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Segeberg Jeder Neunte war zu schnell
Lokales Segeberg Jeder Neunte war zu schnell
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21:40 30.04.2018
Kontrolle bei Struvenhütten: Die Straßen zwischen A7 und Todesfelde sind bei Motorradfahrern beliebt, aber unfallträchtig. Quelle: Heike Hiltrop
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Struvenhütten

„Fahrzeugpapiere und Führerschein, bitte!“ Polizei Hauptmeisterin Sandra Müller und ihre Kollegen treten freundlich, aber bestimmt auf. Bei Struvenhütten wird die Ausfahrt von Wolfgang Hertel auf seiner Kawasaki, Baujahr 1977, jäh unterbrochen. Der 51-Jährige war zu schnell unterwegs. „Viel kann das nicht sein“, schätzt er. 81 Stundenkilometer zeigt das Messgerät an. Erlaubt sind 70.

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Struvenhütten. Die kurvigen Straßen zwischen Todesfelde und A 7 sind beliebte Motorrad-Routen. Aber es sind auch unfallträchtige Strecken, trotz Geschwindigkeitsbegrenzungen. Grund für die Polizei, verstärkt zu kontrollieren: 172 Temposünder gingen am Sonntag in die Blitzer-Falle, plus „Beifang“.

Ein junger Mann auf einem aerodynamischen Bike, der zeitgleich von der Straße gewunken wird, war weit schneller. Mit 112 Stundenkilometern ist er über die Kreisstraße gerast. Er ist nicht einmal der Schnellste. Negativ-Rekordhalter bei den Kontrollen an diesem Sonntag ist ein Zweiradfahrer, der mit 133 Sachen geblitzt und aus dem Verkehr gewunken wird. Dicht gefolgt von seinem Begleiter, der nur unbedeutend langsamer hinterhergejagt ist.

„Da sind wir satt über dem Erlaubten. Fahrverbote und Punkte sind ihnen sicher, dazu ein saftiges Bußgeld“, sagt Arnd Habermann, Sprecher der Polizeidirektion Bad Segeberg. Den ganzen Nachmittag sind er und seine zwölf Kollegen sowie zwei Kreismitarbeiter im Einsatz. Für die in der Bikerszene als „Schmalfelder Kurven“ bekannte Strecke habe sich zwar durch die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 Stundenkilometer die Situation leicht gebessert, sagt Habermann. „Aber es wird immer noch zu schnell gefahren“.

„Todesfelde-Schmalfeld und alles was dazu gehört“, wird das mäandernde Straßennetz im Segebergischen auf einschlägigen Internetplattformen für schöne Motorradrouten beworben. 80 Kilometer schwungvolle Kurven, nette Umgebung – das lockt nicht nur die gemütlichen Cruiser, sondern eben auch diejenigen mit den windschnittigen Maschinen, die gern mal „Stoff“ geben. 2017 ist die Anzahl der Motorradunfälle nach einem Rückgang in 2016 wieder angestiegen. Laut Verkehrssicherheitsbericht sind im vergangenen Jahr 18 Biker auf Schleswig-Holsteins Straßen tödlich verunglückt, 408 wurden schwer verletzt. Allerdings basieren diese Zahlen auf allen von der Polizei erfassten Motorradunfälle, nicht allein wegen Raserei.

Unter anderem kam 2017 ganz in der Nähe der Kontrollstelle vom Sonntag eine 16-jährige Sozia ums Leben, der 18 Jahre alte Fahrer erlitt schwere Verletzungen. Und es ist gerade wenige Tage her, dass es bei Groß Rönnau zu einem tödlichen Motorradunfall kam. Habermann sagt: „Das ist genau das, was wir verhindern wollen. Darum halten wir den Kontrolldruck hoch.“

Geschwindigkeit sei zwar der Schwerpunkt der Kontrollen, betont Habermann, „aber wir schauen auch auf technische Veränderungen“. Selbstverständlich gehen den Polizisten auch Autofahrer, die sich nicht ans Tempolimit halten, ins Netz – und ein bisschen „Beifang“. Unter diese Bezeichnung fallen an diesem Tag drei unerlaubte Überholmanöver und ein Pritschenwagen, der mit Gerüststangen beladen ist. Statt der erlaubten 3200 Kilogramm Gesamtgewicht bringt der Wagen 3,72 Tonnen auf die mobile Waage. Zudem ist die Ladung auch noch schlecht und mit alten Gurten gesichert. Für den Fahrer bedeutet das: abladen und nachjustieren. Ein üppiger Bußgeldbescheid wird per Post nachgereicht.

Insgesamt wurde am Sonntag zwischen Struvenhütten und Oersdorf die Geschwindigkeit von 1553 Autos, Motorrädern, Lkw und Sprintern gemessen. Hierbei stellten die Beamten 172 Verstöße fest – mehr als jeder Neunte war also zu schnell unterwegs. Ein Motorrad wurde von den Beamten stillgelegt, nachdem sie verbotene Umbauten am Schalldämpfer festgestellt hatten.

Bei zwei weiteren Messungen in den Schmalfelder und den Todesfelder Kurven am Sonntag war ein Dutzend Autofahrer zu schnell unterwegs. Negativrekord hier: 101 Stundenkilometer bei erlaubten 60. Im Vergleich zur Verkehrskontrolle vom 22. April stellte die Polizei an diesem Wochenende aber einen Rückgang an Verstößen fest.

 Von Heike Hiltrop

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