfreundlichkeit im bundesweiten Städte-Vergleich weit hinten liege. Zeuner-Rose: „Der Rosengarten wäre die absolute Chance.“

In diesem Punkt zeigte sich eine der ganz wenigen Differenzen zwischen beiden Kandidaten. Behnk hielt es in der Frage der Rosengarten-Sperrung mit der Wirtschaft. Er habe nichts gegen einen Test — aber nicht ausgerechnet während der Gartenschau. Dann drohe womöglich der Verkehrskollaps. Zudem lebe Eutin davon, als Einkaufsstadt die gesamte Region zu bedienen. „Erst Parkplätze, dann Veränderung“, lautete Behnks Credo. Poersch zeigte sich aufgeschlossener. Sie lobte, dass in der Stadtvertretung überhaupt etwas Neues debattiert werde. „Ein Versuch darf sein, ohne dass es schon vorher Parkplätze gibt.“

Ansonsten erlebte das Publikum zwei Bewerber, die weitgehend auf einer Linie liegen. Beide wollen im Falle ihres Wahlsiegs mit dem Rad zur Arbeit ins Rathaus fahren, beide sind für Tempo 30 in der Innenstadt, beide wollen stets behutsam zwischen Denkmalschutz und Funktionalität abwägen. Und beide treten für einen breiten Dialog mit dem Bürger ein und wollen ihn beteiligen, wo immer möglich. pet

„Fahrbahnen werden überall geräumt, Radwege für Schulkinder nicht.“
Jens Rose-Zeuner, Fahrrad-Initiative Eutin

LN

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