Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Zwischen Deutschland und Dänemark: Arbeiten auf der Fähre
Lokales Ostholstein Zwischen Deutschland und Dänemark: Arbeiten auf der Fähre
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 14.04.2019
Die Fähre „Schleswig-Holstein“ und eine weitere Fähre der Reederei Scandlines unterwegs auf der Vogelfluglinie. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Puttgarden a. F./Rødby

Steuerbord und Backbord sind tabu. Die Besatzung der Scandlines-Fähre „Schleswig-Holstein“ spricht ausschließlich von Himmelsrichtungen. „Alles andere ist hier zu verwirrend“, erklärt Kapitän Maik Winterstein (54). Denn was beim Schiff eben noch „vorne“ war, ist auf dem Rückweg schon wieder „hinten“: Die Fähre wendet nicht; sie kann in beide Richtungen fahren.

Maik Winterstein und sein Kollege Christian Witte (43) haben gerade erst wieder den Arbeitsplatz gewechselt. Von der Steuerbrücke am einen Ende der Fähre ging es in den identischen Raum am anderen Ende – jetzt steuern sie die „Schleswig-Holstein“ wieder aus dem Hafen Puttgarden heraus und erneut Richtung Dänemark. Bei so viel Hin und Her kann man schon mal durcheinanderkommen. „Unser Arbeitsplatz ist überdacht, weil Glücksspiel unter freiem Himmel verboten ist“, scherzt der Kapitän. In Wahrheit hat er die Route aber immer genau im Blick. Auf dem Radar vor ihm ist bei der eher kurzen Strecke von 19 Kilometern – eine Dreiviertelstunde dauert die Überfahrt – der Zielhafen schon zu sehen.

14 nautische Fachleute und mehr als 40 Servicekräfte und Verkäufer arbeiten in der Nebensaison auf der Scandlines-Fähre „Schleswig-Holstein“.

3000 kreuzende Schiffe begegnen der Fähre jeden Monat

Während das Ein- und Auslaufen im Hafen manuell gesteuert wird, läuft der Rest der Überfahrt in der Regel per Autopilot. Für die Menschen gilt es dabei in erster Linie, auf kreuzenden Schiffsverkehr zu achten. Davon gibt es jede Menge: Etwa 3000 Boote und Schiffe begegnen den Fähren nach Angaben von Scandlines jeden Monat im Belt. Wie im Straßenverkehr gelte hier „rechts vor links“, sagt Winterstein. „Wir pochen aber im Zweifel nicht auf unsere Vorfahrt.“

Einen Unfall will niemand riskieren. Viele Mitglieder der Besatzung haben bereits abschreckende Beispiele gesehen. Der Leitende Technische Offizier (LTO) Wolfgang Warner (61) erinnert sich noch, wie er und weitere Crew-Mitglieder mit einem Rettungsboot einem Fischer zu Hilfe geeilt sind, der mit seinem Boot verunglückt war. Auch die Passagiere eines brennenden Schiffs habe die „Schleswig-Holstein“ schon aufgenommen. Mehr als einmal wurde die Fähre quasi zum „Rettungsboot“ – auch das gehöre zum Alltag auf See manchmal dazu, sagt Warner.

Feueralarm an Bord: Notfälle werden regelmäßig geprobt

Dann scheint es plötzlich, als könnte die Fähre selbst in Not geraten: An Bord gibt es einen Feueralarm. Rote Warnsignale ploppen sowohl auf der Steuerbrücke als auch im Kontrollraum unter Deck auf, von wo aus Wolfgang Warner die Technik auf dem gesamten Schiff im Blick hat. Doch der erste Verdacht der Crew bestätigt sich schnell: Der Alarm wurde durch den Dampf ausgelöst, der bei der Reinigung eines Kessels im Maschinenraum entstanden ist. Ein erster Check aus der Ferne – mit einem Klick können sich Kapitän und LTO Kamerabilder aus dem betreffenden Raum auf den Bildschirm holen – beruhigt direkt die Nerven, nach einer persönlichen Kontrolle gibt es kurz darauf die endgültige Entwarnung.

Die „Schleswig-Holstein“

142 Meter lang und mehr als 25 Meter breit ist die Fähre. In der Regel ist sie mit 18,5 Knoten unterwegs.

Befördert werden können pro Fahrt 1200 Passagiere. Außerdem gibt es Platz für 364 Autos.

