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Segeberg 58-Jähriger erstochen - Polizei nimmt 27-Jährige fest
Lokales Segeberg 58-Jähriger erstochen - Polizei nimmt 27-Jährige fest
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21:39 13.10.2016
Am Tag danach: Die Kleinbusse der Spurensicherung parken vor dem Tatort in einem Wohn- und Geschäftshaus in der Kurhausstraße. Quelle: Wolfgang Glombik
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Bad Segeberg

Nachdem sich die Beamtem mit Gewalt Zutritt zur Wohnung verschafft hatten, wurde das Opfer wegen des hohen Blutverlustes bewusstlos. Wenig später erlag der Mann im Segeberger Klinikum seinen schweren Verletzungen.

Die Mordkommission ermittelt wegen eines Tötungsdeliktes in der Bad Segeberger Kurhausstraße – 58-Jähriger wurde dort am Mittwochabend von einer Frau niedergestochen.

„Die Beamten erreichten ihn noch ansprechbar, dann aber brach er zusammen.“ Oliver Pohl, Polizeidirektion Kiel

Nach Informationen der LN spielten sich am Abend der Tat dramatische Szenen in der Dachgeschosswohnung ab: Beim Eintreffen der Polizei war der Mann bereits nicht mehr in der Lage, die Wohnungstür zu öffnen, die Polizisten mussten sich mit Gewalt Zugang zu der Wohnung verschaffen. „Die Beamten erreichten ihn noch ansprechbar, dann aber brach er zusammen“, sagte Oliver Pohl, Sprecher der Polizeidirektion in Kiel. Ein Rettungswagen brachte den Verletzten umgehend in die Segeberger Kliniken, wo er etwa zwei Stunden später starb.

Als die Polizei gegen 22 Uhr die Wohnung stürmte, hielt sich die mutmaßliche Täterin nach LN-Informationen ebenfalls noch darin auf. Sie soll sich in einem Nebenzimmer verbarrikadiert haben. Bei ihrer Festnahme leistete die Frau demnach massiven Widerstand, soll mit einem Messer angedeutet haben, sich selbst zu töten, damit aber auch auf die Polizeibeamten losgegangen sein. Offenbar konnten die Beamten die Frau nur durch den Einsatz massiver Gewalt überwältigen und festnehmen.

Weder die Polizei noch die zuständige Staatsanwaltschaft in Kiel wollten das gestern kommentieren. Auch zu den Hintergründen der Tat wurden keinerlei Angaben gemacht. Aus „ermittlungstaktischen Gründen“ könne man zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weiteren Details über die Umstände preisgeben, erklärte Staatsanwalt Michael Bimmler auf Anfrage.

Woher das Opfer und die mutmaßliche Täterin sich kannten, ist deshalb unklar. Wie die LN weiter erfuhren, hat die Frau möglicherweise als Prostituierte gearbeitet. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es aber ebenfalls nicht. Man müsse zunächst die weitereren Ermittlungen abwarten, bevor weitere Angaben zur Tat gemacht werden können, hieß es aus Kiel. Möglicherweise würden heute weitere Details folgen.

Offen ist deshalb auch noch, ob sich Täter und Opfer erst an diesem Abend kennengelernt hatten oder bereits seit längerer Zeit miteinander in Kontakt standen. Die Messerattacke dürfte für den 58-Jährigen nach Kenntnissen der LN jedoch sehr unerwartet gekommen sein. Beide sollen in der Wohnung zunächst in lockerer Atmosphäre gemeinsam getrunken haben. Inwieweit Alkohol oder Drogen eine Rolle für die Tat spielten, prüfen die Ermittler jetzt. Noch für gestern ordnete die Staatsanwaltschaft eine Obduktion des Toten an.

Merkwürdig sparsam ging die Polizei gestern Nachmittag auch mit Informationen über die mutmaßliche Täterin um. Ob und mit welchem Ergebnis die 27-Jährige von den Ermittlern befragt wurde, ließ

Polizeisprecher Pohl gestern offen. Auch zu der Frage, ob gegen sie Untersuchungshaft oder die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung angeordnet wurde, schwieg sich der Polizeisprecher aus.

Bei dem Opfer soll es sich nach LN-Recherchen um einen selbstständigen Steuerberater aus dem Kreis Segeberg handeln, der eine Kanzlei im Kreis Ostholstein unterhielt.

Vor dem Wohn- und Geschäftshaus in der Kurhausstraße, in dem sich zwölf Wohneinheiten und zwei Geschäfte befinden, parkten gestern die blauen Kleinbusse der Kieler Spurensicherung, die mit der Beweissicherung am Tatort begonnen hatte. Die Wohnung des Opfers wurde beschlagnahmt und von der Polizei versiegelt. Nachbarn des Mannes hatten zwar bereits von dem Polizeieinsatz und dem Tötungsdelikt erfahren, wollten sich gestern aber nicht zu dem Fall äußern.

 Oliver Vogt und Lothar Kullack

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