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Abschied vom Lieblingsplatz: Direktor Gilde verlässt Landesverein

Rickling Abschied vom Lieblingsplatz: Direktor Gilde verlässt Landesverein

Nach 19 Jahren als Chef der Inneren Mission geht Pastor Rüdiger Gilde diesen Monat in den Ruhestand. „In ein Loch werde ich nicht fallen, es gibt viele Dinge, die mich interessieren“, sagt der 66-Jährige.

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Die Kapelle auf dem Gelände des Psychiatrischen Zentrums Rickling ist ein Lieblingsplatz des scheidenden Pastors Rüdiger Gilde.

Quelle: Fotos: Domann

Rickling. Spielen, Fisch essen, an der Nordsee spazieren gehen und Nichtstun. Das werden die ersten Tätigkeiten sein, die Pastor Rüdiger Gilde in seinem Ruhestand vorhat.

LN-Bild

Nach 19 Jahren als Chef der Inneren Mission geht Pastor Rüdiger Gilde diesen Monat in den Ruhestand.

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Mit seiner Frau wird er sich im Mai ein Ferienhaus in Dänemark mieten und eine Woche ausspannen.

„In ein Loch werde ich nicht fallen, es gibt viele Dinge, die mich interessieren“, sagt der 66-Jährige. Da ist zum einen der Wunsch, nach Andalusien zu fahren und sich die Einflüsse der Mauren anzuschauen. Auch steht noch die Einladung einer chinesischen Freundin aus. „Meine Frau hat viele Jahre in Hongkong gewohnt, eine alte Freundin hat uns in ihre Kleinstadt eingeladen, für unsere Maßstäbe eher eine Großstadt“, erzählt der Direktor des Landesvereins für Innere Mission und schmunzelt.

Kriegszeit aufgearbeitet

Pastor Gilde blickt auf 19 Jahre bewegte Geschichte des Vereins zurück. Vieles hat sich unter seiner Leitung weiterentwickelt. Ein paar Notizen dazu hat sich der Pastor aufgeschrieben, zu jedem der vier Bereiche des Landesvereins — psychiatrische Hilfe, Sucht-, Behinderten- und Altenhilfe — erzählt er ausführlich. Seine Aufgabe als Direktor war es, die Arbeit weiterzuentwickeln und dabei Ziele zu setzen und zu verfolgen. „Doch nicht allein, sondern in der Begegnung miteinander. Ich konnte nur so vieles durch das große Engagement meiner Mitarbeiter erreichen“, betont der Pastor.

Eine weitere wichtige Aufgabe sei für ihn gewesen, sich mit der Geschichte des Landesvereins, verbunden mit der des Landes, auch während des Zweiten Weltkrieges zu befassen. So wurden 1941 aufgrund der Beschlagnahmung des Lindenhofgeländes 172 psychisch kranke Frauen von Rickling in die Landesheilanstalt Pfafferode in Mühlhausen (Thüringen) transportiert; 156 von ihnen wurden dort umgebracht.

Ein Gedenkbuch und eine Tafel mit Erläuterungen in der Ricklinger Kirche erinnern an diese Frauen. „Das Erinnern gehört zu meiner Verantwortung als Direktor.“ Eine weitere Erläuterungstafel will Gilde noch vor seiner Verabschiedung am 27. April aufstellen. Am ehemaligen Bischof-Halfmann-Saal, der bereits in Fichtenhof-Saal umbenannt wurde, da Halfmann bei allen Verdiensten um die Bekennende Kirche eine antisemitische Haltung in der Nazi-Zeit vorgeworfen wird.

