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Segeberg Kokerei-Modell geht auf Reise
Lokales Segeberg Kokerei-Modell geht auf Reise
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11:54 08.09.2018
Die Kokerei Hansa in Dortmund: Nachgebaut wurde sie im H0-Modellbahn-Format von Hans-Martin Ehlers aus Ahrensbök und Matthias Osbahr aus Seedorf. Quelle: sg
Seedorf

Ausgerechnet zwei waschechte Nordlichter haben eine Vorliebe für Industrieanlagen des Ruhrgebietes: In 5000 Stunden Arbeit haben Hans-Martin Ehlers (46) aus Ahrensbök und Matthias Osbahr (45) aus Seedorf auf zwölf Quadratmetern die Kokerei Hansa in Dortmund nachgebaut. Am Freitag ging das beeindruckende Modell im Maßstab 1:87 (Modellbahnmaßstab H0) per Spedition auf die Reise in den Ruhrpott. Dort ist das beleuchtete und mit Audiodateien der Original-Geräuschkulisse ausgestattete Modell vom 9. September bis 26. Oktober auf dem Gelände der Kokerei Hansa im Dortmunder Ortsteil Huckarde zu sehen.

Doch wie kommen zwei waschechte Nordlichter dazu, eine Kokerei aus dem tiefsten Ruhrgebiet nachzubauen? „Wir haben 2008 eine Männertour auf der Route der Industriekultur unternommen“, erzählt Hans-Martin Ehlers, der im Kohlekraftwerk Lübeck-Siems eine Ausbildung zum Energieelektroniker absolviert hat und somit „vorbelastet“ war. Auf der Tour nutzten er und sein „Sandkastenfreund“ Matthias Osbahr die Gelegenheit, einen Blick auf das Gelände werfen zu können. „Die Anlage war zu dem Zeitpunkt schon lange stillgelegt. Zweimal im Monat gab es Führungen, an dem Tag leider nicht. Aber es gab einen Pförtner, der total begeistert davon war, dass er uns etwas über die Kokerei erzählen konnte“, erzählt Hans-Martin Ehlers.

Vier Jahre später sind beide Männer ein weiteres Mal nach Dortmund gefahren, um eine Führung mitzumachen und sich die Anlage auch von innen anzusehen. „Bei uns reifte immer mehr der Entschluss, ein eigenes Modell der Kokerei zu bauen. Als wir bei der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur nach Bauplänen fragten, wurden die Mitarbeiter sofort hellhörig“, erinnert sich Hans-Martin Ehlers. Die Stiftungsmitarbeiter luden Hans-Martin Ehlers und Matthias Osbahr ein, Fotos von der Kokerei Hansa zu machen, und fragten schließlich, ob die beiden Nordlichter sich vorstellen könnten, das Modell, das es zu dem Zeitpunkt nur in den Köpfen der beiden Schleswig-Holsteiner gab, drei Jahre weiter für eine Ausstellung auszuleihen. Ausstellungseröffnung sollte am 9. September 2018 zum Tag des offenen Denkmals sein.

Die Kokerei mit viel Liebe zum Detail

Die beiden Männer willigten ein, schlugen eine finanzielle Unterstützung der Stiftung aus, kauften auf eigene Rechnung zwei 3-D-Drucker und legten los. Um das Modell so originalgetreu wie möglich aussehen lassen zu können, belegten sie sogar einen Airbrush-Kursus. Hans-Martin Ehlers brachte sich selbst konstruierendes Zeichnen bei und beide nahmen Kontakt zu Günther Huppert auf, dessen Modellbaufirma einst zwei Teile der Hansa-Kokerei auf den Markt gebracht hatte.

„Er lebte inzwischen in Dänemark, hatte aber immer noch einen Laser, mit dem der Architektenkarton für die Gebäude ganz fein und sauber ausgeschnitzt werden konnte. Zusätzlich wurde dabei eine Ziegelstruktur in den Karton gelasert“, erzählt Hans-Martin Ehlers, der in drei Jahren 4000 Arbeitsstunden in das Modell investiert hat. Matthias Osbahr war mit 1000 Stunden am Bau beteiligt, bei dem beide auf viele kleine Details – von der Kaugummi kauenden Sekretärin über Gitter an den Hochöfen bis hin zu den Taschen der Arbeiter beim Schichtwechsel – Wert gelegt haben.

Die Kokerei Hansa

Zu Vollbetriebszeiten produzierte die Zentralkokerei Hansa in ihren 314 Öfen täglich aus circa 7000 Tonnen einer Kokskohlenmischung bis zu 5400 Tonnen Koks. Die zwischen 1927 und 1928 erbaute Anlage prägte den Dortmunder Stadtteil Huckarde, dem die Verarbeitung der Kohle einen schmuddeligen Stempel aufgedrückt hat, der sich wie ein ständiger Schleier über die Häuser gelegt hat. Auch der bei der Verarbeitung anfallende Geruch nach Ammoniak war überall in der Umgebung der Kokerei zu riechen, die 1992 endgültig stillgelegt wurde. Heute ist sie ein Industriedenkmal, das von der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur getragen wird.

Petra Dreu

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