Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg 692 mögliche Helden für Lennox
Lokales Segeberg 692 mögliche Helden für Lennox
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:55 18.06.2018
Stefan Grün (26, r.) aus Bad Segeberg wirft nach der Typisierung einen Geldschein in die Spendenbox.
Anzeige
Schackendorf

„Das ist der Wahnsinn. Über diesen Tag sind Lennox und wir so glücklich“, sagt seine Mutter Sontka Friedrichsen-Staeding und strahlt. Überwältigt ist sie nicht nur von der großen Anzahl derer, die an der Typisierungsaktion teilnehmen, sondern auch von den vielen freiwilligen Helfern, die nicht allein aus der Familie oder dem engsten Freundeskreis kommen. Ihr Einsatz ist enorm, denn schon vor dem Beginn der Typisierung um elf Uhr hat sich eine lange Menschenschlange vor dem Sportlerheim des SV Schackendorf gebildet. Sie alle hoffen, dass sie vielleicht der passende Stammzellenspender für Lennox sein könnten.

692 Männer und Frauen nicht nur aus Schackendorf und Umgebung, sondern aus ganz Schleswig-Holstein kamen, um für den 16-jährigen, an Leukämie erkrankten Lennox zum Helden zu werden. 11000 Euro an Spenden gingen zur Finanzierung der Typisierungsaktion ein.

Alles ist gut organisiert. Wehrführer Holger Teegen hat das Geschehen im Blick, zeigt Neuankömmlingen, wo gerade ein Platz frei wird. Drei Stäbchen bekommen sie in die Hand gedrückt, die sie jeweils eine Minute lang über die Schleimhaut der linken und rechten Wange sowie über den gesamten Mundraum streichen müssen. An den Tischen sitzen Helfer – mit einer Eieruhr, damit die eine Minute für jedes Stäbchen eingehalten wird.

Die Endkontrolle übernehmen Dennis Putzig und Christopher Krabbe, die ebenfalls zur Feuerwehr Schackendorf gehören. Mehr als 300 Umschläge mit Wattestäbchen und Formularen haben sie in den ersten zwei Stunden kontrolliert. „Meine Frau und die Mutter von Lennox sind Arbeitskollegen. Da muss man doch einfach helfen“, sagt Dennis Putzig. Nach etwas mehr als drei Stunden ertönt eine Glocke, das Zeichen für den 500. Spender. Es ist eine Spenderin: Lea Kristin Albertsen (21). Von Kiel aus hat sich die junge Frau auf den Weg nach Schackendorf gemacht, um eventuell eine Heldin für Lennox zu werden. „Meine Mutter und die Oma von Lennox singen im selben Chor. Ich möchte einfach helfen“, sagt sie.

Ehemalige Schulkameraden, deren Eltern und Lehrer kommen ebenfalls vorbei, um sich typisieren zu lassen und der Familie neue Kraft zu geben. Sogar die Free Bikers Bornhöved, zu denen eine ehemalige Schulkameradin von Lennox’ Mutter gehört, haben sich auf ihre Motorräder gesetzt, um sich in Schackendorf typisieren zu lassen.

Unter den Spendern ist auch Kevin Grün (26) aus Bad Segeberg. „Lennox ist ein Arbeitskollege meiner Frau. Er hat bei Edeka Burmeister ein Praktikum gemacht“, erzählt der junge Mann. Er hat nicht nur die Typisierung mitgemacht, sondern wirft auch noch einen Schein in eine Plexiglasbox, denn die Typisierungen müssen schließlich auch bezahlt werden. 35 Euro kostet eine solche Untersuchung. Bis gestern sind dafür mehr als 11000 Euro an Spenden bei der Deutschen Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) eingegangen. Andere Firmen haben Brötchen und Getränke zur Verfügung gestellt oder kostenlos Plakate gedruckt.

Immer wieder gibt Sontka Friedrichsen-Staeding aktuelle Spenderzahlen an Lennox durch, der in der Uniklinik Kiel darauf hofft, dass seine Leukozyten wieder steigen und er nach Hause kann – zumindest vorerst, bis ein passender Spender gefunden ist und die Vorbereitungen für die Stammzellenübertragung getroffen werden können. Ob er am 22. Juni nach Hause kann, ist noch fraglich. Dann nämlich feiert Lennox seinen 17. Geburtstag.

 Von Petra Dreu

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige