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Als die Segeberger Preußen wurden

Bad Segeberg Als die Segeberger Preußen wurden

Vor 150 Jahren wurde der Kreis Segeberg gegründet – Ein Verwaltungsakt, der nicht allen schmeckte.

Bad Segeberg. Jubel auf den Straßen, Blumenmädchen tanzen, Salutschüsse begrüßen die neue Ära – nein, so war es ganz gewiss nicht, als vor 150 Jahren der Kreis Segeberg gegründet wurde. Vielmehr ist zweifelhaft, ob die alten Segeberger überhaupt Notiz genommen haben von der schmucklosen Verordnung „betreffend die Organisation der Kreis- und Distriktsbehörden in Schleswig-Holstein“ vom 22. September 1867. Dieser einfache Verwaltungsakt, unterzeichnet von „Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen“, war die Geburtstunde des Kreises Segeberg – und 19 weiterer in den ehemaligen Herzogtümern Schleswig und Holstein. Damit bekamen sie die gleiche Struktur aufgestülpt wie im Rest des Königreiches, ihre Eingliederung in den preußischen Verwaltungsstaat war damit abgeschlossen.

„Die Schleswig-Holsteiner sind fortan Preußen. Mit diesem Worte ist jeder Anlass zu den inneren Kämpfen der letzten Jahre verschwunden“, hatte einige Monate zuvor, am 24. Januar bei einem Festakt im Kieler Schloss, der von Berlin bestellte Oberpräsident dieses neuen preußischen Landstrichs, Baron Carl von Scheel-Plessen, verkündet.

Nicht dass die Schleswig-Holsteiner eine große Wahl gehabt hätten. Nachdem preußische und österreichische Truppen die Dänen im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 bis nach Kolding zurückgedrängt hatten, ging die Herrschaft über das Herzogtum Schleswig zunächst an Preußen, das Herzogtum Holstein an Österreich(!). Dass man in Segeberger Cafés heute dennoch keinen „Gespritzten“ bestellt oder „Grüß Gott“ zueinander sagt, war dann dem Umstand zu verdanken, dass sich beide Siegermächte kurz darauf selber in die Haare bekamen. Nach dem verlorenen Deutschen Krieg zogen sich die Österreicher 1866 aus dem Norden wegen ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit kampflos zurück, auch Holstein wurde preußisch. Hätte man zu jener Zeit die Menschen in Segeberg gefragt, ob sie denn lieber Dänen, Preußen oder Österreicher wären (was man nicht hat), wäre die häufigste Antwort indes „weder noch“ gewesen. Man wollte zwar „deutsch“ sein, jedoch in einem freien Fürstentum Schleswig-Holstein, keine Provinz regiert von Pickelhauben-tragenden Beamten im fernen Berlin. Herz und Verstand der Menschen hingen an Prinz Friedrich von Augustenburg aus dem Haus Oldenburg, der nach dem Willen des Deutschen Bundes und der Menschen im Land als rechtmäßiger Erbe Fürst der vereinigten Herzogtümer Schleswig und Holstein werden sollte. Ein hochherrschaftlicher Amtssitz an der Kieler Förde war für den Regenten bereits geplant.

Es kam, wie gesagt, anders. Wilhelm von Preußen und sein Ministerpräsident Otto von Bismarck wollten Schleswig-Holstein nur unter der Bedingung ein preußischer Vasallenstaat zu werden, in die Eigenständigkeit entlassen. Friedrich lehnte das ab, zog sich ins Private zurück. Auch die Segeberger waren damit „fortan Preußen“.

Zum ersten Landrat des neuen Kreises (Jan Peter Schröder ist Nummer 15) wurde der 55-Jährige Cai Lorenz von Brockdorff berufen, der aus der Region stammte und bereits zuvor unter Herrschaft der Österreicher gemäß der dänischen Verwaltungsstruktur „Amtmann“ von Segeberg war. Brockdorff, der wohl auch insgeheim Fan von Friedrich und der Idee eines eigenständigen Schleswig-Holstein gewesen sein dürfte, blieb nur ein Übergangskandidat. Gerade mal zwei Jahre lang durfte er die Geschicke des Kreises leiten, bevor er durch „Allerhöchst Order“ zugunsten eines echten zackigen preußischen Beamten aus seinem Amt entfernt wurde. Ernst Freiherr von Gayl war preußischer Militär und studierter Verwaltungsjurist und hatte sich bereits als Landrat von Teltow (Brandenburg) seine Sporen verdient. Er war es wohl, der preußischen Zug in die Segeberger Amtsstuben brachte und sie zum Zahnrad im Getriebe der straff durchorganisierten Verwaltungsmaschinerie machte.

Die Segeberger fügten sich der neuen Zeit und den ungewünschten Machthabern. Immerhin wurden sie später ein wenig mit ihnen versöhnt, als Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm II., Auguste Viktoria heiratet – älteste Tochter des verhinderten Schleswig-Holsteiner Regenten Friedrich von Augustenburg.

Oliver Vogt

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