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Segeberg Angler weisen jede Schuld am Zustand des Ihlsees zurück
Lokales Segeberg Angler weisen jede Schuld am Zustand des Ihlsees zurück
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20:15 05.11.2013
Bad Segeberg

„Wie eine Bombe“ sei der LN-Artikel über den Ihlsee am vergangenen Sonntag eingeschlagen, berichtete Dieter Zloch vom Segeberger Sportfischerverein. Die LN hatten über die Warnungen des Diplombiologen Joachim Stuhr berichtet. Der hatte bei seinen Tauchgängen in Vorbereitung für ein neues Ihlsee-Gutachten beobachtet, dass in bestimmten Zonen höchst seltene Pflanzen, vor allem Wasser-Lobelie, von wühlenden Karpfen freigelegt wurden.

Der Experte forderte ein neues Fischmanagement für den höchst seltenen kalkarmen See. Es drohe Gefahr für eine in Deutschland mittlerweile fast einmalige Vegetation. Die Angler weisen jeden Vorwurf zurück: „Wir sind nicht dafür verantwortlich, dass Karpfen in dem Gewässer sind“, stellt Zloch als Beauftragter des Vorstandes der Segeberger Sportfischer klar. Im Gegenteil: Obwohl der Pachtvertrag früher den Verein verpflichtet habe, jährlich Besatzmaßnahmen durchzuführen, sei jahrzehntelang im Ihlsee kein Fischbesatz vorgenommen worden. Es lohnte schlichtweg nicht. Erstmals habe der Verein 1989 in „geringem Umfang“ Karpfen und Aale eingesetzt. Das sei 1992 sofort nach der Ihlsee-Diplomarbeit der Biologin Susanne Martensen eingestellt worden. Insgesamt seien so nur über vier Jahre Fische eingesetzt worden, betont Zloch. Für ihn sei klar, dass die meisten Karpfen, die im See zum Schaden der Rote-Liste-Art Wasser-Lobelie den Boden aufwühlen, nicht von den Sportfischern eingesetzt worden seien. Derartige Vorwürfe seien „absurd“. Er selbst habe als Junge 1951 beim Tauchen im Ihlsee Karpfen gesehen.

„Wir stehen einem Fischereimanagement beim Ihlsee positiv gegenüber“, sagt Zloch. Er angele selbst im Ihlsee, allerdings gehe er mehr auf Barsch und Hecht. Die Sportfischer würden Karpfen nicht Tage vorher anfüttern, um sie anzulocken. Das passiere nur „in geringen Mengen“, um die Fische in bestimmten Bereichen halten zu können. Anders könne man Fische nicht herausholen, um die Biomasse im nährstoffarmen Gewässer zu reduzieren. Zloch: „Wir sind doch selbst traurig darüber, dass sich im Ihlsee immer mehr Algen verbreiten und der See zusehend unter Eutrophierung leidet — aber dafür sind wir nicht verantwortlich.“ Allein 30 Prozent der Belastung des Sees geschehe durch Phosphate und Stickstoff aus der Luft. Außerdem habe er Anlieger beobachtet, die Futter in den See werfen, um Vögel anzulocken.

Der Referent für das Naturschutzgebiet, Alfred Ortmann (Naturschutzbund), verweist hingegen darauf, dass jeder Angler ungestraft pro Tag anderthalb Kilogramm Feuchtfutter in den See werfen dürfe. Das sei eine hochkonzentrierte Masse als Leckerbissen für Karpfen und andere Fische — aber höchst schädlich für den empfindlichen Ihlsee. Laut Ortmann gebe es eine Verabredung der Angler mit den Naturschutzbehörden, dass im Ihlsee nicht angefüttert werden dürfe. Kritisch äußert er sich darüber, dass der Pachtvertrag der Sportfischer mit der Stadt als Seeeigentümer vor wenigen Jahren vorzeitig verlängert worden sei. Naturschutzrechtliche Belange seien unberücksichtigt geblieben. Wenn die Sportfischer gezielt Aale, Schleie und Karpfen aus dem See holten — ohne Futter hineinzuwerfen, dann würde das dem Schutz dienen, erklärt Ortmann. Die Form des Angelns mit Anfüttern sei hingegen „eine schlimme Geschichte“. Zu seinem Leidwesen ist in der uralten Naturschutzverordnung von 1950 die Fischerei im Ihlsee erlaubt. Erst mit einer neuen Naturschutzverordnung — die beim Land derzeit in Arbeit ist — könne sich das ändern.

Wolfgang Glombik

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