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Als Carlos Santana das „Auenland“ bekannt machte

Sülfeld Als Carlos Santana das „Auenland“ bekannt machte

Vor 40 Jahren, im September 1977, öffnete das Jugend- und Kulturzentrum „Auenland“ seine Türen in Sülfeld. Nicht nur heimische Bands, auch internationale Musikgrößen gaben sich dort die Klinke in die Hand. Die Jugend war begeistert, Anwohner und Behörden jedoch eher nicht.

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Live-Konzerte lockten viele junge Besucher an: Am 15. April 1982 war die Band „Ougenweide“ im „Auenland“ zu Gast.

Quelle: Fotos: Gemeindearchiv Sülfeld

Sülfeld. Mit einem ganz besonderen Konzert an anderer Stelle fing alles an: Es war am 30. August 1977, als allen Musikbegeisterten in der Kalkberg-Arena mit der Hamburger Rock-Formation Lake, dem amerikanischen Sänger Country Joe McDonald und Carlos Santana ein Hauch des legendären Woodstock-Festivals beschert wurde. Die Konzert-Besucher hatten noch die Rhythmen von „Samba Pa Ti“ und „Black Magic Women“ im Ohr und machten sich glückselig auf zu den Parkplätzen, wo sie zum ersten Mal vom „Auenland" erfuhren. „Hinter den Scheibenwischern steckten selbstgestaltete Flyer, die auf die Jugendkneipe hinwiesen. In wenigen Tagen sollte dort Eröffnung sein“, erzählt Sülfelds Gemeindearchivar Ulrich Bärwald.

LN-Bild

Vor 40 Jahren, im September 1977, öffnete das Jugend- und Kulturzentrum „Auenland“ seine Türen in Sülfeld. Nicht nur heimische Bands, auch internationale Musikgrößen gaben sich dort die Klinke in die Hand. Die Jugend war begeistert, Anwohner und Behörden jedoch eher nicht.

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Live-Musik, Disko, Theatervorstellungen, Kinderfeste, Kinderkino, Tischtennis im Saal, Federball und Frisbee im Hof gehörten zum Auenland-Konzept, mit dem sich eine Handvoll junger Leute einen Lebenstraum verwirklichen wollten. Abgerundet wurde es durch die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, die das ehemalige Hotel „Schützenhof“ zu bieten hatte. Eine Teestube mit leiser Musik und Gesellschaftsspielen, Räume zum Entspannen und Klönen, zum Kickern und Billard spielen und zur Stärkung mit Snacks trugen ebenfalls zum Erfolg des Auenlands bei. Eintritt war damals tabu, und auch auf einen Bestell- und Verzehrzwang hatten die Betreiber verzichtet. Die Folge: Die Besucher strömten von weit her nach Sülfeld.

Des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid: Durch die vielen an- und abfahrenden Autos, laute Musik in den Fahrzeugen und reichlich Müll direkt im Ortskern kam es immer wieder zu massiven Beschwerden aus der Nachbarschaft. Die Konsequenz war, dass die Sperrstunde auf 23 Uhr vorverlegt wurde. Die ersten Betreiber sahen ihre Existenz bedroht, gaben schon Ende 1978 auf.

So leicht wollte sich eine Gruppe aus ehemaligen Gästen, Freunden und Bekannten jedoch nicht geschlagen geben. Mit einem veränderten Konzept machten Sabine Lassahn, Michael Scott, Werner Grewe, Christine Schröter, Andreas Brix, Roland Kühlcke und Helmut Scholze, die damals alle zwischen 19 und 28 Jahre alt waren, trotz der Widerstände durch die Genehmigungsbehörden weiter, erzählt Ulrich Bärwald. Sie setzten verstärkt auf Live-Musik und direkte Gespräche zwischen Musikern und Besuchern.

Mit schallschutztechnischen Baumaßnahmen wurde die Lärmbelästigung für die Nachbarn deutlich reduziert. Deren Beschwerden blieben aus. Den örtlichen Behörden aber blieb das „Auenland“ ein Dorn im Auge. Im März 1980 entzog der Kreis Segeberg auch der zweiten Betreiber-Generation die Betriebserlaubnis, was diese nicht hinnehmen wollte. Sie klagten gegen den Kreis Segeberg und gewannen vor dem Verwaltungsgericht in Lübeck auf ganzer Linie. Bis Mitte der 1980 Jahre führten sie das „Auenland“ fort und boten Bands und Musikern wie Abi Wallenstein, „Carsten Bohn’s Bandstand“, der österreichischen Band „Erste Allgemeine Verunsicherung“ und sogar Woodstock-Legende Alvin Lee, Frontmann der Band „Ten Years After“, eine Bühne. In der Nacht zum 6. März 1987 brannte das zu dem Zeitpunkt bereits leerstehende „Auenland“ nach einer Brandstiftung bis auf die Grundmauern nieder. Heute befindet sich an der Stelle ein Mehrfamilienhaus.

Feuerwehr-Musikzug war lauter

Um das „Auenland“ loszuwerden, hatten sich die Behörden einiges einfallen lassen. Den Entzug der Konzession für ein Tanzlokal begründete der damalige Amtsvorsteher des Amtes Itzstedt mit folgenden Worten: Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Besucher zu den dargebotenen Musikveranstaltungen mehr oder weniger unorthodoxe Bewegungen ausführen, kann von einem Tanzlokal keine Rede sein, da der Begriff des Tanzens nicht nur geringfügig Gesellschaftstänze umfasst.

Eine Lärm-Messung durch das damals zuständige Gewerbeaufsichtsamt Lübeck auf dem Marktplatz von Sülfeld förderte Erstaunliches zutage: Nicht etwa der Betrieb des „Auenlandes“

sorgte bei der Messung für eine Lärmbelästigung der Anwohner. Vielmehr war es der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Sülfeld, der für das Überschreiten der Grenzwerte verantwortlich war. Die Musiker hatten damals bei geöffnetem Fenster in einer weiteren Gastwirtschaft geprobt. pd

Petra Dreu

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