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Als es in Bad Segeberg noch richtige Winter gab

Bad Segeberg Als es in Bad Segeberg noch richtige Winter gab

Zeitzeugen erinnern sich an die Winter vor über 70 Jahren — Damals waren die Seen oft monatelang zugefroren. Hans-Werner Baurycza zeigt historische Winterbilder.

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Am Kalkberg: 1938 in Bad Segeberg.

Bad Segeberg. Wer kann sich noch erinnern? Das Gefühl, wenn alle Geräusche in einer schneebedeckten Stadt gedämpft sind, wenn die Flocken tanzen, der Schnee unter den Stiefeln knirscht. Oder wenn die Kinder zum Schlittenfahren unterwegs sind und sich danach die ganze Familie am warmen Ofen trifft. In Segeberg liegen die Temperaturen seit Tagen zwischen zehn und 14 Grad.

Einige kaufen ihre Geschenke im Pulli oder Oberhemd ein. Grüne Weihnacht. Ja früher. . . Da gab es noch richtige Winter. Hans-Werner Baurycza hat einige historische Bilder aus seinem reichhaltigen Kalkberg-Archiv für die LN zusammengestellt.

Günter Schütt aus Klein Rönnau erinnert sich, wie in strengen Wintern in den vierziger Jahre noch die Trave zugefroren war. „Die Straße zwischen Gladebrügge und Traventhal war gar nicht mehr zu sehen, so hoch war der Schnee.“ Vor 25 Jahren konnte er noch auf dem Ihlsee Schlittschuhlaufen. Noch lebhafter erinnert sich der 85-Jährige, wie er als Kind in den vierziger Jahren oben vom Wasserturm neben dem früheren Lindenhof gen Kleiner Segeberger See per Schlitten den steilen Hang herunterfuhr. „Manchmal wurde vom Wasserturm Wasser abgelassen, dann wurde das zum Eiskanal für Bobschlitten.“ Und fürs Schlittschuhlaufen bedurfte es keiner Kunsteisbahn. Auf dem Kleinen Segeberger See habe er Eishockey gespielt. Und beim Schlittschuhlaufen auf dem See schaute auch manchmal der Maler Karl Storch (1864 bis 1954) vorbei. „Der saß unterhalb von Friseur Soltau am See und hat gemalt. Klar waren die Kinder neugierig auf die Bilder: „Wi hebbt dor mol toguckt.“ Das Eis musste auch vor 70 Jahren noch polizeilich freigegeben werden. Der erste, der immer auf dem Eis war, so erinnert sich Schütt schmunzelnd, war Erich Fitzke. Da kamen sogar Polizisten mit dem Vater, um ihn vom Eis zu holen.

Der Große Segeberger See war Segebergs „Gefrierschrank“. Mit Sägen wurden die Eisschollen geschnitten und zu den Kühlhäusern der Stadt gefahren. In der Oldesloer Straße war ein Eiskeller von Schlachter Hargens. Von Arbeitslosen wurde das Eis bei der „Rattenvilla“ aus dem See gesägt und in Stücken in die Eiskeller mit Wagen geschafft. „Bis zu 27 Grad minus hatten wir“, erzählt Schütt.

Lebhaft erinnert er sich, wie man in den vierziger Jahren bei Mondschein auf dem Segeberger See mit Schlittschuhen laufen konnte.

Es muss eine herrliche Zeit für Kinder gewesen sein. Es ist Jahre her, dass man ruhigen Gewissens über den Großen Segeberger See marschieren konnte und sich auf dicker Eisschicht sicher wähnte. Den kalten Wind im Gesicht spazierte alles von Bad Segeberg Richtung Klüthsee und noch weiter. Mitte der 90er Jahre wurde auf dem Klüthsee noch Eislochangeln veranstaltet. Per Handbohrer fraßen sich die Angler durchs Eis und genossen bei einer dampfenden Tasse Tee das Warten auf Rotauge oder Hecht.

Vor 70 Jahren seien die Seen monatelang vom Eis bedeckt gewesen, habe sein Vater, der 2010 verstorbene Fritz Meins, erzählt, berichtet Hartmut Meins. Es habe damals selten ein Weihnachten gegeben an dem nicht die Seen zugefroren oder wenigstens Schnee gefallen war.

Es sei ein Paradies für Schlittschuhläufer und Schlittenfahrer gewesen. Doch es war auch eine für viele Menschen belastende Zeit gewesen. „Mein Vater hat uns oft von einem Segeberger erzählt, der kurz nach dem Krieg kein Brennholz mehr hatte.“ Der hatte tagelang gegrübelt, ob er seinen einzigen Apfelbaum absägen sollte oder nicht. Dann hätte er seine Stube warm gehabt, konnte aber im nächsten Jahr die für ihn wichtigen Äpfel nicht ernten. „Das waren richtig schlimme Zeiten.“ Sein Vater habe auch das immer im Blick gehabt, und der Familie so deutlich gemacht, wie gut es den Menschen heute gehe, berichtet Meins.

Begehrter Fotoband
Hans-Werner Baurycza hat wegen der großen Nachfrage Exemplare nachgeordert: „Bad Segeberg — Handel, Handwerk, Industrie in alten Fotografien“ heißt der Fotoband von Hans-Peter Sparr und Hans-Werner Baurycza. Es ist eine Zeitreise durch die Arbeits- und Geschäftswelt Bad Segebergs mit vielen noch nie gezeigten Fotos. Unterhaltsam für jeden, der das alte oder ältere Segeberg als Kind und junger Mensch erlebte. Der sehenswerte Band ist in den Bad Segeberger Buchhandlungen für 19,99 Euro erhältlich.

Wolfgang Glombik

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