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Segeberg Als der Teufel den Kalkberg fallen ließ
Lokales Segeberg Als der Teufel den Kalkberg fallen ließ
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19:12 31.08.2018
Nils Hinrichsen hat ein Buch über Segeberger Sagen rund um den Teufel geschrieben. Quelle: GLOMBIK
Bad Segeberg

Seit es im Grundschulunterricht keine Heimatkunde mehr gibt, ist das Thema „Segeberger Teufel“ in Vergessenheit geraten. Das stellt jedenfalls Bad Segebergs Museumsleiter Nils Hinrichsen fest, wenn bei Führungen Jugendliche große Augen machen, sobald er die ollen Sagengestalten erwähnt. Die waren früher noch jedem Kind geläufig. „Das kennt hier kaum noch jemand."

Federzeichnung von Uwe Bangert: Der Teufel mit dem Hammer. Quelle: Aus „Zum Teufel mit dem Teufel!“

Die Geschichte soll nun wiederbelebt werden. Einmal wandeln zum Stadtfest an diesem Wochenende fast drei Meter hohe Figuren in Gestalt des Segeberger Teufels durch die Innenstadt, und Nils Hinrichsen als Mitspieler beim teuflischen Theaterspiel hat ein Buch über die Sagengeschichten geschrieben.

Es fing an mit der Planung eines kleinen Infoblatts, doch Hinrichsen wurde total überrascht von den vielen Informationen, die bei seinem Studium der alten Schriften in den Archiven zusammenkamen. „Da gibt es Geschichten, die reichen bis ins Mittelalter zurück", schwärmt der Historiker in dem Alt Segeberger Bürgerhaus, dem Stadtmuseum Bad Segebergs. Aus dem Info-Blatt wurde ein „Büchlein“ mit immerhin 71 Seiten, in dem Hinrichsen eine Geschichte der alten Sagen von Bad Segeberg entwickelt – das Ganze unter dem Titel „Zum Teufel mit dem Teufel!“

Uralte Geschichten aus dem Mittelalter

Der Teufel habe den Kalkberg nahe der Marienkirche einfach hingeschmissen, so erzählten es die Altvorderen in den Dörfern, als es medientechnisch nur die „Stille Post“ gab, die Weitergabe uralter Geschichten von Generation zu Generation. Die wurden über die Jahrhunderte immer mehr ausgeschmückt und verändert. Heute würde man von „Fake News“ sprechen, wenn einer behauptet, der Teufel habe den Segeberger Kalkfelsen aus dem Kleinen Segeberger See gehoben und dann fallen gelassen. Damals, zur Zeit der Hexenverbrennungen, gab es Leute, die glaubten fatalerweise an solche Erklärungen, denn sie konnten sich ein Naturphänomen wie den Segeberger Kalkberg nur mit der Tatkraft eines fast allmächtigen Teufels erklären, schreibt Nils Hinrichsen in seinem Buch.

Wie sonst sollte dieser urige Fels da hingekommen sein? Für alles, was unerklärlich war, schien der Teufel verantwortlich zu sein, erklärt Hinrichsen die Denkweise unserer Vorfahren – zumal im Mittelalter der Segeberger Kalkberg vor dem Gipsabbau noch viel mächtiger in der Landschaft thronte und weithin sichtbar war.

Sage

So entstand eine der vielen Sagen zum Kalkberg: „Einst – so heißt es – waren die Segeberger gottlose Leute. Da wollte der Teufel eines Tages die Stadt zudecken, damit sie nicht wieder von ihm abfallen könnte. Einen großen Klumpen hub er aus der Erde, da, wo heute der Kleine Segeberger See liegt. Die Segeberger taten aber schnell Buße, und da gab der liebe Herrgott dem Klumpen einen Schubs, daß er neben den See fiel. Da liegt er, zu Stein geworden, noch heute.“

Heinrich Rantzau erwähnte den Segeberger Teufel in seiner Landesbeschreibung schon 1597, fand Hinrichsen heraus. Von Generation zu Generation seien die Sagen weitergegeben worden. Es gab noch weitere Segeberger Sagenfiguren, die damals das Publikum ängstigten, die „Schwarze Margret“ zum Beispiel. In großem Umfang habe Karl Müllenhoff alle diese Segeberger Sagen aufgeschrieben, sagt Hinrichsen.

Termin

Wer Sagengestalten sieht, bekommt ein Stück Segeberger Geschichte zu sehen: „Zum Teufel!“ ist eine Straßentheateraktion, bei der Stadtgeschichte lebendig wird. Am Sonnabend wird ab 14.30 und 17 Uhr vom Platz vor der Volksbank zum Marktplatz gespielt; an der Seepromenade am Sonntag ab 11.30 und 15.15 Uhr. Zu den sicher sehenswerten Vorstellungen möchte Buchautor und Museumsleiter Nils Hinrichsen auch sein Buch „Zum Teufel mit dem Teufel!“ anbieten. Es ist zu zum Bad Segeberger Stadtfest zum Sonderpreis für 6,50 Euro erhältlich.

 

Was Hinrichsen in seinem Buch besonders faszinierend findet: Zum Umbau der Marienkirche von 1863 bis 1867 hielt der Segeberger Teufel sogar Einzug in das Gotteshaus. Die neuen Kirchenbänke wurden mit Schnitzereien verziert, dort wurde auch der Teufel verewigt, wie er den Kirchenbesuchern frech die Zunge herausstreckt.

Klaus Schichan als Segeberger Teufel 1976. Quelle: Aus: „Zum Teufel mit dem Teufel!“

Der früh verstorbene Klaus Knütter (SPD) hatte 1976 die Idee für ein buntes Bad Segeberger Stadtfest. Als Maskottchen ließ er damals den Segeberger Teufel wieder aufleben. Der Clou: Der Karl-May-Schauspieler und Stuntman Klaus Schichan flog mit dem Bundesgrenzschutz-Hubschrauber als Teufel verkleidet ein und ließ sich zum Stadtfesttrubel an der Strickleiter herab. Es war damals ein Riesenspaß, zumal die Wahlstedter Traditionsfirma Lichtenheldt zusätzlich noch 600 Flaschen Moosbeeren-Fruchtsaftlikör namens „Segeberger Teufel“ herstellte. Es war ein „teuflisches“ Gebräu.

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Wolfgang Glombik

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