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Segeberg AUS DEM AMTSGERICHT
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18:10 14.01.2017
Bad Segeberg

Er hatte Stress mit seinem Vater, außerdem fühlte sich Lars K. (Name geändert) von seinen Feuerwehrkameraden „gepiesackt“, die ihm oft nur „Drecksarbeiten“

auftrugen, begründete der 26-Jährige seine Tat. Außerdem fand er, dass die Wehr im Umland von Norderstedt „zu wenige Einsätze“ hatte. Also zündete K. am 16. September 2015 auf einem privaten Waldgrundstück einen Holzstoß an. Laut Anklage schlugen die Flammen sechs Meter hoch, als die Wehr eintraf. Schlimmeres sei lediglich verhindert worden, weil ein Zeuge kurz darauf das Feuer entdeckte und Hilfe holte, so der Staatsanwalt vor dem Schöffengericht in Bad Segeberg. Trotzdem seien zwei umstehende Bäume dabei in Mitleidenschaft geraten.

Der Angeklagte, der offensichtlich geistig zurückgeblieben ist – seine Mutter sprach von einer Lernbehinderung – zeigte sich geständig. Aus den Polizeiprotokollen geht zudem hervor, dass K. zuvor schon „gezündelt“ hat. Vor Gericht räumte er erneut ein, unter anderem zwei Mal einen Grillunterstand in Brand gesteckt zu haben, außerdem ein Tierunterstand auf einer Koppel und ein Spielhaus auf einem Kita-Gelände – abends, als das Gebäude leer war. Die Polizei war K. auf die Schliche gekommen, weil er selbst die Feuerwehr gerufen hatte mit seinem Telefon.

Richterin Sabine Roggendorf fragte den Angeklagten, ob er wisse, was passiert, wenn es brennt. „Dann geht etwas kaputt“, antwortet dieser. Und wenn Menschen zu Schaden kämen? „Dann gibt es Ärger.“

K., der im Elterhaus einen eigenen Haushalt im Obergeschoss führt, konnte auch benennen, was bei ihm passieren würde, wenn es in der Stube anfangen würde zu brennen: „Der Rauch steigt nach oben.“

Eine Flucht wäre erschwert. K. war bereits in der Jugendwehr seiner Heimatgemeinde, ist dann in die aktive Wehr übernommen worden. Jetzt allerdings sei er vom Dienst gesperrt, berichtete K. von den Konsequenzen. Man habe mit ihm „ein bisschen geschimpft“. Auch seine Freundin, die wie er in einer der Segeberger Wohn- und Werkstätten im Kreis beschäftigt ist. „Ich habe mich auch beim Wehrführer entschuldigt“, so K., der nach eigener Aussage hofft, trotzdem nochmal in der Wehr aktiv sein zu dürfen.

Ein schwieriger Fall für das Gericht. Die entscheidende Frage lautete: Wie lässt sich verhindern, dass Lars K. wieder „Unsinn“ anstellt. Selbst seine Mutter wusste keine Antwort: „Ich würde dafür meine Hand nicht ins Feuer legen.“ Sein Vater, der wann immer etwas im Ort passiert, mehr oder weniger scherzhaft fragt, ob sein Sohn mal wieder etwas angestellt habe, meine gar, dass K. ein paar Tage Haft gut tun würden, berichtete die Zeugin. Kurzerhand in den Zeugenstand gerufen, bestätigte er diese Aussage. Auch, dass er seinen Sohn „Penner Paul“ nenne. Eine Idee, wie in Zukunft sichergestellt werden könne, dass sein Sohn nicht wieder etwas anzündet, wenn es „Stress“ gibt, hatte er ebenfalls nicht.

Nach einer langen Beratung hinter verschlossenen Türen entschied sich das Gericht, ein psychiatrisches Gutachten einzuholen. Geklärt werden soll, ob eine verminderte Schuldfähigkeit vorliegt.

Außerdem die Frage, ob K. womöglich sogar in einer geschlossen Psychiatrie untergebracht werden müsse. Eigentlich, so machten die Beteiligten deutlich, gehe davon keiner aus. Aber: Wenn K. in der Zukunft doch noch einmal einen Brand legt und dann womöglich Menschen zu Schaden kommen, werde man auf diesen Tag zurückschauen und fragen, warum diese Frage nicht geklärt wurde. Zumal K., der nicht vorbestraft ist, in seiner Jugend schon einmal Kontakt mit der Justiz hatte. Damals ging es wahrscheinlich um illegale Knallerei mit Silvesterböllern. Richterin Roggendorf sprach von einem „roten Faden“. Die Verhandlung wurde ausgesetzt, bis das psychiatrische Sachverständigengutachten vorliegt.

Nadine Materne

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