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Segeberg Amtlich: Funkfeuer kommt nach Seedorf
Lokales Segeberg Amtlich: Funkfeuer kommt nach Seedorf
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20:53 13.10.2016
Das inzwischen stillgelegte Funkfeuer im ostholsteinischen Heringsdorf. So ungefähr wird auch die Seedorfer Anlage aussehen. Quelle: Fotos: *marohn/dreu (2)

Nach einer ersten Infoveranstaltung der Deutschen Flugsicherung (DFS) am 12. April, zu der viele Einwohner in die Fahrzeughalle der Feuerwehr Hornsdorf/

Schön sieht das nicht aus: Die Deutsche Flugsicherung will die neue Anlage zur Flugnavigation im nächsten Jahr in Betrieb nehmen. Die Anwohner sind nicht erfreut.

Hornsmühlen gekommen waren, gab es noch Hoffnung für die Seedorfer, dass das geplante Drehfunkfeuer nicht bei ihnen, sondern an der Elbe gebaut wird. Inzwischen jedoch ist der Hoffnung Ernüchterung gewichen: Der Standort Moorkathen in Seedorf ist für die DFS gesetzt. Den Antrag auf das Wegerecht und den Ausbau des Schotterweges, über den die Anlage gebaut werden soll, lehnte die Gemeinde jedoch ab. Das führt zu neuem Ärger, denn die Entbindung vom Rückbau des Schotterweges hätte sich die DFS 20000 Euro kosten lassen, die die Kommunale Fraktion Seedorf (KFS) gerne im Haushalt der Gemeinde gesehen hätte.

„Auf gut Deutsch: Der öffentliche Weg würde durch die DFS verbessert und wir bekämen noch 20000 Euro hinzu. Das wäre vernünftig im Interesse der Flugsicherung sowie der Gemeinde und aller Bürger gewesen“, sagt Jürgen Kaldewey, Fraktionsvorsitzender der KFS. Eine Zustimmung zum Bau der Anlage sei das nicht, betonte Kaldewey. Das baurechtliche Verfahren folge erst später und sei Sache des Kreises Segeberg.

Glücklich über den Bau des Drehfunkfeuers ist niemand in Seedorf. Vor allem die nächsten Anwohner, die nur dreihundert bis vierhundert Meter von dem geplanten Standort entfernt wohnen, hatten noch versucht, alternative Standorte für die Anlage aufzuzeigen. Sie befürchten nicht nur den Wertverlust ihrer Häuser, sondern stören sich vor allem daran, dass die Anlage weithin sichtbar sei und das gesamte Landschaftsbild stören würde.

Mit den Standortalternativen hatte sich die DFS befasst, Änderungen aber inzwischen eine Absage erteilt. Ein möglicher Standort sei aus dem Rennen gewesen, weil der DFS von privater Seite die Zuwegung zu diesem Standort verwehrt wurde. Ein anderer Standort sei ausgeschieden, weil die Untere Naturschutzbehörde darin einen erheblichen Eingriff in einem naturschutzrechtlich besonders geschützten Knick gesehen hatte. Ein Rückschnitt des Knicks hätte einen erheblichen Aufwand zur Folge gehabt, der zu sechs bis zwölf Monaten Zeitverzug geführt hätte. „Dieser ist im Hinblick auf den dringend erforderlichen Bedarf zum Ersatz der bereits ausgefallenen Navigationsanlage bei Lübeck nicht hinnehmbar“, hatte Stefan Naerlich, Leiter der Navigationsdienste bei der DFS, der Gemeinde mitgeteilt.

Während sich die KFS-Fraktion daran stört, dass die Gemeinde mit dem Versagen des Wegerechts und der Entbindung des Rückbaus auf 20000 Euro Einnahmen verzichtet habe, ist der fünfstellige Betrag für Bürgermeister Gerd Lentföhr (CDU) lediglich Nebensache. „Der Bau des Drehfunkfeuers ist ein privilegiertes Bauvorhaben, für das die DFS nachweisen muss, dass die Zuwegung gesichert ist. Das ,Nein’ zum Ausbau des Schotterweges ist der einzige Hebel, den die Gemeinde ziehen konnte“, sagte Bürgermeister Gerd Lentföhr. Die in der Sitzung anwesenden Einwohner hätten positiv auf das Abstimmungsergebnis reagiert. „Mit diesem Beschluss hat die Gemeindevertretung sicherlich den Wünschen der direkten Anwohner Rechnung getragen“, so Lentföhr. Dass die 20000 Euro vom Tisch sind, sei zwar ärgerlich, aber dennoch sieht der Bürgermeister dadurch keinen Nachteil für die Gemeinde. Der Weg zum Drehfunkfeuer sei öffentlich und könne auch von der DFS benutzt werden. Sollten durch die schweren Baumaschinen Schäden an dem Schotterweg entstehen, sei auch die DFS zu einem Schadensersatz verpflichtet. Laut Stefan Naerlich ist die DFS derzeit dabei, andere Möglichkeiten zu prüfen, um die Anlage nach Moorkathen zu bekommen. An dem Standort selbst werde sich aber nichts mehr ändern. Nur der Zeitpunkt zur Inbetriebnahme verzögere sich. Naerlich: „Eigentlich hatten wir geplant, das Drehfunkfeuer im ersten Quartal 2017 in Betrieb nehmen zu können. Daraus wird jetzt nichts mehr.“

Navigation für Luftfahrt

Ein UKW-Drehfunkfeuer ist eine Funkanlage, die der Navigation in der Luftfahrt dient. Solche Anlagen senden ein komplexes Signal aus, das aus gerichteten, ungerichteten Komponenten sowie einem Morse-Code besteht. Ein Flugzeug kann daraus Richtung und Entfernung zum Funkfeuer entnehmen. Heute ist zwar die Navigation über Satellit üblich, nach Instrumentenflugregeln ist der Signalempfang von UKW-Funkfeuern in Deutschland aber vorgeschrieben, der von Satelliten dagegen nicht. Auch wenn sich das eines Tages ändert, will die Deutsche Flugsicherung solche terrestrischen Navigationsanlagen aber als „Backup“ erhalten.

 Petra Dreu

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