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17 Sprachpaten und ein Deutschkursus

Bad Segeberg 17 Sprachpaten und ein Deutschkursus

Das Echo auf die LN-Aktion „Hilfe im Advent“ hat Gisela Dell von der Diakonie überwältigt. Mit über 6600 Euro ist nicht nur der nächste Deutsch-Sprachkursus für Flüchtlinge gesichert. Es haben sich auch viele Menschen gemeldet, die praktische Hilfe anbieten.

Bad Segeberg. 6659 Euro sind bei der LN-Aktion „Hilfe im Advent“ für die Migrationssozialarbeit zusammengekommen. Gisela Dell ist begeistert: „Damit können wir den nächsten Sprachkursus anbieten.“ Dafür bedankt sie sich herzlich bei allen Spendern.

Aber Geld sei nicht alles, was bei der Hilfsaktion herausgekommen sei, betont die Migrationssozialberaterin. Gleich 17 potenzielle Sprachpartner zwischen 17 und 80 Jahren hätten sich bei ihr gemeldet, außerdem eine Lehrerin, die ehrenamtlich Deutschkurse anbieten wolle, zählt Gisela Dell auf. Und in Groß Niendorf stellt eine Familie ihre Dachwohnung für Flüchtlinge zur Verfügung (siehe unten). „Das ist einfach fantastisch“, ist Dell euphorisch.

Besonders die Sprachpartner sind bei den Migranten heiß begehrt. „Wir verstehen schon ein bisschen und haben im Deutschkursus Grammatik gelernt, aber das Sprechen ist noch nicht so gut“, erklärt Amir Tabrizi.

Der Iraner und seine Frau Mahnaz Latifi suchen deshalb Sprachpaten, mit denen sie sich im Alltag treffen können, um Deutsch zu üben, ganz nebenbei. Als Amir Tabrizi in der Diakonie auf Joachim Westerhaus trifft, nutzt er gleich die Chance, sich bekannt zu machen.

Tabrizi lebt in Trappenkamp, Westerhaus gut 20 Kilometer entfernt in Bad Segeberg. „Hast du Auto?“, stellt Amir Tabrizi die beinahe wichtigste Frage, denn er hat keines. Aber der 52-jährige Bad Segeberger ist glücklicherweise mobil. Kontaktdaten werden ausgetauscht, erste Gespräche geführt. Am Ende sagt Westerhaus: „Wir beide wollen das mal versuchen.“

Geklappt hat es schon bei Nawid Shadab und Gerd Reinartz. Die beiden haben sich vor einigen Wochen auf der Straße in Schmalfeld getroffen. „Nawid war im Regen unterwegs zur Bushaltestelle, ich habe ihn mitgenommen.“ Daraus entstanden ist eine Freundschaft. „Wir sehen uns fast täglich.“

Sie gehen gemeinsam Kaffee trinken oder zum Jobcenter, manchmal fährt Reinartz ihn zum Einkaufen, denn zum nächsten Discounter braucht Nawid mit dem Fahrrad mindestens eine halbe Stunde. Der örtliche Schlachter ist für ihn einfach nicht bezahlbar. Reinartz half dem 19-jährigen Afghanen auch dabei, ein Praktikum in einem Supermarkt zu bekommen.

„Ich hätte nicht gedacht, wie schwer das ist“, sagt er. „Vorrang haben nämlich Deutsche und EU-Bürger.“ Selbst bei einem unbezahlten Praktikum. „Da war ich zuvor auch zu naiv“, gesteht Reinartz, der eine ganz neue Welt kennenlernt.

Eine Freundschaft wie bei Gerd Reinartz und Nawid Shadab erhofft sich auch Joachim Westerhaus von der Sprachpartnerschaft. Er ist sicher, dass der Gewinn nicht allein bei den Flüchtlingen liegt.

„Eine andere Kultur kennenlernen, das ist doch spannend.“ So begründet auch Ulrike Ostertag ihr Interesse an einer Sprachpartnerschaft. Kürzlich erst sei sie von einem zweijährigen Aufenthalt in China zurückgekehrt. Dort sei ihre Situation mit denen der Flüchtlinge hier überhaupt nicht vergleichbar, aber sie habe zumindest erlebt, wie es ist, die Schrift nicht lesen zu können, die Sprache nicht zu verstehen.

„Das ist bei vielen Flüchtlingen ja ähnlich“, sagt die 50-Jährige aus Krems II. „Man ist wie taubstumm unterwegs.“ Zudem kann sie seit China nachvollziehen, dass es nicht leicht ist, ohne Hilfe in einen anderen Kulturkreis einzutauchen.

Damit trifft sie den Nerv der Flüchtlinge wie Amir Tabrizi und Fatemeh Zavar, die gar keine großen Ansprüche stellen, sie wollen nur eines: „Deutsch lernen.“ Die Sprache ist schwer für sie, selbst mit Sprachkursus. Ist dieser vorbei, wird es nicht leichter, das Gelernte anzuwenden oder gar auszubauen. Dabei wollen sie sich doch so gern integrieren.

Und deshalb überwindet sich die schüchterne Fatemeh Zavar auch und spricht Ulrike Ostertag gleich bei der ersten Begegnung an. Sie verabreden sich für die nächste Woche, wenn alle neuen Sprachpaten zusammenkommen. Ulrike Ostertag freut sich drauf: „Ich bin ganz neugierig, was mich erwartet.“

Nadine Materne

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