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Segeberg 7371 Verkehrsunfälle in Segeberg
Lokales Segeberg 7371 Verkehrsunfälle in Segeberg
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21:24 18.03.2016

Zu schnell, unaufmerksam, anmaßend, sich über Gebote hinwegsetzend: Die Verkehrsteilnehmer im Bereich der Polizeidirektion Bad Segeberg, wozu die Kreise Pinneberg und Segeberg (plus die Stormarner Gemeinde Tangstedt) gehören, haben es im vergangenen Jahr 14921 Mal krachen lassen: So viele Unfälle haben sie laut „Verkehrssicherheitsbericht 2015“ verursacht.

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Verkehrsteilnehmer halten sich laut Polizei immer weniger an Regeln / 2172 Menschen verletzt, sieben getötet.

378, also 2,6 Prozent, mehr als 2014. Dabei sind 3025 Menschen verletzt worden (+43), davon 305 schwer und 2704 leicht. 16 Menschen (Vorjahr: 17) haben dabei ihr Leben verloren. Kaum zu glauben, aber wahr: In beiden Kreisen wurden im vergangenen Jahr jeweils exakt 7371 Verkehrsunfälle registriert. „Das haben wir x-mal nachgezählt, aber es stimmt tatsächlich“, beteuerte Birger Schwien, Leiter des Sachgebietes Verkehr in der Polizeidirektion.

Im Kreis Segeberg, auf den sich die folgenden Zahlen beziehen, sind sieben Menschen (Vorjahr: 13) zu Tode gekommen. Besonders tragisch war der Tod eines zweijährigen Kindes, das in Bad Segeberg unter ein langsam rückwärts fahrendes Auto geraten war. Es ist das einzige Kind, das bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Von den anderen tödlich verlaufenden Unfällen waren nur zwei Insassen eines Autos, zwei waren Fußgänger, zwei Kradfahrer und einer war Radfahrer.

Radfahrer waren allerdings überproportional häufig an Verkehrsunfällen beteiligt, nämlich an 362. Motorisierte Zweiradfahrer waren in 144 Unfälle verwickelt. Allerdings sind die Zahlen bei beiden Gruppen rückläufig. Konstant blieb die Anzahl der Fußgänger, die an Unfällen beteiligt waren: 85. Betrachtet man die Unfälle unter dem Aspekt „Alter der Beteiligten“, ergibt sich folgendes Bild: 129 Kinder (Vorjahr: 142) bis unter 15 Jahren; 282 junge Fahrer (18 bis unter 25 Jahre) wurden als Verursacher eines Unfalls ermittelt (+24) und 274 (+11) Senioren über 65 Jahren, die einen Unfall herbeigeführt haben. Dabei gilt die Grundregel: Junge Leute verursachen viel mehr Unfälle als alte. Doch wenn es bei Senioren mal kracht, dann richtig. Oft werde von ihnen die Vorfahrt missachtet.

Ungefähr gleich geblieben ist die Zahl der Verkehrsunfälle unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol, nämlich 122 (1,5 Prozent aller Unfälle).

Aufschlussreicher als ein Vergleich mit dem Vorjahr ist die Betrachtung einer Zehn-Jahres-Periode: Die Zahl der Verkehrsunfälle erreichte 2015 ihr Maximum mit 7371. Dafür gab es nur sieben Todesfälle. Ganz anders die Zahlen aus dem Jahr 2008: Da wurden mit 5912 die wenigsten Unfälle dieser Dekade registriert, aber 18 Todesfälle — ein Wert, der nur einmal getoppt wurde: 2012 gab es 19 Tote. Die hohe Zahl der Unfälle 2015 kann man unter anderem mit dichter gewordenem Verkehr und mehr Baustellen auf den Straßen erklären. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Jan Lewering, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion, hat festgestellt, „dass die Verkehrsmoral nachgelassen hat“. Viele Verkehrsteilnehmer akzeptierten bestimmte Grundregeln einfach nicht mehr: Bei Rot über die Ampel? Warum nicht? Handy am Ohr? Kein Problem. Gurt anlegen? Ist doch wohl meine Sache! „Das Unrechtsbewusstsein ist gesunken“, sagte er. Und wenn Polizisten solche Verhaltensweisen rügen, wird gemault, etwa gegen die Verhängung von Bußgeldern. „Viele Leute akzeptieren bestimmte Regeln nicht mehr, machen sich ihre eigenen“, hat Schwien festgestellt.

Und außerdem, so Lewering, nähmen viele Verkehrsteilnehmer keine Rücksicht mehr auf andere, würden sich zum Beispiel ihre Vorfahrt erzwingen. „Wir überlegen, wie wir so ein Verhalten bei Verkehrsunfällen besser nachweisen können.“ Handys beispielsweise könnten nach einem Unfall ausgelesen werden, um festzustellen, ob zum Unfallzeitpunkt damit telefoniert wurde. „Das werden wir in Zukunft forcieren“, kündigt Lewering an.

Radfahrer im Fokus

Unfallexperte Kai Hädicke-Schories beginnt jetzt mit seiner eigentlichen Arbeit. Gemeint sei, genau zu schauen, wo sich die Unfälle ereignet haben, wer daran beteiligt war, wie sie entstanden sind „und ob beziehungsweise wie wir baulich etwas verändern müssen“, erläutert er. Da in viele Unfälle (352) Radfahrer verwickelt seien, „müssen wir unsere Radverkehrsüberwachung intensivieren“. Hädicke-Schories spricht aus, was viele denken: Viele Radfahrer seien undiszipliniert, nähmen sich Rechte heraus, die ihnen nicht zustehen.

Um Radfahrer letztlich vor Unfällen zu schützen (die oft mit schweren Verletzungen verbunden sind), sei man gehalten, den Radverkehr zu einem Überwachungsschwerpunkt zu machen. Hinzu kommt, dass viele Radfahrer auf der Straße fahren, anstatt Radwege, die für viel Geld für sie angelegt wurden, zu benutzen. Das ist erlaubt. Folge: steigende Unfallgefahr durch unaufmerksame Autofahrer. Vor allem beim Abbiegen herrscht erhöhte Gefahr.

Von Christian Spreer

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