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Segeberg Amtsgericht: Ölklau nicht zu beweisen
Lokales Segeberg Amtsgericht: Ölklau nicht zu beweisen
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16:28 20.01.2018
Der Kfz-Mechaniker soll in dem Segeberger Autohaus, in dem er beschäftigt war, Motoröl geklaut und über Ebay weiterverkauft haben. Quelle: David Ebener/dpa
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Bad Segeberg

41 Mal soll der Kfz-Mechaniker René R. (Name geändert) in dem Segeberger Autohaus, in dem er beschäftigt war, zwischen 2012 und 2014 Motoröl geklaut und über Ebay weiterverkauft haben, so der Vorwurf. Im Service sei der 40-jährige Segeberger beauftragt worden, Ölwechsel bei Kunden-Fahrzeugen vorzunehmen. Doch statt anzupacken, hat er eingepackt – den neuen Schmierstoff nämlich.

Einen monetären Schaden hatte das Autohaus davon zwar nicht, denn es rechnete den Service im Glauben, dass der auch erbracht wurde, regulär mit den Kunden ab. Richter Martin Jochems: „Den Schaden haben die Autofahrer, die mit altem Öl herumfahren.“ Auch Filter, Werkzeug, Arbeitshandschuhe, Putzpapier, Scheibenklar und andere Dinge im Wert von rund 4500 Euro hat René R. laut Anklage mitgehen lassen. Auf die Schliche war man ihm gekommen, nachdem in der Firma Reifen mit Alufelgen im Wert von mehreren Tausend Euro verschwunden waren. Der Betrieb hatte Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Bei den Ermittlungen stieß die Polizei dann auf René R. und seine diversen Ebay-Offerten. Durchsuchungen des Spinds, der Wohnung und mehrerer Garagen, die R. angemietet hatte, förderten jede Menge Autozubehör zutage. Viel Gekauftes mit Beleg, aber auch Dinge aus dem Kfz-Betrieb wie markiertes Werkzeug. „Wie bei einem Automessi“, fasste ein Segeberger Polizist im Zeugenstand zusammen.

Aber: von Alufelgen keine Spur. Auf deren Fährte brachte erst der Angeklagte die Beamten, als er einen Ebay-Account vom Vater eines Azubis der Firma entdeckte, wo die Felgen angeboten wurden. Auch dem geständigen Lehrling war die Selbstbedienung nicht schwer gemacht worden. „Das Controlling in der Firma war nicht so doll“, fasste der Zeuge zusammen.

René R., der nicht vorbestraft ist, wurde seinerzeit gefeuert und zog vor das Arbeitsgericht. Es kam zum Vergleich. Sein ehemaliger Arbeitgeber musste damals einräumen, dass viele Mitarbeiter Zugang zum Teilelager gehabt hätten. Das habe sich mittlerweile jedoch geändert, war jetzt der Aussage eines anderen Zeugen zu entnehmen.

Die Zuordnung des Motorenöls aus den vielen Ebay-Verkäufen zum Autohaus sei kaum möglich. Somit bleibe noch das Werkzeug im Wert von etwa 1000 Euro, fasste Richter Jochems zusammen und regte an, das Verfahren gegen Zahlung von 1000 Euro an eine gemeinnützige Organisation einzustellen. Dem stimmten Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu. Das Geld soll die Segeberger Tafel bis Juli bekommen. Zahlt René R. nicht, geht das Verfahren weiter.

 Von Heike Hiltrop

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