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Segeberg 90. Geburtstag von Hans-Richard Nevermann: Ein Leben im Zeichen der Aussöhnung
Lokales Segeberg 90. Geburtstag von Hans-Richard Nevermann: Ein Leben im Zeichen der Aussöhnung
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22:18 20.08.2013
Hans-Richard Nevermann hat auch heute noch regen Kontakt nach Norwegen, wo er an den beiden ersten „Sühnezeichen-Aktionen“ mitgewirkt hatte.
Stipsdorf

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Franz Thönnes hatte schon immer eine Vorliebe für Norwegen und ist sogar einer der Co-Vorsitzenden der Deutsch-Norwegischen Willy-Brandt-Stiftung, die im vergangenen Jahr den Willy-Brandt-Preis an die Aktion „Sühnezeichen Friedensdienste in Norwegen“ verlieh. Mit initiiert hatten die Aktion unter anderem die Eheleute Karin und Hans-Richard Nevermann, die seit 26 Jahren in Stipsdorf wohnen. Der ehemaligePastor feierte am 12. August seinen 90. Geburtstag. Gestern würdigte Franz Thönnes das Wirken des Ehepaars.

„Bis zur Preisverleihung wusste ich nicht, dass die Nevermanns in Stipsdorf wohnen, quasi um die Ecke“, erklärte Franz Thönnes. Nach Stipsdorf hatte es sie damals nur verschlagen, weil in Bad Segeberg wegen der Karl-May-Spiele kein freies Bett mehr zu bekommen war. „Man vermittelte uns dann ein Zimmer bei Rudi Rohlf. Als wir spazieren gingen, sahen wir diese Kate und ich bat unseren Zimmervermieter um eine Nachricht, falls eine solche Kate frei werden würde“, erzählte Hans-Richard Nevermann. Er hatte Glück, denn das Haus gehörte einem Verwandten Rohlfs, Rolf Hamann. Schnell wurden Nägel mit Köpfen gemacht und Nevermanns zogen nach Stipsdorf.

Als junger Berliner Pastor war Hans-Richard Nevermann einer der Männer der ersten Stunde, die die Aktion „Sühnezeichen“ ins Leben riefen, um Reue über die Schuld Nazideutschlands zu bekennen und für Aussöhnung zu sorgen. In Israel und Europa, vor allem in den Regionen, die besonders unter der Naziherrschaft zu leiden hatten, schuf „Sühnezeichen“ zahlreiche Projekte.

In Norwegen hatten Karin und Hans-Richard Nevermann 1959 selbst Hand angelegt und gemeinsam mit 30 anderen jungen Leuten zuerst einen Bauernhof als Therapiegebäude für geistig behinderte Kinder in Narvik gebaut. Kurze Zeit später folgte eine Kirche im nordnorwegischen Kokelv. „In Narvik hat kein Einwohner ein Wort mit uns gesprochen. Erst in Kokelv wurde es besser“, denkt der 90-Jährige zurück.

Als die Kirche noch nicht stand, hatte die Gruppe ein Kreuz errichtet, vor dem sie jeden Morgen um sieben Uhr eine Andacht hielt. Das überzeugte die im norwegischen Teil Lapplands lebenden Sámi. „Als wir Richtfest feierten, gab es die große Umarmung“, denkt Nevermann zurück. Aus der Umarmung wurde Freundschaft, die bis heute anhält. Zu seinem 90. Geburtstag, den er in Berlin gefeiert hatte, kamen sechs Norweger, um ihm zu gratulieren. Nevermann: „Es war eine erfüllende Aufgabe. Ich bin immer noch mit ganzem Herzen dabei.“

Petra Dreu

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