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40 Millionen Euro: Neuer „Motor“ für Forschungszentrum

Borstel 40 Millionen Euro: Neuer „Motor“ für Forschungszentrum

Bund und Land finanzieren den Neubau des Hauptforschungslabors in Borstel bis 2021. PA 22 ist quasi der Motor des Forschungszentrums: Hier arbeiten 140 Personen. 70 bis 80 Wissenschaftler beschäftigen sich mit Fragen um das Thema "Lungenerkrankungen". Nun soll das Labor neu gebaut werden — für 40 Millionen Euro.

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Das Hauptforschungslabor: Nach dem Neubau könnte das Gebäude kernsaniert werden.

Quelle: Materne

Sülfeld-Borstel. Von außen sieht das Gebäude unspektakulär aus: fünf Stockwerke, schnörkellos, ein Funktionsbau. Doch PA 22 ist quasi der „Motor“ des Forschungszentrums Borstel. Das Hauptforschungslabor. 140 Personen arbeiten hier, davon 70 bis 80 Wissenschaftler, die sich mit Fragen um das Thema Lungenerkrankungen beschäftigen.

Das Zentrum ist spezialisiert auf die Bereiche Asthma und Allergologie sowie Infektionskrankheiten der Lunge — von der Grundlagenforschung an der einzelnen Zelle bis hin zu aufwändigen Testreihen mit hochresistenten Tuberkuloseerregern im Hochsicherheitsbereich. Das Zentrum ist international bekannt. Doch der „Motor“ PA 22 läuft seit über 30 Jahren und weist in den technischen Anlagen inzwischen einige Defizite auf. Nun soll das Labor neu gebaut werden — für 40 Millionen Euro.

Prof. Dr. Frank Petersen, wissenschaftlicher Koordinator für den Neubau, vergleicht das Laborgebäude gern mit einem alten Golf II. „Von außen sieht er ganz gut aus, er hat kaum Rost, er fährt, hat auch Tüv. Aber er hat kein ABS oder ESP. Dinge, die heute selbstverständlich sind.“ So sieht auch PA 22 von außen gut aus, doch die Gebäudetechnik — Versorgungsleitungen, Belüftung, Energieverbrauch — seien nicht mehr zeitgemäß. Die Klimaanlage arbeite am Anschlag, um die strengen Auflagen für den Tierhaltetrakt zu erfüllen. Bei Temperatur und Luftfeuchtigkeit seien kaum Schwankungen zulässig. Bei Verstößen würden sofort Strafgelder verhängt. Und die Vorschriften würden immer strenger, betont Zentrumsdirektor Prof. Dr. Stefan Ehlers. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis diese nicht mehr erfüllbar seien. Auch gehe dies zu Lasten der Angestellten, deren Arbeitsbereiche im Sommer sehr heiß und im Winter zu trocken seien.

Beim Thema Energieeffizienz schneidet das Gebäude schlecht ab. „Es verbraucht so viel wie 350 Einfamilienhäuser“, sagt Petersen. Kühl- und Brutschränke, Reinluftbänke — das Gebäude ist vollgestopft mit Technik. Sechsmal pro Stunde werde im Gebäude die Luft ausgetauscht. Ohne Wärmeaustausch zwischen der angesaugten kalten Luft von draußen und der warmen von drinnen. Ein Dampfkessel für die Sterilisatoren verbrauche zudem 2000 Liter Öl. Pro Woche. „Das wird heute alles anders gemacht“, sagt Petersen. Mit dem Neubau sollen die jährlichen Betriebskosten des Labors von derzeit 750000 Euro halbiert werden. „Das Geld können wir dann sinnvoller nutzen.“

Derzeit laufen die Vorplanungen für den Neubau, und Petersen fragt die Bedarfe in den einzelnen Abteilungen ab. Er plant mit einer Nutzfläche von 4500 Quadratmetern, davon 2000 Quadratmeter Laborfläche — 500 mehr als derzeit. Auch die Flächen für den Hochsicherheitsbereich und die Tierhaltung (je 550 Quadratmeter) vergrößern sich. Wie das Gebäude aussehen wird, wird erst nach der Detailplanung feststehen. Dann wisse man auch, ob es möglich ist, das nationale Referenzzentrum für die Tuberkuloseforschung mit in das neue Gebäude zu nehmen. Dann müsste nur ein Hochsicherheitsbereich mit entsprechender Schleusentechnik gebaut werden, so Ehlers. Das Labor im Gebäude PA 18 sei mit dem stetig wachsenden Probenaufkommen ebenfalls an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen und wäre die nächste dringliche Baustelle.

Doch zunächst ist der Zentrumsdirektor froh, dass die Finanzierung für den Laborneubau steht. Bund und Land haben zugesagt, zwischen 2016 und 2021 insgesamt 40 Millionen Euro einzusetzen, heißt es in einem Bericht der Landesregierung. Ende 2017 soll mit dem Bau begonnen werden. Vor drei Jahren sei man noch davon ausgegangen, das Laborgebäude im laufenden Betrieb mit deutlich geringerem Kostenaufwand sanieren zu können. Doch wie genauere Untersuchungen ergaben, sei dies nicht möglich. Petersen: „Man kann bei einem Auto auch nicht den Motor austauschen und dabei weiter auf der Autobahn fahren.“

Einer der größten Arbeitgeber im Kreis

550 Menschen beschäftigt das Forschungszentrum Borstel (FZB), davon 346 im Forschungsbereich und 204 in der Medizinischen Klinik. Damit gehört es zu den größten Arbeitgebern im Kreis Segeberg.

Gegründet wurde das FZB 1947 als Tuberkulose-Institut. Heute verbindet es Grundlagenforschung auf dem Gebiet chronischer Entzündungsprozesse der Lunge mit klinischer Forschung, vor allem an mit Tuberkulose und Asthma oder Allergie erkrankten Patienten.

Nadine Materne

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