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Segeberg 89-Jähriger um 185 000 Euro betrogen
Lokales Segeberg 89-Jähriger um 185 000 Euro betrogen
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17:29 21.01.2019
Die Angeklagten sollen einem damals 88-jährigen Senioren aus Norderstedt einen Koffer mit 185 000 Euro Bargeld abgenommen haben. Quelle: Thomas Geyer
Kiel/ Norderstedt

Der hagere 89-Jährige, der sich am Arm eines Begleiters vom Weißen Ring vorsichtig über die Schwelle zum Kieler Gerichtssaal tastet, wirkt gebrechlich. Doch als der Finanzexperte eines Großunternehmens zu schildern beginnt, wie er zum Opfer eines 185 000-Euro-Betrugs durch den Polizeitrick werden konnte, zeigt sich: Hier spricht ein intelligenter, sachkundiger und trotz hohen Alters voll orientierter Zeuge. Die raffinierte Masche der Täter hat er längst ebenso klar analysiert wie seine eigenen Schwachstellen.

Betrüger schaffen Vertrauensverhältnis

Schon drei Monate vor der Geldübergabe an einen falschen Polizeibeamten im Oktober 2017 rief ein „Oberkommissar Thomas Schwarz“ den solventen Senior aus Norderstedt an. „Man hat erst mal eine Vertrauensbasis geschaffen“, stellt der Zeuge nüchtern fest. Eine „Sonderabteilung der Kripo in Süddeutschland“ fand Notizen von Einbrechern, hieß es – mit ihm als mögliche Zielperson.

In den ersten Telefonaten beließen es die Betrüger geschickt bei guten Ratschlägen. „Man fragte mich nach verdächtigen Personen. Und ob ich meine Türen gut verschlossen halte.“ Doch dann kam „Oberkommissar Schwarz“ auf unzuverlässige Bankangestellte zu sprechen. Nach Rücksprache mit der Geschäftsführung der Hamburger Sparkasse (Haspa) suche man einen Lockvogel mit gut bestücktem Konto.

Opfer sollte als angeblicher Lockvogel helfen

„Ich habe gebremst, das war mir unheimlich“, sagt der 89-Jährige. „Dann hieß es, ich sei bereits Geheimnisträger und habe eine gewisse Verpflichtung.“ Letzte Zweifel habe eine E-Mail vom BKA in Wiesbaden beseitigt. Das gefälschte Schreiben wirkte sehr amtlich mit Dienstsiegel, Telefon-, Faxnummern und Anfahrtsbeschreibung. „Ok, ich helfe euch“, lenkte der Zeuge ein. Und war bereit, 185 000 Euro als Köder abzuheben.

Ängste vor einem Überfall konnte „Oberkommissar Schwarz“ zerstreuen. „Unsere Leute überwachen sie laufend“, versprach er dem Zeugen. Nach seiner Anweisung hielt der 89-Jährige während der Geldabhebung laufend Kontakt: „Die Verbindung stand, das Handy hatte ich in der Brusttasche.“ Bei der Haspa kannte man den Stammkunden als erfolgreichen Anleger, der mit Tagesgeldkonten hohe Gewinne erzielte. „Ich konnte mein Renommee ausnutzen“, sagt er. Man habe seiner Ankündigung geglaubt, er wolle anlässlich seines Geburtstags die Kinder reich beschenken.

89-Jähriger: „Ich habe mich geschämt!“

„Ich muss gestehen, ich war überzeugt von der Sache“, räumt der Senior ein. Als ihm kurz nach der Geldübergabe alles klar wurde, habe er sich geschämt: „Ich war natürlich am Boden zerstört.“ Per Handy hatte man ihn am 13. Oktober 2017 - einem Freitag – zur Übergabe der Summe im Pilotenkoffer an eine belebte Hamburger Ecke gelotst. Dort kam einer der Angeklagten auf ihn zu und hielt ihm den Lautsprecher seines Handys entgegen.

„Sie können übergeben“, teilte ihm der Oberkommissar mit. Der Zeuge händigte dem rotblonden Deutschen den braunen Kunstlederkoffer mit den 500-Euro-Noten aus. Sofort drängte man ihn eiligst in ein Taxi zu einer anderen Bank, wo er weitere 145 000 Euro abheben sollte. „Den zweiten Betrag sollte ich in die Türkei überweisen, damit man die Empfänger dort auf frischer Tat festnehmen konnte.“

Niemand habe vor einem Polizeitrick gewarnt

Doch diese Bank verzögerte die Transaktion – zum Glück für den Geschädigten. „Die echte Polizei hat mich bei der Protokollierung der Strafanzeige erst mal etwas hart angefasst“, sagt der 89-Jährige. Aber er sei „aller bestens betreut“ worden. Schließlich hätten die Medien damals noch nicht so eindringlich vor dem Polizeitrick gewarnt.

Die Festnahme der Täter erfolgte nach einem anonymen Hinweis. Nach der Aussage ihres Opfers erhebt sich einer von ihnen und will sich „von Herzen entschuldigen“. Der 33-Jährige bricht in Tränen aus, bekennt, dass er sich schäme. Sein 26-jähriger Komplize, der für ein paar Hundert Euro Belohnung den Koffer übernahm, schließt sich an. Der hochbetagte Zeuge, der ein Viertel seines Vermögens verlor, zeigt Verständnis: „Sie waren selbst gesteuert“, stellt der 89-Jährige fest.

Immer wieder warnt die Polizei vor falschen Beamten. Sie rät Folgendes: „Werden Sie mit einem derartigen Sachverhalt angerufen, legen Sie einfach auf. Übergeben Sie niemals Geld an Unbekannte. Machen Sie keine Angaben über ihre Wertgegenstände im Haus oder ihre Bankdaten. Rufen sie selbst bei einer Polizeidienststelle an.“

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Thomas Geyer

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