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116 117 wählen statt zur Notfallambulanz

Bad Segeberg/Lübeck 116 117 wählen statt zur Notfallambulanz

In der Leitstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein in Bad Segeberg sitzen medizinische Fachkräfte und Ärzte am Telefon. Sie helfen Kranken außerhalb von Sprechzeiten, führen zu Anlaufpraxen, organisieren Hausbesuche und wenn nötig auch Notärzte.

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Die Leitstelle des KVSH-Bereitschaftsdienstes in Bad Segeberg: Dr. Torsten Bartels (54) aus Groß Grönau (Herzogtum Lauenburg) teilt sich den Dienst nach Praxisschluss mit über 20 Kollegen aus Schleswig-Holstein.

Quelle: Foto: Hiltrop

Bad Segeberg/Lübeck. „Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung, guten Tag, sie sprechen mit Dr. Bartels.“ Über dem Schreibtisch des Allgemeinmediziners leuchtet eine rote Warnlampe, die signalisiert, dass ein Patienten-Gespräch geführt wird. Über das Headset fragt Torsten Bartels einige Eckdaten zum Befinden des Anrufers ab, entscheidet über das weitere Vorgehen.

Der 54-Jährige aus Groß Grönau (Herzogtum Lauenburg) schiebt Bereitschaftsdienst. Ein- bis zweimal im Monat ist er der Telefonarzt – einer von bundesweit 1450 – für die unklaren Fälle, die aus der Bereitschaftszentrale durchgestellt werden. Die Leitstelle in der Oldesloer Straße in Bad Segeberg, die am „Tag des ärztlichen Bereitschaftsdienstes“ am Mittwoch einen Einblick gewährte, ist an diesem Tag mit zehn Mitarbeitern besetzt. Trotz Stimmengewirrs geht es ruhig und konzentriert zu. Alle kommen aus medizinischen Berufen – Krankenschwestern, Arzthelferinnen, Sanitäter, die hier in Vollzeit oder auf Minijob-Basis nebenbei arbeiten. So wie Chris Mohrhagen (25), der von Reinhard Finner, einem 54-jährigen Rettungsassistenten, eingearbeitet wird.

Der Senior, den starkes Unwohlsein quält, die besorgte Mutter, deren Kind einfach nicht aufhört zu husten und nun auch noch Fieber bekommen hat, das Altenheim, das eine wichtige Frage zu Medikamentengabe hat: Alltag in der Bereitschaftsstelle.

Deren Aufgabe es ist, außerhalb der Praxis-Sprechzeiten Hilfe anzubieten. Sei es mit Rat, Infos zur nächsten Anlaufpraxis, wie beispielsweise der, die dem Uni-Klinikum in Lübeck angeschlossen ist.

Sie organisieren Hausbesuche oder Fahrdienste und in akuten Fällen auch einen Notarzt. Fast eine Viertelmillion Patienten haben im vergangenen Jahr hier angerufen, Menschen, die sonst womöglich zur Notfallambulanz gegangen wären. „Dort binden sie Ressourcen, die für wirklich schwere Dinge gebraucht werden“, macht Bartels deutlich, dass der Bereitschaftsdienst im Netzwerk der medizinischen Versorgung der Bürger eine wichtige Rolle einnimmt. Bartels: „Das Konzept ist aus meine Sicht perfekt.“

Doch die Rufnummer 116117, unter der die Hilfe bundesweit kostenlos zu bekommen ist, ist noch viel zu unbekannt: „Laut einer Studie kennen rund 70 Prozent der Bürger diese Nummer nicht“, bedauert KVSH-Sprecher Marco Dethlefsen, das müsse sich deutlich ändern.

Der Bereitschaftsdienst

245.000 Anrufe nimmt die Leitstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein derzeit im Jahr an.30000 Hausbesuche machen die Ärzte in Schleswig-Holstein im Bereitschaftsdienst. 31 allgemeinmedizinische, zwölf kinderärztliche Anlaufpraxen, einen augenärztlichen und einen HNO-Bereitschaftsdienst gibt es über die Hotline in Schleswig-Holstein.

116 117 ist die Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes (er ist kein Rettungsdienst). Sie ist montags, dienstags, donnerstags zwischen abends 18 Uhr und morgens 8 Uhr erreichbar sowie mittwochs und freitags zwischen 13 Uhr und 8 Uhr. Sonnabends, sonntags und feiertags steht der ärztliche Bereitschaftsdienst den ganzen Tag über für Hilfe bereit. hil

 Heike Hiltrop

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