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Segeberg A 20 versperrt den Weg zum Kalkberg
Lokales Segeberg A 20 versperrt den Weg zum Kalkberg
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22:19 06.07.2013
Der Kalkberg und die Höhlen können den Bau der A 20 gefährden. Es gibt schon jetzt nur wenige dunkle Schneisen für die Fledermäuse, um ihr Winterquartier zu erreichen. Quelle: Foto: Glombik

Der Countdown läuft. Jetzt wird noch fieberhaft an den Klageschriften gearbeitet. Am 22. Oktober soll beim Bundesverwaltungsgericht Leipzig über die Klage der Naturschutzorganisationen BUND und Nabu gegen den A20-Planfeststellungsbeschluss beraten werden. Ingesamt gibt es zwölf Klagen gegen das Bauvorhaben im Travetal, der Südumgehung Bad Segebergs zwischen Weede und Wittenborn. Größere Chancen werden den Klägern in Sachen Naturschutz eingeräumt. Da die A 20 das unter Naturschutz stehende Travetal quert, werden massive ökologische Schäden befürchtet. Vor allem die unter strengem Naturschutz stehenden Fledermäuse könnten gefährdet sein.

„Wir haben sehr gute Argumente“, betont Stefan Lüders, Landesreferent für Fledermausschutz gegenüber den LN. Aus seiner Sicht wurden Fledermauspopulationen und das Verhalten der Tiere nicht ausreichend untersucht. Eine „sogenannte Nullaufnahme“, also eine Bestandsaufnahme sei erst spät erfolgt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigten laut Lüders, dass die bisherigen Maßnahmen für die Nachtjäger längst nicht ausreichend seien. So werde die A 20 zum „Todesstreifen“ für Fledermäuse. Denn die Autobahn kreuze ganz wichtige Flugschneisen der Fledermäuse, die in Norddeutschlands größtes Winterquartier mit 22 000 Tieren, die Kalkberghöhlen, streben. Lüders erklärte, dass es inzwischen aus anderen Bundesländern und auch aus England neue Erkenntnisse über traditionelle „Fledermaus-Straßen“ gebe. So sei nachgewiesen worden, dass Fledermäuse Querungen über Straßen nicht annehmen, wenn sie nur zehn Meter von ihrer gewohnten Trasse entfernt liegen. Lüders: „Der Nabu möchte die Autobahn nicht verhindern, sondern erreichen, dass geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um die Tiere zu schützen.“ Aus ökologischer Sicht wäre es allemal besser die A 20 tiefergelegt durch die Stadt zu führen. „Und wenn man sie durch das Travetal und den Segeberger Forst baut, muss man etwas dafür tun, damit die Tiere nicht auf der Autobahn zu Tode kommen, vergrämt werden und nicht mehr zu Höhlen finden.“ Die auf der Roten Liste stehenden Nachtschwärmer kommen aus einem sehr weiten Einzugsgebiet zum Kalkberg. Das sei eine „Wanderbewegung“. Die Erreichbarkeit der Höhlen für die Fledermäuse sei „ein Muss für den Naturschutz“.

Inzwischen sei nach Lüders Darstellung ermittelt worden, dass auf dem Gelände der Behelfsparkplätze für die Karl-May-Besucher im Herbst und Frühjahr „erheblicher“ Fledermaus-Flugverkehr herrsche.

Genau dort soll die A 20-Trasse lang führen. Der kürzeste Weg aus Richtung Süden wäre für die Tiere über die Bahngleise und die Kaufland-Kreuzung zum Kalkberg zu fliegen. Lüders: „Das machen die Tiere nicht, weil es dort viel zu hell und gefährlich an der Bundesstraße ist.“ Also versuchen sie, über dunklere Zonen zu den Höhlen zu gelangen. Und diese über viele Jahre tradierten Strecken werden ihnen durch die A 20 versperrt.

Statt nun bei Wittenborn nur einen größeren Tunnel für Fledermäuse zu planen, müssten mehrere kleinere Unterführungen an den Fledermaus-Flugschneisen gebaut werden. Die Autobahnplanungen haben sich, so fordert Lüders, am „neuesten Stand der Wissenschaft zu orientieren“. Die jetzt geplanten fünf Meter hohen Zäune als Leitsysteme werden von den Kunstfliegern mühelos überflogen. Sie werden danach im Straßenverkehr sterben, so Lüders Horrorvision. Je dichter die Tiere zu ihrem Winterquartier kommen, desto mehr werden sie schon jetzt mit Licht, Bebauung und Verkehr konfrontiert. Und jetzt soll ihnen noch ein Todesstreifen den Weg abschneiden.

Die Stadt Bad Segeberg gefährdet ihre Fledermauspopulation
Heftig kritisiert wird vom Fledermausexperten Stefan Lüders der Umbau der Bad Segeberger Seepromenade mit der geplanten Einrichtung eines Cafés an der Villa. An dieser Stelle befindet sich „ein Flaschenhals“ für Fledermäuse, die Dunkelheit benötigen, um zum Kalkberg zu gelangen. Lüders befürchtet, dass die Tiere durch Gaststättenlärm und vor allem Licht gestört werden.

Das werde überhaupt nicht berücksichtigt. Kritisiert wird von Lüders auch, dass an der Promenade die alten Laternen aus Kostengründen erhalten werden sollen. Sie müsse unbedingt fledermausfreundlicher gestaltet werden. Es sei auch „ein Unding“, dass am Südufer des Segeberger Sees auf Wunsch der SPD-Stadtvertreter — „weil dort abends Leute ihren Hund ausführen wollen“ — die Beleuchtung sogar verstärkt werden soll, obwohl dort ein Haupt-Flugweg der Fledermäuse zur Höhle entlang führe. Lüders: „Die Gefahr wird immer größer, dass der Zuzug der Tiere abgeschnitten wird.“

Der Nabu will vom Land einen „Managementplan“ für den Kalkberg einfordern. Es sei eine besondere Verantwortung für die Stadt, auf ihre Natur Rücksicht zu nehmen. wgl

Wolfgang Glombik

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