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20:51 28.05.2018
Januar 2017: Der völlig zerstörte VW-Polo, in dem die 33-Jährige und ihr acht Monate altes Baby saßen. Quelle: Foto: Danfoto
Neumünster/Bad Bramstedt

Im Januar 2017 ist es bei Bad Bramstedt zu einem schweren Unfall gekommen. Trotz einer schnellen Versorgung durch einen Hubschrauber konnte das Leben einer jungen Mutter nicht gerettet werden. Die 33-jährige Kielerin starb später im Krankenhaus an einer Hirnblutung infolge des Unfalls. Ihr acht Monate alter Sohn überlebte nahezu unverletzt auf dem Beifahrersitz. Die Autobahn musste an dem Tag für mehrere Stunden gesperrt werden.

„Ich kann mich nicht erinnern, eine Nachricht gesprochen zu haben.Angeklagter

aus dem Kreis Schleswig-Flensburg

Rechtslage

Laut Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung dürfen Handys beim Fahren nicht in die Hand genommen werden. „Sprachsteuerung und Vorlesefunktion“ in einer Konsole zu benutzen, ist demnach allerdings erlaubt.

Für fahrlässige Tötung sieht das Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor.

Das Schöffengericht wagte es gestern noch nicht zu urteilen; ein Unfallgutachten der Dekra sei für diesen Fall nicht konkret genug. „Es geht uns zu wenig auf Varianten ein. Dafür ist mir der Vorwurf zu schwerwiegend“, sagte Richter Jan Suhr. Der Sachverständige wird zu Details befragt. „Wir erhoffen uns, dass er noch besser erklärt, wie er zu diesem Ergebnis gekommen ist.“ Der Unfallverursacher wird sich in zwei Wochen erneut vor Gericht verantworten müssen. Vor allem zwei Fragen sind entscheidend: Bediente er unerlaubt sein Handy während seines Überholmanövers? Wo befand sich das Fahrzeug der Frau?

Geschwindigkeitsbegrenzung lag bei 120 km/h

Laut Anklage war der Fahrer mit einer Geschwindigkeit von 124 Stundenkilometern dabei, einen Transporter zu überholen. Dabei soll er sein Smartphone bedient, über den Nachrichtendienst WhatsApp eine Nachricht in eine Textgruppe getippt haben. Dadurch soll er so abgelenkt gewesen sein, dass er beim Wechsel zurück auf die rechte Spur den gelben VW Polo der Frau nicht bemerkte. Sie wechselte mit einer Geschwindigkeit von rund 50 bis 60 Stundenkilometern offenbar vom Standstreifen auf die rechte Fahrspur. Der Angeklagte soll das Einscheren nicht abgebrochen haben, prallte ungebremst gegen den Polo. Durch die Kollision soll der Wagen weggeschleudert und in einem Graben gelandet sein. Die Wucht des Aufpralles war so stark, dass sich das Heck des Fahrzeuges bis zur Lehne des Fahrersitzes eindrückte. Der Peugeot des 71-Jährigen kam in der Mittelleitplanke zum Stehen. An beiden Autos entstand Totalschaden. Der Unfall ereignete sich zwischen Baustellen mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Stundenkilometern. „Er hat sein Smartphone nicht verbotswidrig bedient, das ist ihm ganz wichtig“, sagte Verteidiger Christoph Jäger. Datensicherungen dienen als Hinweise: Das Handy des Ersthelfers zeigte den Notruf um 10.09 Uhr an, bei der Rettungsleitstelle ist er mit 10.06 Uhr dokumentiert. Das Landeskriminalamt hat zudem die Daten auf dem Telefon des Unfallverursachers sekundengenau ausgewertet, die bescheinigen, dass die Chatgruppe um 10.04 Uhr aufgerufen worden ist, der Nutzer um 10.05 zuletzt online war. Eine getippte Nachricht ist aber nicht mehr versendet worden. Sein Handy hing links vom Lenkrad an der Konsole. „Ich hatte die Absicht, eine Spracheingabe zu machen, ich kann mich aber nicht erinnern, eine Nachricht gesprochen zu haben“, sagte der Angeklagte, der nach eigener Angabe an einer posttraumatischen Erinnerungsblockade leide. Wie sein Verteidiger erklärte, könne sein Mandant sich nicht chronologisch erinnern. Für ihn muss das Auto der Frau wie aus dem Nichts aufgetaucht sein: Vor dem Überholen habe er weder Warndreieck noch Warnblinker wahrgenommen. Nach Aussage des Transporterfahrers war wenig Verkehr, es sei ein normaler Überholvorgang gewesen. Auch er habe die Frau auf dem Standstreifen vorher nicht bemerkt, sah aber die Kollision und verständigte den Notruf.

Mögliche Rückschlüsse auf Vorfahrtsfehler

Zudem ist bisher nicht zweifelsfrei geklärt, wo die Frau fuhr. „Aus meiner Perspektive ist es möglich, dass sie vielleicht durch das Kind abgelenkt war und die durchgezogene Linie überfahren hat“, sagte ein Polizeibeamter aus. Auch das Unfallgutachten lässt Rückschlüsse zu, dass der Polo vom Seitenstreifen zurück auf die Fahrbahn fuhr. Demnach gab eine auffällig hohe Ausrichtung des Fahrzeugs schräg zur Fahrbahn.

Am schwersten war es sicherlich für den Nebenkläger, den Mann der Verstorbenen, die Verhandlung zu verfolgen. „Wir verstehen, dass es ein schwerer Tag und schwere Monate für Sie waren“, sagte der Verteidiger des Angeklagten. „Sie sind der eigentlich Leidtragende. Sie haben Ihre Frau verloren und der Sohn seine Mutter.“ Im Sinne der Verteidigung müsse er aber auch die Fahrweise der Frau in Frage stellen. Das Verfahren wird am 12. Juni fortgesetzt.

Irene Burow

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