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Segeberg Alle Jahre wieder: Opas Märchenpyramide
Lokales Segeberg Alle Jahre wieder: Opas Märchenpyramide
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20:18 23.12.2015
Die Anordnung der Märchenfiguren ist einzig und allein Sache von Esther Bittroff-Svensson. Mit dem Aufbau der Weihnachtspyramide hält sie die Erinnerung an ihren Großvater wach. Quelle: Fotos: Petra Dreu (3)/hil

Seit Jahrhunderten faszinieren Weihnachtspyramiden Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Eine ganz besondere Pyramide dreht sich Jahr für Jahr am Heiligen Abend im Haus der sechsköpfigen Familie von Esther Bittroff-Svensson und Oliver Svensson in Bad Segeberg. Handgearbeitet wurde sie vom Großvater der vierfachen Mutter Esther Bittroff-Svensson. Ihm zu Ehren wird sie Jahr für Jahr wieder aufgebaut.

Sie ist exakt 1,07 Meter hoch, die oberen Pyramidenblätter haben einen Durchmesser von 85 Zentimetern, hinzu kommen vier kleinere Pyramiden, die jeweils 40 Zentimeter hoch sind und auf der mittleren Pyramidenebene stehen. Angetrieben wird sie von vier großen Kerzen und 24 Haushaltskerzen. Wenn diese brennen, um die Pyramidenblätter in Schwung zu halten, wird es ziemlich warm im Wohnzimmer der Svenssons. Warm ums Herz wird es dabei vor allem Esther Bittroff-Svensson, die diese Weihnachtspyramide geerbt hat, weil sie von vier Geschwistern die einzige mit kleinen Kindern ist.

Wie schon in ihrer Kindheit der Vater derjenige war, der das Grundgerüst der Pyramide aufgebaut hat, muss heute ihr Ehemann Oliver ran. Bevor es soweit ist, muss er jedoch auch die Einzelteile sortieren. 129 Teile haben seine Kinder Till (13), Emely (11) und die Zwillinge Ida und Isa (beide 6) gezählt. Nicht mitgerechnet sind die fünf Rotoren, die wiederum aus vielen Holzblättern zusammengesetzt sind.

Als Eberhardt Bittroff nach seiner Kriegsgefangenschaft an einer offenen Tuberkulose erkrankte, musste er diese in der Lungenheilstätte Müllrose auskurieren. Das war 1961, als es dort noch kein Fernsehen gab oder die Patienten anderweitig unterhalten wurden. Eberhardt Bittroff vertrieb sich die Langeweile, indem er Holzfiguren schnitzte. Mit ihnen erzählte er Märchen nach. Er schnitzte Hänsel und Gretel, baute das Knusperhäuschen, den Verschlag, in dem die Hexe Hänsel gefangen hielt, und er baute den Backofen, in den Hänsel und Gretel letztlich die Hexe hineingeworfen haben.

Schneewittchen und die sieben Zwerge und die Bremer Stadtmusikanten sind weitere Märchen, die auf der Weihnachtspyramide erzählt werden. Erst später integrierte Eberhardt Bittroff vier eigenständige Pyramiden in die große Konstruktion. Sie zeigen das Sandmännchen, die Weihnachtsgeschichte mit Bethlehems Stall und ein Dorfkulisse. Die vierte Pyramide ist mit einem Handballtor und einem Studierzimmer der eigenen Familie gewidmet.

Alle Teile der Pyramide sind handgearbeitet und zum größten Teil noch im Original vorhanden. Meistens reichten hier und da ein paar Tropfen Leim oder Klebeband, um alles in Gang zu halten. „Einige Rotorblätter sind mal kaputt gegangen. Die mussten wir austauschen. Das meiste aber ist noch so, wie mein Großvater es gebaut hat. Original sind auch noch die Tannenzapfen, die inzwischen mehr als 50 Jahre alt sind“, sagt Esther Bittroff-Svensson stolz. Peinlich genau baut sie die Märchen auf und beachtet dabei sogar die Drehrichtung der Pyramide. Heute, wenn es dunkel wird, dürfen die Kinder die vielen Kerzen anzünden — und es wird wieder warm im Wohnzimmer der Svenssons.

Der Schnitzer
Eberhardt Bittroff war der Großvater der Segebergerin von Esther Bittroff—Svensson. Er wurde 1921 geboren. Während des Zweiten Weltkrieges geriet er in Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr erkrankte er an Tuberkulose, die er 1961 in einer Lungenheilstätte auskurieren musste. Zum Zeitvertreib begann Eberhardt Bittroff damit, Figuren zu schnitzen, die anschießend Teil seiner Weihnachtspyramide wurden. pd

Petra Dreu

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