Sollte es an Bord zu einem echten Notfall kommen, weiß jedes Team-Mitglied genau, was es zu tun hat. Spezielle Sicherheitspläne geben vor, wie im Ernstfall zu reagieren ist, die Besatzung wird regelmäßig geschult. „Wir machen zwei Mal im Monat verschiedene Übungen“, berichtet Wolfgang Warner. Geprobt werden unter anderem das Verhalten bei Feuer und Hilfeleistungen.

Das nautische Team schläft an Bord

Auch das Personal in der Gastronomie und im Verkauf ist entsprechend geschult. Bis zu 150 Frauen und Männer arbeiten während der Hochsaison in diesen Bereichen (in drei Schichten pro Tag). Anders als die 14-köpfige nautische Crew, die für den Betrieb der Fähre verantwortlich ist, gehen die Mitarbeiter hier nach ihrer Schicht von Bord. Die Besatzung bleibt fünf Tage am Stück auf dem Schiff; für sie gibt es Schlafplätze an Bord. Anschließend haben die Mitglieder den gleichen Zeitraum frei. Für einige von ihnen wäre eine tägliche Anreise zur Arbeit auch gar nicht möglich, wie Kapitän Winterstein (er selbst wohnt in Kühlungsborn) erzählt: Unter den Mitarbeitern gebe es einige, die beispielsweise in Berlin oder Halle leben würden.

Das Gastro- und Verkaufsteam kommt derweil ausschließlich aus der Region. Für die reibungslosen Abläufe sind dort Supervisor Andreas Jacob (49) und seine drei Kollegen zuständig. Für die Passagiere gibt es auf der Fähre unter anderem ein SB-Restaurant, ein Büfettrestaurant mit Service und verschiedene Einkaufsmöglichkeiten. Auch Räume für geschlossene Gesellschaften stehen zur Verfügung. Die Nachfrage ist offenbar gut: Drei- bis vier Mal die Woche würden Lebensmittel geordert, neue Ware für den Einkaufsladen werde bis zu vier Mal täglich bestellt, berichtet Andreas Jacob. Auf dänischer Seite gebe es ein großes Warenlager, aus dem alle Fährschiffe beliefert würden. An Bord selbst gebe es derweil kaum Lagermöglichkeiten, deshalb müsse der Bestand ständig im Auge behalten und rechtzeitig aufgestockt werden. Fürs Laden im Hafen bleibt jeweils gerade mal eine Viertelstunde Zeit.

Bis zu 1200 Passagiere kann die Fähre befördern

Auch sonst kann es für das Team während der Hochsaison durchaus stressig werden. 1200 Passagiere kann die „Schleswig-Holstein“ befördern – die dann alle innerhalb einer Dreiviertelstunde versorgt sein wollen. Hinzu kommt, dass einige Einrichtungen rund um die Uhr geöffnet haben und somit im laufenden Betrieb beliefert und gereinigt werden müssen.

Spaß macht es trotzdem, wie Andreas Jacob erzählt. Seit 14 Jahren ist er mit an Bord, hat ursprünglich als Küchenchef auf der Fähre angefangen. Jetzt ist er Ansprechpartner für Team und Passagiere gleichermaßen – und freut sich über die kleinen und größeren Herausforderungen, die jede neue Schicht mit sich bringt. Wer glaube, dass sich auf der Fähre schnell eine Art Trott einschleichen könne, liege voll daneben: „Jeder Tag an Bord ist anders – das ist das Schöne an unserer Arbeit.“

Jennifer Binder

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf dem Frohberghof in Eutin haben die Hühner ein mobiles Zuhause. Alle 14 Tage wird es auf eine frische Wiese umgeparkt. Den Wünschen nach Bio-Eiern zu Ostern können die Bauersleute kaum nachkommen.

14.04.2019

Seit 1962 gibt es das Juweliergeschäft Lindner in dem Ostseebad – doch zum Juni dieses Jahres hören Mike Lindner und seine Frau Susanna auf. Das Geschäft machte nach einem Raubüberfall sogar bundesweit Schlagzeilen. Wie es für Laden und Mitarbeiter weitergeht, erzählt der Inhaber.

14.04.2019

Im Bereich Strandkoppel könnte auch eine Seniorenwohnanlage entstehen. Ende April steht eine Einwohnerversammlung an. Gemeindevertreter wählen Kinderschutzbund als Betreiber für Kindertageseinrichtung.

13.04.2019