Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Alter Tresorraum von Spezialfirma geknackt
Lokales Segeberg Alter Tresorraum von Spezialfirma geknackt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:19 16.10.2017
Handwerker Gerald Gros mauert zu, wo vorher ein Durchgang war. Hier entsteht der Anbau für Veranstaltungen. Quelle: Fotos: Irene Burow

Vor dem ehemaligen Tresorraum werden Erinnerungen an einen handfesten Krimi wach: 1967 ist die alte Kreisparkasse, die einst hier untergebracht war, überfallen worden. Das Gangsterpaar Gisela Werler und Hermann Wittorff hatten in Norddeutschland 18 Banken ausgeraubt. In Bad Segeberg war Schluss: Polizisten stellten das Paar, und der spektakuläre Fall, in dem die Diebin als „Banklady“ bezeichnet wurde, ging in die Geschichte ein.

Diverse Handwerker setzen die Planungen für das neue Stadtinfohaus in der Bad Segeberger Innenstadt um. Sandmassen werden bewegt, Bauschutt türmt sich, die Böschung lässt sich erahnen, Archivräume werden sichtbar. Seit Juli wird gebaut – mit Überraschungen.

Bücherei ist offen

Ein kleiner Teil der Stadtbücherei bleibt während des Umbaus doch geöffnet. Der alte Sole-Trink-Saal wurde dafür hergerichtet. Seit dem 9. Oktober gibt es neue Medien auszuleihen. Besucher können zu den üblichen Öffnungszeiten kommen.

Doch so schick, wie Gisela Werler damals gekleidet war, geht hier derzeit niemand ein und aus: Die Bank ist längst Geschichte, doch der Tresorraum noch ziemlich real. „Wir wussten von diesem Raum.

Aber dass die Konstruktion so stark, der Beton so hart ist, das hat unsere Expertise vorher nicht ergeben“, sagt Architekt Hauke Kraß, als er davor steht. „Die Bauweise gleicht einem Atombunker.“

Eine Spezialfirma musste beauftragt werden, um eine 60 Zentimeter dicke Wand zu durchstoßen. Besondere Bohrkronen wurden verwendet, die Spuren sind deutlich zu sehen. „Eigentlich wollten wir an dieser Stelle zwei Durchgänge schaffen, aber das hätte den Kostenrahmen gesprengt“, sagt Kraß. So bleibt es bei einem. Wenn gebaut wird, dann gibt es oft Überraschungen. „Da muss man einfach cool bleiben“, sagt der Architekt, „und den gesunden Menschenverstand entscheiden lassen.“

Für die Baufachleute gehört das zum Alltag. „In Bad Segeberg scheint das aber typisch zu sein“, sagt Bauamtsleiterin Antje Langethal. „Da kann man vorher unendlich viele Studien fertigen lassen und entdeckt doch nicht alles.“ Nur wenige Meter neben dem Tresorraum, der in Zukunft mit Rollcontainern des Stadtarchivs gefüllt werden wird, ragt ein Granitsturz in einen Durchbruch. Die Fachleute schätzen, dass er, schon zum Wickel-Haus gehörend, einst für Fenster genutzt worden sein könnte.

Ein wenig Licht dringt schon durch die Kellerräume, das verwaiste Stadtarchiv. Es wird noch mehr werden, wenn auf den alten Parkplatzflächen die Böschung hergestellt ist und große Fenster eingebaut sind. Es werden rund 350 Tonnen Erde bewegt, damit später der große Anbau für den Veranstaltungsraum und ein Hinterhof, eine grüne Oase, Platz finden. Handwerker sind derzeit damit beschäftigt, Flächen zuzumauern und das Bauwerk abzudichten. „Die ganze Arbeit sieht man schon bald nicht mehr“, sagt Maurer Gerald Gros, wenn diese Wände nämlich hinter Gemäuer oder im Boden verschwinden.

Im Juli hatten die Umbauarbeiten zum „WortOrt“ begonnen. Im November wird Richtfest gefeiert. Den genauen Termin gibt die Stadt noch bekannt. Dieser Ort des Wortes, der Sprachen und der Verständigung soll im Herbst 2018 fertig sein. Die Arbeiten sind in drei Abschnitte unterteilt. Neben dem Anbau werden Fenster und Teile der Fassade erneuert. Die jetzigen Bestandsbauten werden energetisch saniert, Fenster getauscht und die Flachdächer gedämmt. Der Eingangsbereich zur Stadtbücherei wird zu einem einladenden Foyer. Ende Oktober gehen hier die Arbeiten los. Im dritten Abschnitt wird im kommenden Jahr die Tourist-Information umstrukturiert.

Das wichtige Innenstadt-Projekt wird bei laufendem Betrieb umgesetzt: Stadtbücherei, Touristinformation und Kindertagesstätte haben geöffnet. Für die Bücherei war das zunächst nicht bekanntgegeben worden. Doch seit einer Woche ist mit der Lesehalle zumindest ein kleiner Teil geöffnet. „Am ersten Tag hatten wir über hundert Ausleihen“, staunte Büchereileiterin Friederike Sablowski. Der Großteil der Medien lagert absichtlich bei den Lesern zu Hause mit einer Leihfrist bis April 2018.

Die Umgestaltung des Wickel-Hauses zum „Wortort“ ist für die Segeberger fast geschenkt. Von den 1,75 Millionen Euro Gesamtkosten hat das Bundesumweltministerium 1,6 Millionen Euro als Förderung zugesagt.

 Irene Burow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige