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Segeberg 3. Juni 1534: Wie der große Brand ganz Segeberg vernichtete
Lokales Segeberg 3. Juni 1534: Wie der große Brand ganz Segeberg vernichtete
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13:36 03.06.2016
Dieses Bild über die große Feuersbrunst malte der Bad Segeberger Malte Dose. Fotos/Repro: Dreu
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Bad Segeberg

An besondere Jahreszahlen wie die der Sturmflut in Hamburg am 16./17. Februar 1962 oder an die Wiedervereinigung am 9. November 1989 erinnern sich noch Viele. Dass genau heute vor 482 Jahren einer der schwärzesten Tage Bad Segebergs war, wissen jedoch nur wenige. Es war der 3. Juni 1534, als Bad Segeberg und die Nachbargemeinde Gieschenhagen nahezu komplett dem Erdboden gleichgemacht wurden. Der Grund dafür: Rache.

 

Die Hansestadt Lübeck und der holsteinische Adel waren sich seinerzeit überhaupt nicht grün. Es herrschte eine Grafenfehde, die sich zuspitzte, als die Holsteiner sieben Wagen mit Handelswaren, die für die Lübecker bestimmt waren, entführt und auf die Siegesburg gebracht hatten. Das nahmen die Lübecker natürlich nicht so einfach hin. Nachdem Hauptmann Marcus Meyer mit einer Handvoll Spießgesellen bereits Trittau und Reinbek gebrandschatzt hatte, überfiel er am 27. Mai 1534 auch die Siegesburg. Alle Mühen jedoch schlugen fehl. Die Siegesburg, in der viele Segeberger Zuflucht gesucht hatten, hielt Stand. Weitere Hilfe war durch ein Entsatzheer des holsteinischen Adels unterwegs, das von Johann Rantzau (Vater von Heinrich Rantzau) angeführt wurde. Die Aussicht auf ein Zusammentreffen gefiel den Lübeckern gar nicht. Sie nahmen am 3. Juni 1534 Reißaus. Mit ihrer Niederlage abfinden wollten sie sich aber nicht.

Viele Einwohner weilten noch in der Burg oder bei Verwandten. Die Stadt war menschenleer, und die Lübecker Söldner hatten leichtes Spiel, als sie unter dem Befehl von Marcus Meyer bei ihrem Abzug die Stadt in Brand setzten. Ein Haus nach dem anderen ging in Segeberg und im benachbarten Gieschenhagen in Flammen auf. Sie zerstörten die Kirche, das Kloster und auch das Rathaus, in dem sämtliche Urkunden und Ratsbücher des Mittelalters lagerten. In Segeberg standen nur noch drei, in Gieschenhagen zwei Häuser. Die Einwohner waren heimatlos geworden. Die ganze Stadt hatte am 3. Juni 1534 aufgehört zu existieren.

„Die Zerstörung muss verheerend gewesen sein. 100 Häuser wurden dabei dem Erdboden gleichgemacht“, sagt Niels Hinrichsen, Leiter des Museums Alt Segeberger Bürgerhaus.

Die Vernichtung ihrer Häuser lähmte die Einwohner. Erst sieben Jahre später haben sie damit begonnen, die Stadt wieder aufzubauen. In dem Zeitraum entstanden das Alt Segeberger Bürgerhaus und ein neues Rathaus. Auf den ersten Seiten des Ratsbuches werden der Brand und die Vernichtung der Stadt beschrieben.

Wenn auch nicht unbedingt durch Brandschatzung, so waren Stadtbrände in der Geschichte nichts Ungewöhnliches. „Noch im 12. und 13. Jahrhundert waren Schornsteine unbekannt, es gab offene Feuerstellen, die Häuser standen dicht an dicht und waren außerdem aus Holz und Stroh gebaut“, weiß Bad Segebergs Wehrführer Mark Zielinski. Im 12. und 14. Jahrhundert habe es viele Großbrände gegeben. „Lübeck brannte im 12. Jahrhundert mehrfach ab. Straßburg fiel im 14. Jahrhundert acht Mal den Flammen zum Opfer“, so Zielinski, der mit seinem Team in der heutigen Zeit 250 bis 300 Mal im Jahr im Einsatz ist.

Das Museum Alt Segeberger-Bürgerhaus entstand im Jahr 1541

Mehr über die Geschichte Bad Segebergs mit der Entstehung der ersten Holzhütten-Siedlung vermittelt das Museum Alt Segeberger Bürgerhaus in der Lübecker Straße. Dort gibt es unter anderem ein Modell mit der rekonstruierten Siegesburg auf dem Kalkberg, wie sie um 1600 ausgesehen haben muss. Die Siegesburg hat bis zu ihrer Zerstörung im Jahr 1644 das Stadtbild Bad Segebergs geprägt. Das Museumsgebäude entstand nach der Brandschatzung in seiner ursprünglichen Form im Jahr 1541. Danach hat es zahlreiche Um- und Anbauten gegeben. Alle erzählen die bewegende Geschichte des ältesten Hauses der Stadt, das bis 1959 als Wohnhaus genutzt wurde.

Das Museum ist in der Lübecker Straße 15 neben dem Rathaus zu finden. Geöffnet hat es von April bis Oktober täglich außer montags von 12 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. pd

 Petra Dreu

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