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Segeberg An der Kirchentür prangen 1400 Thesen aus unserer Zeit
Lokales Segeberg An der Kirchentür prangen 1400 Thesen aus unserer Zeit
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12:58 20.08.2017
Die nachgebaute Tür der Schlosskirche zu Wittenberg stieß auf das Interesse der Lutherstadt, die diese Tür bei sich ausstellen möchte. Quelle: Fotos: Petra Dreu
Rohlstorf

Als die Anfrage aus Wittenberg kam, musste auch Pastor Roland Scheel schmunzeln, der vor zwei Jahren eine solche Tür auf dem Kirchentag in Stuttgart gesehen hatte. Mitgebracht hatten sie die Wittenberger. Dort nahm die Idee Gestalt an, die Tür zum Reformationsjubiläum auf Wanderschaft durch durch den Kirchenkreis zu schicken, um so zu erfahren, was die Menschen von der Kirche erwarten.

Aktion der Kirchengemeinde Warder findet selbst in Wittenberg Beachtung.

Die Aktion kam an. 2000 Zettel, von denen 1400 verwertbar waren, hatten die Menschen aus 35 Kirchengemeinden an den Türnachbau geheftet.

Von dem Erfolg der Aktion hatten auch die Wittenberger gehört, deren Schlosskirchentür schließlich Anstoß für Scheels Idee war. Nachahmen konnten sie das Sammeln neuer Thesen aber nicht, denn ihre eigene Tür war weg. "Sie war einfach verschollen, nicht mehr auffindbar", erläuterte der Pastor aus Warder. Wie die anderen Verantwortlichen des Kirchenkreises ist er geehrt, dass ausgerechnet die Kirchengemeinde, in der vor 500 Jahren Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche geheftet hatte, um die Tür aus Warder gebeten hatte. Ausgestellt wird sie dort im ehemaligen Wohnhaus von Martin Luther und seiner Familie.

„Durch die Thesentür ist es uns gelungen, mit den Mitgliedern über die Zukunft der Kirche ins Gespräch zu kommen“, freute sich Peter Wiegner, Präses der Kirchensynode, der die 1400 „Thesen“ mit Pastor Wolfgang Stahnke ausgewertet hatte. Manche seien eher praktisch veranlagt gewesen. So seien bequemere Bänke und wärmere Kirchengebäude gewünscht worden. Andere hätten modernere Lieder im Gottesdienst, mehr Angebote für Kinder und Jugendliche oder Gottesdienste zu anderen Zeiten angeregt. Es habe aber auch grundsätzliche Reformvorschläge wie die Abschaffung der Kirchensteuer und Einführung freiwilliger Beiträge gegeben.

„Wir werden uns damit auseinandersetzen, welche Thesen wir für den Kirchenkreis und die Entwicklung eines Leitbilds übernehmen können“, sagte Peter Wiegner. Bislang haben die Kirchengemeinden ihre zehn wichtigsten Thesen auf einem Plakat erhalten, die in verkleinerter Form noch zu einem Heft mit den Ergebnissen aller Kirchengemeinden zusammengestellt werden sollen. Anschließend ließen es sich Peter Wiegner, Ekkehard Wulf und Roland Scheel nicht nehmen, die Tür für den Transport nach Wittenberg gut einzupacken.

 Petra Dreu

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