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Segeberg AUS DEM AMTSGERICHT
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20:21 21.06.2017

Wegen gefährlicher Körperverletzung haben sich seit gestern vor dem Schöffengericht Bad Segeberg zwei Mitdreißiger zu verantworten. Sie sollen, unterstützt von zwei weiteren Männern, die gestern als Zeugen aussagten, einen 47-Jährigen überfallen, übel zusammengeschlagen und unter anderem mit einem Spalthammer – also einer besonders schweren Axt – angegangen sein und ihn mit dem Tode bedroht haben. Deshalb hatte die ursprüngliche Anklage auch auf versuchten Totschlag, einem Kapitaldelikt, gelautet. Gestern gab es kein Urteil – ein Verfahren voller Merkwürdigkeiten.

„Ich

bewundere, mit welcher Ruhe Sie diese Aussagen hier verfolgen.

Kai Wohlschläger

Nebenklage-Anwalt an Richterin Roggendorf

Das begann damit, dass nur Sascha F. (alle abgekürzten Namen von der Redaktion geändert) auf der Anklagebank saß. Rainer G., der zweite Angeklagte, war einfach nicht erschienen. Doch es gibt vom Tattag im Oktober 2014 eine Whatsapp-Nachricht von ihm an seinen Neffen Tim G.: „Bring bitte Sascha mit – wir haben heute Morgen eine wichtige Mission.“ Diese Mission sah aus Sicht des Opfers so aus: Robin E. sitzt in einem kleinen Ort im Umland mit seinem Nachbarn in dessen Garage, da stürmen zwei Männer herein, stürzen sich sofort auf Robin, schlagen ihm ins Gesicht, brüllen: „Du bist tot! Ich bringe dich um. Lass meine Schwester in Ruhe! Du musst sterben.“ Einer der beiden ergreift einen Spalthammer und stürzt sich auf E.. „Da hat mein Nachbar wunderbar schnell reagiert: Er ist ihm in den Arm gefallen und hat ihm die Axt entreißen können“, erzählt der heute 47-Jährige, der auch erklärt, nichts Böses mit der Schwester von Rainer G. im Sinn zu haben. E. trägt Prellungen und Schürfwunden davon.

Das Ganze ist nun zweieinhalb Jahre her, und immer noch ist Robin E. hoch erregt, wenn er von dem Überfall erzählt. Vor allem kann er nicht verstehen, warum er mit dem Tode bedroht worden sei. „Du musst sterben, ich schlage dich tot – warum sagen die sowas?“, fragt er und bekennt, dass er immer noch schwitze, wenn er an das Geschehen denke. Sei er allein, laufe er dann in den Wald und schreie seine Angst hinaus.

Einer der Angeklagten, der gestern nicht erschienene Rainer G., sei sein Cousin, von dem er bereits 1300 Euro Schmerzensgeld im Zivilverfahren bekommen habe. Den anderen erkenne er ganz deutlich auf der Anklagebank und habe ihn bereits zuvor bei der Polizei identifiziert. Doch Sascha F. – der einräumt, „bester Freund“ von Tim G. zu sein – erklärt, beim Überfall nicht dabei gewesen zu sein. Gestützt wird seine Aussage von den beiden Zeugen – einer davon eben jener Tim G. – die gestern aussagten, beim Überfall nicht mitgemacht, sondern an der Grundstücksgrenze gestanden zu haben. Sie gehörten auch dazu, als sie zusammen mit dem zweiten Angeklagten Rainer G. aufgrund der Angaben des Überfallenen von der Polizei bei der Shell-Tankstelle in der Ziegelstraße festgenommen wurden. Das Unverständliche: Obwohl weitere Augenzeugen und der Überfallene es anders schildern und mehrere Sascha F.s osteuropäischen Akzent erkannt haben wollen, soll er beim Überfall nicht dabei gewesen sein. „Wir waren zu dritt, nicht zu viert“, beharren die beiden Mithelfer auf ihren Aussagen – unbeeindruckt davon, dass Richterin und Staatsanwalt sie mehrfach vor den Folgen einer Falschaussage warnen.

Am nächsten Verhandlungstag (der Termin steht noch nicht fest) dürfte es einiges mehr an Klarheit geben: Sascha F. hat gestern eingewilligt, eine DNA-Probe abzugeben. Die dürfte zeigen, ob er die Spaltaxt berührt hat oder nicht.

Lothar Hermann Kullack

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