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Ach du Schreck, der Weg ist weg

Daldorf Ach du Schreck, der Weg ist weg

Waldwege in Pettluis werden „Lebensraumkorridor“ für Warzenbeißer-Heuschrecke, Amphibien und Heidepflanzen.

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Aus dem einst grünen Waldweg wurde ein Matschfeld, das Heuschrecken und anderem Getier den Weg zur Wildbrücke weisen soll.

Daldorf. Fassungslos steht Christian Wätjen vor dem „Melkerweg", über den einst die Blunker Melker zum Gut Pettluis gegangen waren. Zum Melken ist über das Waldgelände der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten zwar schon lange niemand mehr unterwegs gewesen, aber Spaziergänger, Reiter oder Arbeiter haben den und andere befestigte Waldwege gerne zur Naherholung oder als Abkürzung zur Holzfirma Jorkisch genutzt.

Von „befestigt" kann jetzt jedoch keine Rede mehr sein. Der „Melkerweg" und ein anderer Waldweg am Gut Pettluis sind auf einer Breite von wenigstens acht Metern und einer Länge von einem Kilometer freigeschoben worden, der angefallene Aushub wurde teilweise an den Seiten angehäuft. Was wie eine Baustelle aussieht und für Fahrzeuge tabu ist, ist jedoch ein Lebensraumkorridor, der in Wirklichkeit der Annäherung von Ost und West dient. Die „Ossis“ sollen zu „Wessis“ werden. Zweibeiner sind damit nicht gemeint, sondern eher alles, was vier Beine und mehr hat — wie der Teich- oder der Kammmolch, die verschiedensten Krötenarten, Kreuzotter, Rot-, Damm- und Schwarzwild, die Haselmaus und Heuschrecken wie die Warzenbeißer-Heuschrecke, der „Verkannte Grashüpfer“ oder die „Kurzflügelige Beißschrecke“.

„Als ich die aufgeworfenen Erdwälle zum ersten Mal sah, habe ich gedacht, das sind Schützengräben für die nächste Treibjagd“, erzählte Andrea Wätjen. Wie ihr Mann Christian war sie sprachlos, als sie gesehen hatte, was aus dem gepflegten Waldweg geworden ist. „Weil wir hier in Pettluis selbst Land besitzen, haben uns Spaziergänger und die Familien, die hier wohnen, natürlich gefragt, was dort los ist. Eine Antwort darauf wussten wir nicht. Wie alle anderen haben wir uns nur gewundert. Erst recht, als ich davon hörte, dass dort Heuschrecken angesiedelt werden sollen“, erzählt der Gutsbesitzer.

Er wollte nicht glauben, dass die beiden guten Waldwege, die vor zehn Jahren mit viel Aufwand und Anpflanzungen an den Wegkreuzungen angelegt worden waren, den Heuschrecken zum Opfer fallen sollten.

Doch mit den Wegen und den nach und nach entdeckten kreisrunden Sandflächen auf dem Gelände der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten hat es eine besondere Bewandtnis. Unter dem Projekttitel „Lebensraumkorridore“ haben sich die Landesforsten zusammen mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr sowie den Naturschutzverbänden zusammengetan, um zu erreichen, dass die Tiere östlich der Autobahn über die Wildbrücke auch auf die Westseite gehen, hüpfen oder kriechen.

„Östlich der Autobahn finden wir Lebewesen, die es auf der anderen Seite nicht gibt. Wir beobachten die Tiere mit dem Ziel, dass sie sich auch auf der anderen Seite der Autobahn ansiedeln“, erklärt Christiane Herty, die das Projekt „Holsteiner Lebensraumkorridore“ bei den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten betreut. Zwar kommt die Veränderung der Waldwege reichlich spät, denn das Projekt begann 2010 und endet im Sommer 2013, aber: „Studenten der Universität Kiel werden es weiter betreuen und beobachten“, so Christiane Herty.

Nicht nur das große Rot-, Damm- und Schwarzwild, Amphibien und Insekten werden in das Projekt einbezogen, sondern auch Pflanzen wie Magerrasen, die Heidenelke, Thymian oder die kleine Bibernelle. Sie waren einst weit verbreitet und typisch für die Region. Heute jedoch sind sie so sehr „verinselt", dass Kreuzottern oder Warzenbeißer-Heuschrecken die Pflanzen kam noch erreichen können. Die kreisrunden Offensandstellen sollen nun als „Trittstein“ für Kreuzotter, Warzenbeißer, Haselmaus & Co. fungieren.

Leuchtturmprojekt mit bundesweiter Bedeutung
Holsteiner Lebensraumkorridore haben bundesweite Bedeutung und wurden zum „Leuchtturmprojekt“. Durch ein Naturwaldband westlich und östlich der A 21 sollen störungsempfindliche Tier- und Pflanzenarten, die auf Totholz und naturnahe Waldstrukturen angewiesen sind, eines Tages die Grünbrücke bei Daldorf erreichen können, um sich auch auf der anderen Seite der A 21 anzusiedeln. Am Projekt beteiligt sind: Stiftung Naturschutz, Schleswig-Holsteinische Landesforsten, Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr, Bundesamt für Naturschutz, Deutscher Jagdschutzverband, Wildpark Eekholt, Institut für Natur-und Ressourcenschutz. pd

Petra Dreu

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