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34-Jähriger wollte Bruder Zigarette ins Auge drücken

Bad Segeberg 34-Jähriger wollte Bruder Zigarette ins Auge drücken

Gefährliche Körperverletzung nach Familien-Fehde beim Bad Segeberger Stadtfest — das Amtsgericht verurteilte einen Mann jetzt zu vier Monaten und zwei Wochen Haft auf Bewährung.

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Bad Segeberg. Ins Gefängnis muss er nicht — jedenfalls dann nicht, wenn er sich in der Bewährungszeit so straffrei hält, wie vor dieser Verhandlung: Die vier Monate und zwei Wochen Haft für Manuel B. (alle abgekürzten Namen von der Redaktion geändert) wegen gefährlicher Körperverletzung wurden zur Bewährung ausgesetzt. Der 34-Jährige hatte versucht, seinem 27-jährigen Bruder eine Zigarette ins Auge zu drücken.

„Ihr Bruder hätte sein Auge verlieren können.“ Richterin Roggendorf

Aus dem

Amts-

gericht

Dies ist nicht die Geschichte von Kain und Abel. Manuel B. und Peter S. waren keine verfeindeten Brüder; sie wohnten zum Zeitpunkt der Tat sogar zusammen in Bad Segeberg. Zwar wollte Peter immer wieder ausziehen, weil ihm die Wohnung zu teuer war, aber eigentlich verstand er sich mit Manuel ganz gut. Bis schließlich Angelika F. auftauchte, Peters neue Freundin. Diese Frau mochte Manuel aber gar nicht leiden. „Und schon gar nicht, dass die einfach so bei uns einzog.“

Beim Stadtfest im September 2015 eskalierte das Ganze. Manuel und Peter waren mit zwei Frauen aus ihrem Freundeskreis zuerst in einer Gaststätte essen und zogen dann in eine Disko um, weil es ihnen draußen zu regnerisch wurde. Da stieß Angelika F. hinzu, und um die Geduld von Manuel war es geschehen. Er forderte „sofort“die Schlüssel zur gemeinsamen Wohnung von der Freundin des Bruders, entriss ihr ein Schlüsselbund, beschimpfte sie wüst. Freund Peter war noch in der Disko, wurde herausgerufen, stellte seinen Bruder anschließend zur Rede.

Was nun geschah, wird von beiden Brüdern unterschiedlich geschildert. Peter sagt, der Bruder habe ihm zwei Mal ins Gesicht geschlagen und dann versucht, ihm eine brennende Zigarette ins Auge zu drücken, das Auge aber nur am Rand getroffen.

Manuel hingegen erklärte, es habe sich nur um eine Backpfeife gehandelt, „um ihn zu beruhigen“, und das mit der Zigarette könne nur passiert sein, weil der jüngere Bruder so mit den Armen herumgefuchtelt habe. Fünf weitere Zeugen bestätigten aber vor allem Peters Version, außer dass man Manuel bei der „Backpfeife“ recht gab. Allein die ältere Schwester hielt zu Manuel; sie allerdings kam erst dazu, als schon Polizei und Notarzt gerufen worden waren.

Peter sei nach der Attacke mit der erhobenen Zigarette in den Knien zusammengeknickt, sagte eine der Zeuginnen. Und die Polizeibeamten habe der Angeklagte mit Ausdrücken beschimpft, von denen „Witzfigur“ und „Drecksbulle“ noch die mildesten waren. Ein Polizist soll vor Ort den Streit mit Manuels künftiger Ex-Frau erwähnt haben. „Das gehörte da aber doch gar nicht hin“, hatte sich Manuel eingangs gerechtfertigt.

Doch da biss er bei Richterin Sabine Roggendorf auf Granit: Alle anderen hätten Schuld, alle anderen hätten provoziert, nur er selbst nicht, kritisierte sie den Angeklagten. Die Richterin erinnerte an das Foto, wie das Auge des Bruders nach dem Attentat ausgesehen habe. „Ihr Bruder hätte das Auge verlieren und arbeitsunfähig sein können“, mahnter sie an die Schwere der Tat und ging mit dem Haft-Urteil deutlich über die von Staatsanwalts-Referentin Sühring geforderte Geldstrafe von 800 Euro hinaus.

Zahlen muss Manuel B. trotzdem: die Gerichtskosten und 500 Euro, jeweils zur Hälfte an seinen Bruder und an die Landeskasse. Denn Polizeibeamte, so die Richterin, müssen sich nun wirklich nicht alles an den Kopf werfen lassen, was Randalierern so einfällt.

Und was ist mit den Brüdern heute? „Wir gehen getrennte Wege“, erklärte Peter S., und so war es auch, nachdem beide das Gericht verlassen hatten.

Von Lothar Hermann Kullack

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