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Segeberg Abschied von den Mührers: Traditions-Fischhaus schließt
Lokales Segeberg Abschied von den Mührers: Traditions-Fischhaus schließt
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10:58 24.03.2016
Doris Mührer wird heute zum letzten Mal in ihrem Fisch-Verkaufswagen auf dem Wochenmarkt in Wahlstedt stehen.

„Ausschlafen. Mal mitten in der Woche ins Theater gehen. Freundschaften pflegen!“ Michael und Doris Mührer sitzen im Büro ihres Fischhauses und überlegen, wozu in Zukunft endlich Zeit sein wird. In der gefliesten Halle mit den Edelstahlarbeitsflächen stehen Wannen voll mit vorbereitetem Fisch. An einem Metallgestell baumeln Filets für den Rauch. „Wir machen alles selbst: filetieren, räuchern, die Salate“, sagt Mührer. Doch nach 34 Jahren „im Fisch“ geht das Paar jetzt in den Ruhestand. „Fisch ist ein tolles Produkt“, sagt der 63-Jährige und reibt sich die Knochen, „aber nun meldet sich der Körper. Jetzt muss Schluss sein.“

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Seit Jahrzehnten versorgten sie nicht nur die Wahlstedter mit Forelle, Dorsch und Hering. Nun gehen Michael und Doris Mührer in den Ruhestand.

„Fisch ist ein tolles Produkt. Doch nun meldet sich der Körper. Jetzt muss Schluss sein.“ Michael Mührer (63)

Seit 1963 steht der Name Mührer in Wahlstedt für Meerestiere. Als Vater Mührer einst zur See fuhr und mit reichlich Fisch im Gepäck heim kehrte, ihn in Tonnen räucherte und die ganze Nachbarschaft damit versorgte. Damit war der Grundstein für das Fischhaus gelegt. Das war noch in den Baracken des „Letten-Lagers“ aus der Kriegszeit. So nannten die Wahlstedter die Unterkünfte in der Bahnhofstraße, die heute Hans-Dall-Straße heißt. Es folgte das erste Geschäft im eigenen Haus im Westpreußenweg. Es steht noch immer.

Das Angebot, die Alte Meierei in Schlamersdorf zu bekommen, lockte Vater Mührer dorthin, Sohn Michael und Schwiegertochter Doris stiegen mit ins Geschäft ein. Industriekaufmann bei Pelz war Michael Mührer vorher, er fuhr eine kurze Zeit zur See, versuchte sich als Marktbeschicker für Modeschmuck und Alabasterfiguren, während seine Frau als Krankenschwester in Hamburg arbeitete. Doch nun drehte sich alles in ihrem Arbeitsleben um Fisch. Nach einigen Jahren trennten sich Senior und Junior.

„1989 haben wir das Fischhaus in Wahlstedt eröffnet“, erinnert sich Michael Mührer.Tochter Nicole sei da gerade in die Schule gekommen. Heute ist sie Lehrerin, Sohn Nils Krankenpfleger. Doris und Michael Mührer blieben dem Fisch treu. Das hieß: Jahrelang war die Nacht um 2.30 Uhr für sie vorbei, begann der Job. „Manchmal noch früher.“ Und sie können sich beide gut daran erinnern, wie sie als junge Leute Geburtstage mit Freunden feierten und gleich danach raus zur Arbeit gingen. Lange sei das her. „Wir haben privat auf Vieles verzichtet. Auch das Miteinander ist zu kurz gekommen.“ Das soll sich nun ändern. „Wir haben das Alter dafür“, betonen sie.

Und so steht Doris Mührer heute das letzte Mal auf dem Wochenmarkt in Wahlstedt. Der Laden ist bereits verkauft, der Liefer- und der Marktwagen sollen auch weg. „Dann haben wir endlich Zeit für unsere vier Enkelkinder — und zum Ausschlafen.“

Von Heike Hiltrop

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