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850 Jahre Rickling auf 400 Seiten

Rickling 850 Jahre Rickling auf 400 Seiten

Zum Jubiläum nächstes Jahr soll eine umfangreiche Dorfchronik erscheinen. Die finale Phase hat begonnen.

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Eine genaue Datierung der Aufnahme ist schwierig, vermutlich stammt sie aus der ersten Häfte des 20. Jahrhunderts. Das Foto zeigt die heutige Hauptverwaltung des Landesvereins, der 1883 nach Rickling kam. Damals waren die Menschen noch mit Pferd und Schlitten unterwegs.

Rickling. Die erste urkundliche Erwähnung Ricklings geht auf das Jahr 1164 zurück. In einer vom Hamburger Erzbischof unterzeichneten Urkunde ist dokumentiert, dass das Kloster Neumünster berechtigt war, den „Zehnten“ von der Dorfschaft „ricoluinc“ zu erheben. „Das war eine Art Steuer“, erklärt Irmela Bartels. Sie muss es wissen, seit zwei Jahren beschäftigt sie sich mit der Geschichte der Gemeinde — gemeinsam mit einer Gruppe aus etwa 25 Ricklingern arbeitet sie an einer umfangreichen Chronik, die im nächsten Jahr fertig sein soll. Pünktlich zur 850-Jahr-Feier der Gemeinde.

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Mit einer Arbeiterkolonie startete der Landesverein in Rickling. Herumstreicher sollten an ein geregeltes Leben gewöhnt werden.

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Bis zu 400 Seiten soll die Chronik am Ende dick sein — und die Entwicklung des Gemeindegebietes „von der Eiszeit bis heute“ abhandeln, wie Andrea Wagner-Schöttke, Mitglied der Schlussredaktion, umreißt. „Bis Ende des Jahres sollen alle Texte fertig sein.“

Gesiedelt wurde auf Ricklinger Boden lange vor 1164. „Siedlungsreste wurden hier bereits aus dem achten Jahrhundert gefunden“, ergänzt Friedrich Wagner, der Experte der Gruppe für die Geschichte der Kirche und den Landesverein. Bevor der Landesverein 1883 nach Rickling kam, war es ein kleines verschlafenes, bäuerlich geprägtes Dorf. 700 Jahre lang. „Um 1800 lebten hier knapp 150 Menschen, damals war Fehrenbötel noch größer als Rickling“, verdeutlicht Bartels. Fehrenbötel wurde aber erst 1970 Ortsteil von Rickling. „Das waren zwei eigenständige Dörfer.“ Während Fehrenbötel zu den Dänen gehörte, war Rickling seit 1536 Teil der Grafschaft Rantzau. Bartels: „Die Gutsbesitzer waren schon zum großen Teil eigenständig.“

Mit dem Landesverein erlebte Rickling enormes Wachstum. Zunächst wurde hier eine Arbeiterkolonie gegründet. Es ging darum, Landstreichern und Arbeitslosen ein geregeltes Leben zu vermitteln. Das Moor- und Heideland rund um Rickling sei günstig gewesen, der Landesverein hat es bewirtschaftbar gemacht. Später kamen die Trinkerheilanstalt und die Jugendfürsorge dazu. Alte Aufnahmen, die im ganzen Ort gesammelt wurden, zeigen die stetigen baulichen Veränderungen durch den Landesverein, heute Psychiatrisches Zentrum und Betreuung für alte und behinderte Menschen mit über 1000 Patienten und Bewohnern.

„Selbst in der Weltwirtschaftskrise der 20er hatten wir viele Handwerker in Rickling, weil es beim Landesverein Arbeit gab“, verdeutlicht Norbert Gohle, der für die Chronik zu den Themen Gewerbe, Handel, Wald und Moor schreibt. Durch den Landesverein kam Rickling 1907 auch zu einer eigenen Kirche. Irmela Bartels glaubt, dass auch die Bahn ein entscheidender Punkt gewesen ist, dass sich der Landesverein in Rickling angesiedelt hat. Ursprünglich sollte die Strecke durch Fehrenbötel führen, dort aber wehrten sich die Bürger dagegen. Als 1875 der Bahnhof gebaut wurde, lag dieser noch zwei Kilometer vom Dorf Rickling entfernt. Heute ist die Lücke baulich komplett geschlossen. Der Boom kam nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit knapp 1000 Flüchtlingen und den vielen Patienten zählte Rickling bereits 1945 um die 3000 Einwohner, in einer Festschrift zu 800 Jahre Rickling ist von 289 Schülern in jenem Jahr die Rede. „Damals gehörte aber auch noch Daldorf zu Rickling“, sagt Bartels. Der Ort war 1938 zwangseingemeindet worden, bis 1952.

In den 1950er und 60er Jahren wurde das Straßennetz in Rickling ausgebaut und Siedlungsgebiete ausgewiesen. In Spitzenzeiten gab es drei Kaufleute im Ort, ein Kaufhaus, zwei Tankstellen, zahlreiche Gewerke: eine Schmiede, die Meierei, ein Schlachter und ein Schuster. Rickling leistete sich ein modernes Schwimmbad, zwei Turnhallen, in den 80er wurde eine Reithalle gebaut. Alles soll in der Chronik Erwähnung finden, dafür haben knapp 25 Ricklinger Autoren alte Bücher gewälzt, Dokumente gesichtet. Überall im Dorf wurde auf Dachböden und in Kellern nach Fotos und Zeitzeugnissen gesucht, um Ricklings Historie zurückzuverfolgen. „Die Schulchronik geht bis 1860 zurück“, sagt Bartels. Dort sei oft auch das Dorfleben beschrieben worden. Eine große Hilfe sei auch das „Klönschnackbuch“ vom plattdeutschen Verein gewesen, berichtet Christine Saara, zuständig für die Digitalisierung alter Fotos und Dias.

Derzeit arbeitet das Chronik-Team am Inhaltsverzeichnis des Mammutprojekts. Auch die Suche nach einem Verlag beginnt. 1000 Exemplare sollen von der Chronik gedruckt werden.

„Bis Jahresende sollen alle Texte fertig sein.“
Andrea Wagner-Schöttke

Nadine Materne

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