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Ab April elektronische Gesundheitskarte für Flüchtlinge

Bad Segeberg Ab April elektronische Gesundheitskarte für Flüchtlinge

Der Kreis hat eine Karte zur einfacheren ärztlichen Behandlung von Asylbewerbern bei Schmerzen und akuten Erkrankungen eingeführt. Sonst müssten Asylbewerber zunächst zum Sozialamt, um sich eine Behandlungsberechtigung zu holen - gerade zu Randzeiten ging das aber gar nicht.

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„Abgedeckt werden nur Schmerz- und Akutbehandlung.“ Michael Radtke, Novitas BKK

Bad Segeberg. Die Zähne tun weh, das Kind ist krank — dann geht man halt zum Arzt. Asylbewerber, die eine Schmerz- oder Akutbehandlung brauchen, mussten vor dem Arztbesuch zunächst zum Sozialamt, um sich eine Behandlungsberechtigung zu holen — eine sogenannte Kostenbürgschaft, damit der Arzt auch sicher sein kann, dass die Behandlung bezahlt wird. Doch das Verfahren steht in der Kritik, weil es Randzeiten nicht abdeckt: Freitagnachmittag hat die ausstellenden Behörde geschlossen, Betroffene mussten dann unter Umständen tagelang mit ihren Beschwerden ausharren.

Doch damit soll bald Schluss sein. Ab April werden im Kreis Segeberg die für jeweils drei Monate gültigen Kostenbürgschaften durch die elektronische Gesundheitskasse (eGK) ersetzt.

Aussteller ist laut Rahmenvertrag mit dem Land Schleswig-Holstein die für den Kreis Segeberg zuständige Krankenkasse Novitas BKK. „Das Verfahren ist relativ einfach“, sagt Michael Radtke von der BKK.

Der Kreis — hier die Mitarbeiter des Fachdienstes Grundsatz- und Koordinierungsangelegenheiten Soziales und Asyl — meldet die ihm zugewiesenen Asylbewerber bei der Kasse an, stellt auch das notwendige Lichtbild zur Verfügung. „Bis die Karte produziert ist, dauert es 14 Tage bis drei Wochen“, so Radtke. Bis dahin gilt weiterhin die Kostenbürgschaft.

Etwas umständlicher gestaltet sich die Verteilung an die bereits jetzt 2600 Asylbewerber, die dezentral untergebracht sind. Hier will der Kreis in den nächsten Monaten nach und nach die Betroffenen ämter- und gemeindeweise abarbeiten, sagt Kreis-Fachdienstleiterin Elke Andrasch. Auch die Verteilung der Gesundheitskarten soll über die Behörde laufen — um sicher zu gehen, dass die Karte auch bei den Flüchtlingen ankommt und diese sich der Wichtigkeit des Dokuments bewusst seien. „Der Erhalt der eGK muss quittiert werden“, so Andrasch. „Und sie wird nach Abschluss des Verfahrens auch wieder eingesammelt.“

So soll das Missbrauchsrisiko vermindert werden. Deshalb läuft die Gültigkeit der eGK regulär nach 15 Monaten ab. Es werde zudem in Betracht gezogen, die Gültigkeit der Karte zu verkürzen, wenn absehbar sei, dass ein Asylverfahren demnächst vor dem Abschluss steht, so Andrasch. Im Falle einer Anerkennung als Flüchtling haben die Betroffenen Anrecht auf freie Wahl der Kasse, die Zuständigkeit geht auf das Jobcenter über.

Um „Stammtischparolen“ über Flüchtlinge, die angeblich alles bezahlt bekämen, entgegenzuwirken, betont Radtke, dass die Gesundheitskarte nicht den Zugang zum Leistungsspektrum eines normal Krankenversicherten gewährt. Abgedeckt seien lediglich Akut- und Schmerzbehandlungen. Diese rechnet der behandelnde Arzt oder das Krankenhaus direkt mit der Kasse ab. Heilmittel (Krücken, Rollstühle) müssen bei der Kasse beantragt werden, erklärt Radtke. Und Andrasch fügt hinzu, dass bei Zahnersatz oder Psychotherapien der Kreis die Entscheidung über die Notwendigkeit treffe.

Quartalsweise rechnet die Krankenkasse mit dem Kreis ab. Die Behandlungskosten für die Asylbewerber übernimmt der Staat, sie gehen nicht zu Lasten der Kassenbeiträge, betont Radtke. Die Krankenkasse erhält vom Kreis eine Verwaltungsgebühr von acht Prozent der Behandlungskosten, mindestens aber zehn Euro im Monat. Obwohl die Flüchtlingszuweisung nach Segeberg derzeit vergleichsweise gering ist — es waren zwölf diese Woche — rechnet der Kreis für 2016 mit 4000 Asylbewerbern.

Nadine Materne

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