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Segeberg Acht Jahre Haft für Mordversuch mit Axt
Lokales Segeberg Acht Jahre Haft für Mordversuch mit Axt
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23:02 29.10.2013
Landgericht Kiel sah es als erwiesen an, dass der 35-Jährige W. die Tat geplant hat. Quelle: dpa
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Bornhöved

Für acht Jahre muss der 35-jährige Computerfachmann W. ins Gefängnis. Die 8. Strafkammer am Landgericht Kiel sah es gestern als erwiesen an, dass der Angeklagte am 14. Januar dieses Jahres seinen 45-jährigen Chef, einen Firmeninhaber aus Bornhöved, mit einer drei Kilogramm schweren Spaltaxt töten wollte. Damit wollte er vertuschen, dass er Geld von Firmenkonten veruntreut hatte. Deshalb wurde W. auch wegen Untreue in 17 Fällen und wegen Körperverletzung schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre gefordert, W.s Verteidiger beantragte eine Bewährungs- und Geldstrafe, weil er nur von gefährlicher Körperverletzung und Untreue ausging. Er will Revision einlegen. „Selbst unter dem Gesichtspunkt des versuchten Mordes ist das Urteil zu hoch“, sagte Verteidiger Urs-Erdmann Pause nach der Verhandlung.

Der Angeklagte hat die Untreue nicht bestritten, aber den Mordversuch. Die Axt, so hat er stets erklärt, habe er zur Eigensicherung mitgenommen. Er habe seinem Chef von der Veruntreuung erzählen wollen und die Axt mitgenommen, weil er G. auch schon aufbrausend und aggressiv erlebt habe.

In der knapp eineinhalbstündigen Urteilsbegründung zeichnete Richter Jörg Brommann ausführlich den privaten und beruflichen Weg des hochintelligenten, ehrgeizigen und strebsamen jungen Mannes nach.

Durch sein Leben zieht sich bis heute wie ein roter Faden der Einfluss der dominanten und herrschsüchtigen Mutter. Die, so der psychiatrische Gutachter am zweiten Verhandlungstag, ihm Anerkennung und Wertschätzung verweigert und ihn permanent entwertet habe. W. wagte es nicht einmal, ihr von seinen Hochzeitsplänen zu erzählen, im Juni 2003 wurde heimlich geheiratet. Und später gaukelte er ihr vor, die Ehe sei zerbrochen. Um ihrer ständigen Einmischung zu entgehen. Die Ehe wurde tatsächlich 2007 geschieden, zu seinem Sohn hat W. eine intensive Beziehung.

Der berufliche Kontakt zum späteren Opfer G. entwickelte sich 2005, erst zu einer lockeren Geschäftsbeziehung, dann später zu einer festen. In deren Verlauf G., ein durchtrainierter Freizeitboxer, seinem Mitarbeiter 2011 weitreichende Vollmachten einräumte, auch über die Firmenkonten nebst Kreditkarten. „Ich habe ihm blind vertraut“, sagte G.

Das nutzte W., dem der Psychiater eine ausgeprägte Persönlichkeitsstörung im Sinne eines Borderline-Typs bescheinigte, kräftig aus. Er soll mindestens 12 000 Euro veruntreut haben, insgesamt sollen rund 60 000 Euro aus der Firmenkasse fehlen. Weil das Unternehmen de facto ein Ein-Mann-Betrieb war, ist die Veruntreuung nicht offenkundig geworden. Denn W. verhinderte geschickt, dass die externen Buchhaltungskräfte umfassenden Einblick in die Geschäftsunterlagen erhielten. Als aber Buchhaltung und Onlinegeschäfte einer Finanzbuchhalterin übergeben werden sollten, befürchtete W., dass seine Veruntreuung auffliegen würde. „In der ihm ausweglosen Situation reifte die Entscheidung, den Chef zu töten“, sagte Brommann.

Die Kammer sei davon überzeugt, dass W. die Axt eigens für die Tat gekauft habe. Weil der Firmenchef aber körperlich überlegen sei, habe sich W. nach Dienstschluss im dunklen Eingangsbereich versteckt und G. aus dem Dunkel heraus angegriffen. „Der Angriff ist heimtückisch erfolgt unter Ausnutzung der Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers“, betonte Brommann. Die Kammer glaube nicht der Darstellung W.s, er habe sich mit der Axt nur verteidigen wollen: „Sie ist hinten und vorn nicht nachvollziehbar.“ Und durch Tatortspuren und der Schilderung des Firmeninhabers zu widerlegen. Die Tat missglückte, G. konnte den Angriff abwehren, wurde aber am Unterarm verletzt.

Mord und seine Merkmale
Ein Täter ist dann ein Mörder, wenn er einen Menschen tötet und dabei die Mordmerkmale verwirklicht: zum Beispiel Mordlust, Habgier, zur Befriedigung des Geschlechttriebs; die Arten der Tatausführung: heimtückisch, grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln; die Zielsetzung: töten, um eine andere Straftat zu verdecken oder zu ermöglichen.
„Das ist alles hinten und vorn nicht nachvollziehbar.“
Jörg Brommann,
Richter am Landgericht Kiel

Ursula Kronlage

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