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Segeberg Abschied von der Ricklinger Volksbank
Lokales Segeberg Abschied von der Ricklinger Volksbank
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00:10 01.12.2016
Abschied von liebgewonnen Kunden und Kollegin: Renate Hübner (2. v. l) geht nach 48 Jahren in den Ruhestand. Edith Marie Minna Paustian, Rosl Hackbarth, Claus Vollstedt und Kollegin Alexandra Stahl werden sie vermissen. FOTO: SILVIE DOMANN
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Rickling

Die drei tollen Tage werden bekanntlich im Rheinland in der fünften Jahreszeit, dem Karneval gefeiert. Doch auch Nordlichter können feiern, das zeigten nun die Kunden der Volks- und Raiffeisenbank in Rickling. Drei Tage lang kamen sie in die Bankfiliale und überhäuften Renate Hübner mit Blumen, Präsentkörben, Karten und Geschenken. Denn nach 48 Jahren geht die 65-Jährige in den Ruhestand.

Doch gestern war nicht nur Renate Hübners letzter Arbeitstag, es war auch der letzte Tag für die Zweigstelle Rickling. Die ist ab sofort geschlossen. Nach langem Hin und Her bleibt zumindest der Geldautomat erhalten, doch wer künftig persönliche Beratung möchte, muss jetzt nach Trappenkamp, Wahlstedt oder Neumünster fahren. „Einige arbeiten in Bad Segeberg und nutzen dort die Bank, andere hat Alexandra Stahl mit nach Einfeld genommen“, so Ruheständlerin Renate Hübner. Alexandra Stahl war bis Ende März Geschäftsstellenleiterin in Rickling und gestern extra zum Abschied ihrer Kollegin gekommen, um zu helfen.

Renate Hübner hat viel erlebt in den Jahren und zeigt auf ein Fotoalbum, dass ihr eine ehemalige Kollegin geschenkt hat. In „Krankenhaus-Grün“ waren in den 1970er Jahren die Innenwände gestrichen, vor den Fenstern hingen orangefarbene Vorhänge. Nicht nur das Aussehen der Räume habe sich verändert, auch die Arbeitsabläufe seien anders geworden. Die Einführung der Computer habe die Arbeit vereinfacht, dafür hätten sich Prozesse und Strukturen geändert. „Damals konnte ein Kunde für seinen neugeborenen Enkel ein Konto eröffnen, ich habe den Namen des Kindes eingetragen und es hatte ein Konto“, erzählt die Bankkauffrau. Heute benötigt sie die Geburtsurkunde des Kindes, und wegen des Geldwäschegesetzes zudem die Ausweise der Eltern.

Renate Hübner freut sich auf die Zeit, die nun kommt. Sie möchte vermehrt reisen, ins Theater gehen und Konzerte hören. Außerdem hat eine ihrer Nichten gerade ein Baby bekommen. „Da bin ich schon voll eingeplant“, sagt sie und lacht. Tief bewegt nahm sie gestern die vielen Glückwünsche und Geschenke entgegen. „Ich werde Sie alle vermissen.“ Viele liebe Menschen hätten sie die 48 Jahre über begleitet, auch in schweren Zeiten.

Vor allem viele ältere Ricklinger verabschiedeten sich. „Frau Hübner ist immer für uns alte Menschen dagewesen“, betont Edith Marie Minna Paustian, und ein Herr ergänzt, dass sie alle Kontonummern auswendig kenne. „Außerdem kam ich gern für einen Schnack vorbei“, sagt Rosl Hackbarth. Sie hatte gestern extra mehr Geld abgehoben, um nicht nach Wahlstedt fahren zu müssen. „Frau Hübner hat mir zwar eine Einweisung am Geldautomaten gegeben, doch das ist nicht meins. Ich möchte mit jemandem sprechen“, so Rosl Hackbarth. Und Edith Marie Minna Paustian fügt hinzu, dass sie zwar Geld, aber keine Kontoauszüge vor Ort bekomme. „Soll ich dafür extra nach Wahlstedt fahren?“ Sie sei in Wahlstedt, wenn sie ins Theater gehe, doch dann sei die Bankfiliale dort nicht geöffnet. Die Schließung der Ricklinger Filiale sei unverständlich, schließlich lebten hier viele alte und behinderte Menschen, die weniger mobil sind, so Ursula Buhmann. „Wenigstens einen Bankshuttle hätten die Oberen in Neumünster einrichten können“, sind sich die Kundinnen einig.

 Silvie Domann

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