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Zwei Orte, zwei Häuser: Plädoyer für die Moderne

Eutin/Malente Zwei Orte, zwei Häuser: Plädoyer für die Moderne

Freundin des Malenter Kurparks setzt sich für Eutiner Haus des Gastes ein.

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Die Liegehalle heute: ästhetisch und lichtdurchflutet.

Quelle: Foto: Peyronnet

Eutin/Malente. In Eutin wird seit Jahren um das Haus des Gastes gestritten. Das hat kurz vor dem Bürgerentscheid über die Zukunft des Hauses am 7. Mai Julia Freese aus Malente auf den Plan gerufen. Die Vorsitzende des Vereins Freunde des Malenter Kurparks sorgt sich darum, dass mit dem Haus des Gastes ein Stück erhaltenswerte Nachkriegsarchitektur in Eutin verschwinden könnte. Nachkriegsarchitektur, wie sie auch Malente aufweisen kann. Dort allerdings sind diese baulichen Zeitzeugnisse gut erhalten, voll akzeptiert und werden regelmäßig genutzt.

LN-Bild

Freundin des Malenter Kurparks setzt sich für Eutiner Haus des Gastes ein.

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1964 wurden das Malenter Haus des Kurgastes und die übrigen Kurparkbauten – Liegehalle, Musikmuschel, Freilichttheater, Toilettenhäuschen, Kaminhäuschen – nach den Entwürfen des Architekten Peter Arp (1925-2008) erbaut. 1969 entstand nach einem Entwurf des Architekten Udo Stücker (81) das preisgekrönte Haus des Gastes (ursprünglich ebenfalls Haus des Kurgastes) in Eutin. Die Parallelen sind deutlich: Beide Gebäude waren für den Fremdenverkehr bestimmt, beide Architekten bauten im Stil ihrer Zeit, beide Bauten weisen Waschbetonteile auf und betonen die Linienführung, beide Bauten sind in eine spezielle Gartengestaltung eingebettet. In Malente ist es der vom Gartenarchitekten Karl Plomin (Planten & Blomen) entworfene Kurpark, in Eutin die vom Gartenarchitekturbüro Maasz-Fenne entworfene Grünanlage am Haus des Gastes.

Julia Freese engagiert sich seit Jahren für den Malenter Kurpark, der ebenso unter Denkmalschutz steht wie seine Bauten. Jetzt meldet sie sich mit Gedanken zur Architektur der 1960er Jahre und zum Eutiner Haus des Gastes zu Wort. „Warum stößt diese Architektur auf so wenig Gegenliebe bei Politikern und der Bevölkerung?“, fragt Freese. „Der Grat zwischen moderner Architektur und nur einfacher, gradliniger Bauweise ist schmal.“ Das Haus des Gastes in Eutin sei ein substanzvolles Gebäude, erbaut von einem gewissenhaften Architekten und von soliden Handwerksfirmen mit haltbaren Baumaterialien errichtet. „Welches Gebäude ist nach 50 Jahren bei so wenig Pflege noch so gut erhalten?“, fragt Freese. Dabei schwingt der Vorwurf mit, die Stadt Eutin habe nicht genug für das Haus getan. Jedes Gebäude, sagt Freese, könne durch Pflegemängel und Vernachlässigung zum Schandfleck werden. „Das trifft für moderne Architektur besonders zu.“

Anders als Eutin ernte Malente die Früchte der denkmalgerechten Sanierung des Kurparks mit seinen Gebäuden aus den 1960er Jahren. So waren Architekten aus Skandinavien und dem Baltikum 2016 anlässlich einer Tagung zum Thema Nachkriegsmoderne im Malenter Kurpark. „Sie waren begeistert von der gepflegten Anlage mit der konsequenten Original-Architektur – auch von der Verwendung von qualitätsvollem Waschbeton in Kombination mit Stahlskelett-Bau“, sagt Freese. Das Malenter Haus des Kurgastes enthält zwar nicht, wie einst geplant, Kurverwaltung, Restaurant und Caféterrasse, wird aber gern und oft für Veranstaltungen genutzt. Dort tagen auch die Gemeindevertretung und die Ausschüsse.

Einen Abriss des Eutiner Haus des Gastes hält Julia Freese für einen schweren Fehler. „Es wäre bitter, wenn die Enkel der jetzigen Abrissbefürworter eines Tages fragen: Warum habt ihr nicht wenigstens ein gutes Beispiel der typischen Nachkriegsmoderne-Architektur in Eutin als Denkmal gepflegt und erhalten?“ Wertvolle Architektur-Beispiele aus der Vergangenheit müssten in der Gegenwart erhalten werden, damit sie in der Zukunft ein Denkmal sein könnten.

Susanne Peyronnet

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