Noch eine weitere Aufgabe als Pastor ist Gilde wichtig gewesen: Er sorgte für ein Angebot an Gottesdiensten, Andachten, Aussegnungen, religiösen Gesprächen und theologischer Weiterbildung von Mitarbeitern im gesamten Landesverein, der etwa 2600 Voll- und Teilzeitkräfte beschäftigt. „In allen Einrichtungen haben wir zwischen 400 und 750 Gottesdienstbesucher wöchentlich“, sagt der Pastor stolz. Und ergänzt, dass er ausgesprochen gern und mit Herzblut auf dem Gelände der Psychiatrie gearbeitet und gelebt habe. „Das Leben hier hat auch meine beiden Kinder geprägt und sie sensibel für benachteiligte Menschen gemacht.“

Vieles wird Pastor Gilde in Erinnerung bleiben. Drei besondere Punkte zählt er aus dem Stegreif auf: die tägliche Begegnung mit Menschen, auch mit sehr originellen. So gab es zum Beispiel einen Bewohner des psychiatrischen Zentrums, der zu Gottesdiensten immer zu spät kam und Pastor Gilde per Handschlag begrüßte. In Erinnerung bleiben werden auch die tollen Jahresfeste und die Aufführungen der Theatergruppe „Wildes Land“. „Kalter Mond und ein Sommernachtstraum waren genial“, schwärmt er.

Großfeuer nicht vergessen

Tief bewegt hat den Direktor auch der Brand am vierten Advent 1996, bei dem auf dem Gelände des Psychatrischen Zentrums neun Patientinnen ums Leben kamen. „Ich befand mich noch in der Einarbeitungszeit, stand nicht auf dem Alarmierungsplan und habe erst abends von dem Brand in der Tagesschau gehört“, erinnert sich Gilde. Er hat den Trauergottesdienst für die Brandopfer mitgestaltet und wurde für sämtliche Brandgefahren sensibilisiert. „Ich denke, wir sind nun für ein potenzielles Krisenmanagement gewappnet.“

Beruflich und privat schließt sich der Kreis für den Vater zweier erwachsener Kinder. Seine erste Stelle als Pastor hatte Gilde Ende der 1970er Jahre in Neumünster-Wittorf angetreten und dort seine Frau kennengelernt. Nun sind beide dorthin zurück umgezogen.

Landesverein hat Angebote kontinuierlich ausgebaut

Unter der Ägide von Pastor Rüdiger Gilde wurde der begonnene Weg von Pastor Leberecht Le Coutre in allen vier Bereichen des Landesvereins weitergeführt. Angebote wurden weiterentwickelt, alle Einrichtungen haben eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. So wurde zum Beispiel im Bereich der Psychiatrie das Angebot der Tageskliniken an weiteren Standorten im Kreis ausgebaut und so auch das Netz der Institutsambulanzen erweitert. Neben Begegnungs- und Tagesstätten gibt es heute im Kreisgebiet etwa zehn Wohngemeinschaften für Menschen mit psychischen Störungen, etwa 200 Personen werden ambulant in ihrer Wohnung betreut. Auch im Bereich der Suchthilfe wurden die Angebote erweitert. Die Fachklinik Ruheleben verfügt nun über 164 Plätze, die ATS betreut etwa 3000 Klienten pro Jahr. Präventionsangebote erreichen rund 20000 junge Menschen.

Ebenfalls gestiegen sind die Beschäftigungsangebote für Menschen mit Behinderungen. In den Werkstätten gibt es vielfältige Produktions- und Dienstleistungsbereiche, ausgebaut wurde das Angebot an Außenarbeitsplätzen. Neben den Wohnstätten und den Außenwohngruppen werden heute zahlreiche Menschen mit Behinderungen in ihrer eigenen Wohnung betreut.

Zugenommen haben auch die Angebote in der Altenhilfe. Hohe Investitionen haben zu einem sehr guten baulichen Standard aller Einrichtungen geführt. Die stationären Pflegeeinrichtungen zeichnen sich durch Qualität und starke lokale Verankerung aus, die sich in vielfältiger ehrenamtlicher Unterstützung aus dem jeweiligen Ort zeigt. sd

Von Silvie Domann

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