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Segeberg Ärger wegen kaputtem Auto: Party in Boostedt gestürmt
Lokales Segeberg Ärger wegen kaputtem Auto: Party in Boostedt gestürmt
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21:58 04.07.2017
Das Amtsgericht Neumünster. Quelle: Materne

Junge Männer sehen zuweilen rot. In der Regel wenn es um die Freundin geht oder – wie in dem Fall, der gestern vor dem Schöffengericht in Neumünster verhandelt wurde – das eigene Auto. Das gute Stück, Wert: rund 18 000 Euro, war wohl ursächlich dafür, dass Henning F. (25), sein Cousin Stefan P. (28, alle Namen geändert) und ein befreundetes Brüderpaar im etwa gleichen Alter am 17. Mai eine Party in Boostedt aufmischten und ihren Bekannten Lars K. dabei ins Krankenhaus brachten.

Jener K., so schildert es der Angeklagte Henning F., habe sich ein halbes Jahr zuvor sein Auto für eine Probefahrt ausgeliehen und bei dieser Gelegenheit in einen Haufen Schrott verwandelt. „Als ich Geselle wurde, habe ich mir den Wagen auf Raten gekauft“, erzählt F. dem Schöffengericht. Weil er nicht selbst gefahren sei, habe eine Versicherung nicht zahlen wollen. Er habe deshalb mit 18000 Euro Schulden und einem Autowrack dagesessen. „Das hat mich fertig gemacht, ich war auch in psychiatrischer Behandlung deswegen.“

Nachdem F. und seine Freunde offenbar monatelang vergeblich versucht hatten, den Verursacher zur Rede zu stellen, wie sie behaupten, habe man an diesem Tag im Mai erfahren, dass sich Lars K. auf der Feier einer Bekannten aufhalten würde. „Wir hatten auch vor, dorthin zu kommen, aber sie wollte das nicht“, sagt Stefan P. aus.

Mit einer Menge Alkohol intus, Bier, Korn – „und nicht nur eine Flasche“, sei das Jungmänner-Quartett dennoch losgezogen. Da niemand auf Klopfen und Klingen reagiert hatte, sei man durch ein unverriegeltes Fenster in das Schlafzimmer der Bekannten eingestiegen.

Auf der Party war der Schrecken offenbar groß. „Sie standen plötzlich zu viert im Wohnzimmer“, erinnert sich die 20-jährige Gastgeberin gestern vor Gericht. Sie und zwei weitere Gäste der Feier, die als Zeugen gehört wurden, schildern einhellig, dass die Angeklagten umgehend auf Lars K. losgegangen seien und mit leeren Glasflaschen auf ihn eingeschlagen hätten. Nach etwa einer Minute sei K.

blutend auf dem Boden zurückgeblieben, die Angreifer wieder verschwunden.

Dass es sich in dieser Weise verhalten hat, streitet auch keiner der Angeklagten ab. „Normalerweise bin ich gegen Gewalt. Aber in dem Moment habe ich wieder an mein Auto gedacht und habe rot gesehen“, sagt Henning F. aus.

Welcher der Vier den ersten Schlag und vor allem jenen brutalen auf den Kopf gesetzt hat, der Lars K. mit Platzwunde und Gehirnerschütterung direkt ins Krankenhaus brachte, bleibt zunächst aber unklar. Trotz Ladung als Zeuge erscheint K. nicht vor Gericht.

Für eine Verurteilung nach Ansicht von Staatsanwaltschaft und der Vorsitzenden Richterin Dr. Inken Stelling aber eigentlich unerheblich. Nach beider Auffassung stehe die gemeinschaftlich begangene Körperverletzung im Wesentlichen fest. Für Stefan P. stellt die Staatsanwältin in Aussicht, eine Strafe von einem Jahr Haft auf Bewährung zu beantragen.

„In einem minderschweren Fall?“, empört sich Verteidiger Gerhard Hillebrand. „Dann sehen wir uns in der nächsten Instanz wieder!“ Obwohl die Anklagevertreterin deutlich macht, dass von einem „minderschweren Fall“ überhaupt keine Rede sein könne, bestehen Hillebrand und seine Anwalts-Kollegen aber zumindest darauf, noch das Opfer Lars K. zu hören, um Licht in den genauen Tatablauf zu bringen.

Der junge Mann muss sich deshalb darauf einstellen, bei der Fortsetzung am 24. Juli um 15 Uhr von der Polizei im Gericht vorgeführt zu werden. Für sein gestriges Nicht- Erscheinen soll er außerdem 100 Euro Ordnungsgeld sowie die Kosten für den – von ihm verschuldeten – Fortsetzungstermin zahlen.

 Oliver Vogt

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