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Segeberg Am Waldweg soll der Wald weg
Lokales Segeberg Am Waldweg soll der Wald weg
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15:03 05.02.2016
Der kleine Bungalow soll abgerissen und dafür ein größeres Eigenheim für den Grünen Peter Stoltenberg errichtet werden. Doch dafür müssen auf dem städtischen Nachbargrundstück Bäume gefällt werden. Die Stadtvertretung soll über die „Waldumwandlung“ entscheiden. Quelle: Fotos: Glombik/hil
Segeberger Grüner lässt in seiner Nachbarschaft über 20 Bäume fällen — klingt eher paradox. Könnte aber passieren. Es sollte der Altersruhesitz von Peter Stoltenberg (66) im Bad Segeberger Ihlwald werden, nun steht alles auf der Kippe, weil dicht am geplanten Häuschen auf städtischem Grund Waldbäume stehen. Am Grundstück Waldweg 7 möchte der frühere Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, der den grünen Kreisverband mit anführt, in lauschiger Umgebung ein kleines Häuschen aus der Nachkriegszeit abreißen und dafür etwas größer bauen.

„Der Baumbestand auf diesem Handtuchstreifen wird nicht gerade als wertvoll angesehen.“

Peter Stoltenberg,

Bio-Landwirt und Grüner

Schon im vergangenen Sommer hätte der Seedorfer Landwirt den Bagger rufen können. Eine gültige Baugenehmigung sei ihm vom Kreis erteilt worden, erzählt er auf LN-Anfrage. Doch die Forstbehörde hatte ihre Stellungnahme zu seinem Vorhaben zu spät abgegeben, berichtet Stoltenberg. Sie habe ihr Veto gegen den Neubau eingelegt. Auf dem benachbarten städtischen Grundstück stehen Bäume, diese gelten als Wald. Und wenn Stoltenberg neu bauen will, müsse er einen Abstand von 30 Metern zwischen Haus und Wald einhalten.

Dazu muss ihm eine Genehmigung zur Waldumwandlung erteilt werden. „Umwandeln“ ist amtsdeutsch, klingt etwas verniedlichend nach „Hex, Hex“. Es heißt aber konkret, dass Kettensägen kreischen, dass die Fläche gerodet werden muss. Die Kreisbehörde erklärte dem Bauherrn, dass sie der selbst erteilten Baugenehmigung im Nachhinein widerspreche, berichtet Stoltenberg, der dem Ausgang des Prozedere gelassen entgegensieht. Als Grüner plagen Stoltenberg keine Gewissensbisse, dass wegen seines Bauvorhabens Bäume abgesägt werden müssen. „Aus forstwirtschaftlicher Sicht wird der Baumbestand auf diesem Handtuchstreifen nicht gerade als wertvoll angesehen.“ Zumal drum herum im Waldweg Häuser stehen. Laut Flächennutzungsplan sei dort aber „Erholungswald“ eingetragen, deshalb müsse die Forstbehörde auf das Waldumwandlungsverfahren pochen. Auch die Stadt Bad Segeberg habe offenbar ein Eigeninteresse daran, dass die Waldbäume von ihrem Grundstück verschwinden, lässt Stoltenberg durchblicken.

Denn Bad Segeberg braucht dringend Geld, und ein bewaldetes Grundstück lässt sich sicherlich schlechter vermarkten, als eine Fläche, wo ein Interessent in schöner Umgebung sein Eigenheim hinstellen könnte. Das wäre der nette Nebeneffekt, wenn die Stadtvertretung dem Antrag auf Waldumwandlung ihres Nachbarn Stoltenberg zugestimmt hätte. Quasi eine Win-Win-Situation für alle. Schon gebe es den Plan, dass dann baumlose Grundstück auf die Liste der entbehrlichen städtischen Flächen zu setzen, erfuhren die LN. Aber wegen eines Formfehlers in der Stadtvertretersitzung (die LN berichteten), der ausgerechnet von der Grünen Annelie Eick aufgedeckt worden war, wurde der Punkt von der Tagesordnung genommen.

Vorläufig. Denn in der nächsten Runde soll ein neuer „Umwandlungs-Versuch“ unternommen werden. Bauausschussvorsitzender Wolfgang Tödt (BBS) kündigte gegenüber den LN an, dass er Experten von der Unteren Naturschutzbehörde und der Forstbehörde als Sachverständige zu dem Thema in die nächste Ausschusssitzung (2. März, 18.30 Uhr) eingeladen habe. Tödt: „Ich habe keine Ahnung, wie viele Bäume dort gefällt werden müssen.“ Ihm gehe es aber auch darum, Alternativen zum Fällen auszuloten. Trotzdem scheinen die Tage der etwa 20 Buchen gezählt zu sein — zu viele rufen nach der Säge.

Wolfgang Glombik

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