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Segeberg Altes Pastorat wird dem Erdboden gleichgemacht
Lokales Segeberg Altes Pastorat wird dem Erdboden gleichgemacht
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20:37 05.08.2015
Vor zwei Wochen feierte Familie Rahn eine Abrissparty. Jeder Gast durfte etwas auf die Wände malen. Die Zeichnungen sind nun zu sehen.
Todesfelde

Die Schaufel des Abrissbaggers gräbt sich in die Innereien des Todesfelder Pastorates. Steine knirschen, Holz splittert, die Hälfte des 250 Quadratmeter großen Hauses ist bereits eingerissen. Mitarbeiter der Abbruchgesellschaft Stahlkopf aus Alt- Mölln sortieren die unterschiedlichen Baustoffe, um die Entsorgung der Materialien zu vereinfachen und damit kostengünstiger zu machen. Dämmwolle liegt in riesigen, weißen Plastiksäcken verzurrt, Container für Holz und Steine stehen auf dem Parkplatz. Auch asbesthaltige Materialien haben die Abrissarbeiter gefunden. „Außerdem warten wir alle auf den Schatz“, sagt Kirchengemeindesekretärin Anja Pohlmann und schmunzelt. Es gebe das Gerücht, dass beim Bau des Pastoratsgebäudes 1901 auf der Nordwestseite etwas vergraben wurde.

Über viele Jahre ist das Pastorat ihre Arbeitsstelle gewesen. „Ich hatte Familienanschluss, der Pastor und ich haben uns das Gemeindebüro geteilt“, sagt Anja Pohlmann. Im neuem Pastorat in Passivhaus-Bauweise wird das anders sein, dort sind Wohnung und Verwaltung voneinander getrennt. In den fast 120 Jahren haben zwölf Pastoren in dem Gebäude gelebt und gearbeitet. „Während des 2. Weltkrieges wohnten noch Flüchtlinge mit im Haus“, erzählt Anja Pohlmann.

Das neue Pastorat, das vermutlich im April 2016 fertiggestellt wird, ist das erste Passivhaus der Nordkirche und wird mit 200000 Euro vom Kirchenkreis bezuschusst. Die voraussichtlichen Baukosten inklusive Abriss betragen etwa 510000 Euro.

Während der Abrissbagger sich langsam in das Gebäude gräbt, macht Thilo Rahn Fotos. Er ist der Sohn von Pastor Karl-Heinz Rahn, der 34 Jahre bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Jahr mit seiner Familie im Pastorat gewohnt hat. „Meine Familie hat große Probleme mit dem Abriss. Mir hilft die Kamera als Abstandshalter“, sagt der 37-Jährige. Für ihn sei es das Zuhause gewesen. Als kleiner Junge habe er Angst gehabt, sein Vater könne versetzt werden und jemand anderes könne in ihr Haus ziehen. „Das kann jetzt nicht mehr passieren.“ Einerseits sei es interessant zu sehen, wie damals gebaut worden sei, andererseits sei der Abriss eine Schande, was auch viele Todesfelder so sehen würden. „Doch wenn ich mir die vom Holzwurm durchlöcherten Deckenbalken ansehe — solch eine Sanierung hätte keiner bezahlen können.“ Als Erinnerung hat sich Familie Rahn aus einer Pastoratstür einen Tisch zimmern lassen.

„Während des 2. Weltkrieges wohnten noch Flüchtlinge mit im Haus.“
Anja Pohlmann, Kirchensekretärin

Silvie Domann

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