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Abschied vom "Utspann"

Wakendorf I Abschied vom "Utspann"

Am 31. Mai ist Schluss: Nach fast 24 Jahren schließt Sieglinde Blunck für immer die Tür des Dorfgasthofes "Utspann" und beendet damit eine Ära in Wakendorf I. Wirtin Sieglinde Blunck hört auf. Einen Nachpächter für die letzte Gaststätte im Dorf wird es nicht geben.

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Uwe und Sieglinde Blunck werden am 31. Mai zum letzten Mal hinter dem Tresen des „Utspann“ stehen.

Wakendorf I.  Das Haus ist bereits verkauft. Der neue Besitzer hat das Obergeschoss schon für Wohnungen umgebaut, weitere im Erdgeschoss sollen folgen.

LN-Bild

Die Wakendorfer Gaststätte schließt ihre Türen Ende Mai für immer. Wirtin Sieglinde Blunck hört auf, einen Nachpächter gibt es nicht.

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Am 1. Januar 1994 hat Sieglinde Blunck (64) die Gaststätte übernommen und sechs Jahre lang mit ihrer Schwägerin Jeanette Rehberg geführt. Danach machte sie alleine weiter. Unterstützung bekam sie durch ihre Familie. Ehemann Uwe (67) rollte mit Vorliebe die Hackfleischklößchen für die Suppe. Wann immer Tochter Nadine Belde Zeit hatte, stand auch sie hinter dem Tresen. Die Küche war bis vor zwei Jahren das Reich von Ellen Clasen, die demnächst 80 Jahre alt wird. Ihr gehörte das Gebäude, in dem sie zusammen mit ihrem Mann die Dorfkneipe eingerichtet hatte. Sechs Jahre führte sie den Gasthof. Als ihr Ehemann starb, übernahm Sieglinde Blunck das Regiment. Ellen Clasen beschränkte sich auf das Kochen. Für den normalen Kneipenbetrieb gab es eine kleine Karte, für Familienfeiern aber tischte das „Utspann“ opulente Drei-Gänge-Menüs auf.

„Konfirmationen, Geburtstage, Hochzeiten, das Eisbeinessen der Feuerwehr oder die Oktoberfeste mit 80 bis 100 Personen im Zelt: Alle haben hier gefeiert. Sie mochten das Ambiente dieser typischen Dorfkneipe. Auch die Oldesloer Band ,Jeden Tag Silvester’ mochte das und hat gerne bei uns gespielt“, erzählt Sieglinde Blunck. Sie unterstrich das „trutschige“ Erscheinungsbild mit 150 Kaffeekannen aus Porzellan, die sie auf die vielen Fensterbänke verteilt hat. Aber Sieglinde Blunck ist eine Frau mit vielen Talenten. Abends, wenn der letzte Gast gegangen ist, steigt die Wirtin auch heute noch in ihrem Haus die Kellertreppe hinab, um Deko-Gegenstände für das „Utspann“ aus Holz zu sägen, zu bemalen und mit Bändern und Blumen aufzupeppen.

Der Entschluss, aufzuhören, ist Sieglinde Blunck nicht leicht gefallen. „Manchmal hatte ich einen 16-Stunden-Tag. Das schafft man einfach nicht mehr. Meine Kinder haben schon gesagt, dass ich irgendwann in der Küche liegen würde. Man muss einen Schlussstrich ziehen. Jetzt ist noch Zeit, ein bisschen zu leben“, sagt Blunck. Fahrradfahren, Gartenarbeit, Laubsägearbeiten stehen bald auf dem Plan.

Vor zwei Jahren hatte sie ihren Abschied vom „Utspann“ geplant. Sie informierte Ellen Clasen darüber, die die Chance ergriff und das Haus verkaufte. Auch die Gäste wussten schon früh Bescheid. „Viele haben sich bereits ein Erinnerungsstück mitgenommen“, erzählt die Wirtin, die bei den letzten Weihnachtsfeiern immer wieder hingerufen wurde, weil sich die Vereine persönlich von ihr verabschieden wollten.

Auch für Tochter Nadine Belde ist der Abschied vom „Utspann“ nicht ganz einfach. „Die Küche ist mein Kinderzimmer. Hier habe ich viel Zeit verbracht und auch meine Kinder sind oft und gerne hier“, erzählt die Wakendorfer Gemeindevertreterin. Die letzte Familienfeier, die dort ausgerichtet wird, ist die Konfirmation ihrer Tochter Lina. Sieglinde Blunck: „So ein Abschied ist ein komisches Gefühl, schließlich kennt hier jeder jeden. Viele Gäste aber wird man wahrscheinlich nicht wiedersehen. Ich bin dankbar für die Zeit, freue mich aber auch auf den ersten Sommer, den ich richtig genießen kann.“

 Petra Dreu

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