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Segeberg Anti-Islamisten hacken Homepage des SV Schmalensee
Lokales Segeberg Anti-Islamisten hacken Homepage des SV Schmalensee
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23:45 10.12.2015
Wer die Homepage des SV Schmalensee gestern aufrief, erblickte dort Fotos und Texte mutmaßlich aus der arabischen Welt. Hacker hatten über Stunden die Website blockiert. Quelle: Fotos: Fotolia/screenshot/montage: Schramm

Die Homepage des Sportvereins Schmalensee (SVS) ist gestern offenbar von Anti-Islamisten gehackt worden. Das hat das Landeskriminalamt (LKA) in Kiel den LN bestätigt. „Uns ist der Fall bekannt. Wir sind da dran“, sagte Sprecher Uwe Keller. Weitere Details zu dem Cyberangriff seien allerdings noch nicht bekannt.

Wer gestern im Internet nach dem Dorfverein suchte, landete auf einer Seite mit wechselnden Fotos aus der arabischen Welt, dazu erklang orientalische Musik, schwarze Fahnen mit islamischen Schriftzeichen waren zu erkennen — und sorgten für Panik beim SVS. Dort ging man zunächst davon aus, von Sympathisanten oder Mitgliedern des sogenannten Islamischen Staates (IS) gehackt worden zu sein. Die vermeintlich islamistische Propaganda, die auf Englisch in einer Endlosschleife lief, entpuppte sich bei genauerem Hinsehen eher als das Gegenteil. Was den Hackerangriff allerdings nicht besser machte.

Eine Gruppe mit dem Namen „Security Crews“ bekannte sich auf der Startseite zu dem Angriff und schrieb: „Die Menschlichkeit ist aus unserem Leben verschwunden. Überall Brutalität und Unterdrückung. Andere zu töten, ist ein unakzeptabler Akt und muss aufhören. Keine Religion erlaubt so etwas.“ Außerdem der Hinweis, dass der Imam Mahdi bald kommen werde. Er ist nach traditioneller islamischer Glaubensauffassung ein Nachkomme des Propheten Mohammed, der in der Endzeit auftauchen soll — und das Unrecht auf der Welt beseitigen soll. Und auch ein Hinweis an den Administrator der Seite wurde hinterlassen: „Hab keine Sorge um deine Daten — sie sind zu 100 Prozent sicher.“

Wirklich beruhigt war SVS-Webmaster Christopher Brust aber erst nach einem Telefonat mit Provider Alfahosting aus Halle an der Saale. Unter Anleitung eines Mitarbeiters gelang es ihm nach rund drei Stunden, wieder die Kontrolle über die Seite zu übernehmen. „Ich hatte keinerlei Zugriff mehr auf den Administrationsbereich der Seite. Ich konnte die Seite weder vom Netz nehmen noch an dieser Kaperung irgendetwas ändern“, sagte Brust, der die Homepage seit dem 1. Januar dieses Jahres betreut.

Rund 150 User besuchen pro Tag die Website. Warum die Hacker sich ausgerechnet die Seite des Dorfvereins (rund 270 Mitglieder) ausgesucht haben, ist ihm völlig schleierhaft. Die Täter waren irgendwie in den Besitz des Zugangspassworts zum Administrationsbereich gekommen oder hatten sich über den FTP-Server, über den Daten ausgetauscht werden, Zugang zu der Seite verschafft. Wie das gehen konnte, das ist Brust unklar.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes handelt es sich bei der Attacke auf den SV Schmalensee um den ersten Cyberangriff dieser Art in Schleswig-Holstein in diesem Jahr. „Wenn dieser Fall eintritt, ist es wichtig, so viele Daten wie möglich zu sammeln und den Fall zur Anzeige zu bringen“, rät LKA-Sprecher Uwe Keller. Dazu würden die Sicherung der URL in der Browserzeile genauso wie ein Screenshot der gehackten Seite gehören. Vor allem sollten laut Keller „wie überall im Internet vernünftige und sichere Passwörter“ verwendet werden.

Die Anti-Islam-Hacker treiben anscheinend weltweit ihr Unwesen. Unter anderem sollen die Unbekannten im März dieses Jahres die Homepage von Australiens größter Automechaniker-Gruppe gekapert haben.

„Ich hatte keinerlei Zugriff mehr auf die Seite.“
Christopher Brust, SVS

Jan Wulf

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