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Segeberg Altar in Bad Segebergs Marienkirche wird von Staub und Schimmel befreit
Lokales Segeberg Altar in Bad Segebergs Marienkirche wird von Staub und Schimmel befreit
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17:10 17.04.2019
Restauratorin Andrea Junken aus Wedel befreit den historischen Altar in der Bad Segeberger Marienkirche von Staub und Schimmel Quelle: Oliver Vogt
Bad Segeberg

Es ist ein historischer Schatz, auf den Bad Segeberg mit Fug und Recht stolz sein kann: Der mittelalterliche Holzaltar in der Bad Segeberger Marienkirche. In 13 Reliefbildern mit insgesamt 230 aufwendig bemalten und vergoldeten Figuren aus Lindenholz werden wichtige Ereignisse aus dem Neuen Testament dargestellt. Von der Kreuzigung Jesu im Zentrum des Altars über die Himmelfahrt bis zum Jüngsten Gericht.

Das Kleinod ist aber kontinuierlich bedroht. Vor allem die in der Luft allgegenwärtigen Schimmelsporen setzen dem mehr als 500 Jahre alten Meisterwerk zu. Deshalb muss der Altar regelmäßig „gewartet“ werden. Dieser Tage ist die Kunst-Restauratorin Andrea Junken aus Wedel damit beschäftigt mit Pinsel und einem – kleinen – Staubsauger die Figuren vom Staub der Jahre und beginnendem Schimmel-Befall zu befreien.

Die Zeit hat ihre Spuren am 500 Jahre alten Altar hinterlassen.

Altar wird bald verpackt

Das ist vor allem jetzt wichtig, denn die Sanierungsarbeiten im Inneren von St. Marien beginnen im kommenden Monat. „Um den Altar vor dem Baustaub zu schützen, wird er unter einer Schutzhülle verpackt“, erklärt Restauratorin Junken. In der Atmosphäre der Hülle steige aber die Gefahr, dass sich der Schimmel ausbreitet. Deshalb sei im Vorwege noch eine Grundreinigung nötig. „Und später müssen wir darauf achten, dass die Luft unter der Hülle zirkulieren kann“, sagt Junken. Das werde auch elektronisch überwacht. In keinem Fall dürfe dort ein feuchtwarmes Klima entstehen, was Gift für das Kunstwerk wäre.

Gewissenhaft geht Andrea Junken mit Pinsel und Sauger Relief für Relief und Figur für Figur vor. „Dieser Altar ist schon etwas sehr Besonderes“, sagt die Pinnebergerin. In ganz Norddeutschland gebe es nur wenig andere Kirchenkunst, die mit dieser Opulenz, Farben- und Detailfreude mithalten könne. Auch den Vergleich mit den Altären in den großen Lübecker Kirchen und der Sammlung im St.-Annen-Museum brauche der Marien-Alter keineswegs zu scheuen.

Künstler ist bis heute unbekannt

Ein bisschen schade ist, dass um seine Entstehung heute niemand mehr etwas weiß. „Man kann sicher davon ausgehen, dass es eine Werkstatt in Lübeck war, die den Altar angefertigt hat“, sagt Junken. Um welche der insgesamt zwölf Werkstätten, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts innerhalb der Lübecker Stadtmauern solche Auftragsarbeiten ausführten, der Altar um 1515 gefertigt wurde, darüber streiten sich die Kunstexperten aber bis heute.

Heinrich Rantzau höchstselbst schrieb den Altar im Jahr 1597 dem Bildhauer Hans Brüggemann zu, schreibt Heimatforscher Peter Zastrow. Vergleichen mit tatsächlichen Brüggemann-Altären hielt das Werk aber nicht stand. Als wahrscheinlicher Urheber gilt heute der Bildschnitzer und Maler Hennig von der Heyde, ein Schüler Bernt Notkes, dessen Arbeiten deutliche Ähnlichkeiten mit dem Bad Segeberger Altar aufweisen.

Viele Details zu entdecken

Ihre Konfirmanden staunten immer wieder über die kleinen, zum Teil humorvollen Details, die sich bei ganz genauem Hinsehen in den Reliefs versteckten, sagt Pastorin Rebecca Lenz. In der Szene, in der Jesus vor Pontius Pilatus angeklagt und zum Tode verurteilt wird, sitzen zwei Äffchen auf der Mauer des Palastes des Jerusalemer Statthalters. Vermutlich ein spitzer Kommentar des Künstlers, der den Prozess als „Affentheater“ sah. In der Kreuzigungsszene versteckt sich, für oberflächliche Betrachter fast unsichtbar, ein Hase in einer Höhle. „Offenbar schon eine Andeutung an Ostern“, vermutet Lenz.

Von Mitte Mai an wird der Innenraum der Kirche in drei Bauabschnitten komplett saniert, um Schäden an der Bausubstanz zu reparieren und um „Sünden“ aus vergangenen Renovierungsarbeiten an der ältesten norddeutschen Backsteinkirche zu beheben. Rund 2,8 Millionen Euro wird das kosten.

Notre-Dame als Warnung

Mit Schrecken hat auch Pastorin Lenz die Bilder aus Paris von der brennenden Kathedrale Notre-Dame verfolgt. Ein Feuer, das nach bisherigem Stand bei Sanierungsarbeiten ausgelöst wurde. „Das hat mich wirklich fassungslos gemacht. Meine Tochter lebt in Paris, ich kenne und liebe Notre-Dame.“ Für die bevorstehende Marien-Sanierung sei das auch eine Mahnung, noch einmal extra vorsichtig zu sein. Anders als in Paris seien in St. Marien aber keine Arbeiten am Gebälk erforderlich, bei denen das Holz auf gut 80 Grad erhitzt wird, um Schädlinge abzutöten. In St. Marien werde nur am Mauerwerk gearbeitet.

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Oliver Vogt

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