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Antjes Eisenbahn ist wieder flottgemacht

Nahe Antjes Eisenbahn ist wieder flottgemacht

Eigentlich wollte die Witwe das gute Stück für immer abbauen. Aber dank liebevoller Nachbarschaftshilfe hat sie jetzt wieder Freude an ihrer Anlage.

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Für Modellbahnen ist kein Mann je zu alt: Torsten Förste (66) hat die Lehmann-Gartenbahn in Kleinarbeit gesäubert und wieder fahrtüchtig gemacht.

Quelle: Domann

Nahe. Wagen und Lokomotiven der Marke Lehmann-Gartenbahn reihen sich aneinander. Bahnhof, Schuppen, Wasserturm und diverse Häuser stehen auf Tischen verteilt im Keller.

LN-Bild

Eigentlich wollte die Witwe das gute Stück für immer abbauen. Aber dank Nachbarschaftshilfe hat sie jetzt wieder Freude an ihrer Anlage.

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Über 20 Jahre lang hat Marianne Richter gemeinsam mit ihrem Mann Heinz, die Eisenbahn im Frühling liebevoll aufgebaut und im Herbst wieder im Keller eingemottet. Nur dieses Jahr nicht, da ruht der Bahnverkehr. „Nichts bewegte sich mehr, also habe ich auch die Häuser nicht aufgebaut“, erzählt die 84-Jährige, die in Nahe alle Antje nennen. Sie habe schon daran gedacht, die gesamte Anlage rauszureißen. Doch dann sah Torsten Förste die Bahnanlage und war begeistert. „Ich habe im Übermut gesagt, ich schaue mal, ob ich die Bahn wieder zum Laufen bringe“, erinnert sich der 66-Jährige. Er gehört ebenso wie Marianne Richter dem Verein „Wir sind Nahe“ an, der die Nachbarschaft stärken will und diverse Gruppen (Handarbeit, Plattdeutsch, Wanderwege) gebildet hat. „Wir haben Antje im Garten geholfen, da habe ich die Bahnanlage gesehen und war gleich angetan.“

Schnell war klar, dass ein defekter Gleisunterbau zum Ausfall der Anlage geführt hatte. Die Gleise waren auf Kunststoffelementen montiert, Ameisen hatten in den Jahren darunter Sandhaufen angelegt.

„Durch die Massen von Sand war kein Kontakt mehr zwischen Gleis und Lokomotiven möglich, so dass die nicht mehr fahren konnten“, erzählt Förste. Und so begann der Rentner die Gleise und Kunststoffelemente Stück für Stück abzutragen und von Sand zu befreien. „Torsten hat die Anlage vor dem Abbau fotografiert, damit er sie nach dem Säubern genauso wieder aufbauen konnte“, sagt Marianne Richter und beginnt zu erzählen. Ihr Mann Heinz war Bahnbeamter und auf dem Bahnhof Nahe für alles zuständig. „Dort hinter dem Fenster habe ich meinen Verlobungsantrag bekommen“, sagt sie und zeigt auf das rechte Fenster des Mittelteils des Bahnhofs. Der wird extra zum Fototermin aufgebaut. Förste schleppt die Gebäude in den Garten: Bahnhof, Wartesaal, Schuppen und auch das Toiletten-Häuschen darf nicht fehlen. „Wo steht ,Männer‘ drauf? Die Seite muss zu dir zeigen, es müssen aber noch zwei Bäume Platz haben“, weist Marianne Richter an.

1994 hatte Marianne Richter ihrem Mann die erste Lokomotive zum Geburtstag geschenkt, eine ähnliche hatte sie bei einem Sänger in Leezen gesehen. „Doch mein Mann wollte sie nicht im Wohnzimmerschrank stehen haben, er wollte damit spielen.“ Dort wo eine Vogelvoliere mit vielen Wellensittichen gestanden hatte, entstand die Bahnanlage. Statt irgendein Bahnhofsmodell zu kaufen, begann das Ehepaar den Naher Bahnhof nachzubauen. „Wir haben alles fotografiert, auch den Zaun“, so Marianne Richter. Weiße Plastikplatten dienten den Häusern als Wand. Die wurden rot gestrichen und dann von ihrem Mann in Kleinstarbeit in Ziegelwände umgewandelt. „Er hat die Farbe in hauchdünnen Linien abgekratzt, so ist die Ziegelstruktur entstanden.“ Auch das Elternhaus von Marianne Richter, der Wakendorfer Wasserturm und der Barmstedter Lokschuppen sind nachgebildet.

Etwa 30 Stunden Arbeit hat Förste in die Gleisanlage investiert. Mit Erfolg. Die rote Diesellok rattert wieder über die Schienen. Seit ihr Sohn Jochen die Anlage digitalisiert hat, können die Züge nicht nur einzeln angesteuert werden, sondern sie machen auch Geräusche und leuchten, sagt Marianne Richter. „Außerdem kommt der Ausruf ,Achtung an der Bahnsteinkante‘.“ Und dann fällt ihr ein, dass auch eine Draisine zu ihrem Fuhrpark gehört. „Denn auch in Nahe hatte es eine gegeben“, sagt sie und lacht. Ihr ist gerade eine Geschichte eingefallen: Eine Bekannte sei damals mit einer Freundin im Kino in Bad Oldesloe gewesen. Nach Filmende war der letzte Zug schon weg, doch eine Draisine habe im Bahnhof gestanden. Die hätten sich die beiden ausgeliehen. „Bis nach Sülfeld sind sie gekommen, dann kam die Polizei. Von dort sind sie dann zu Fuß nach Nahe gegangen.“

Doch nun ist erst einmal Winterpause. Im Frühling wird die Anlage wieder mit Gebäuden und Menschen bestückt. „Ich hoffe, dass sich noch einige Interessierte finden, die Spaß daran haben, mir bei der Eisenbahn zu helfen“, sagt Förste. Wenn nicht, dann würden er und Antje den Zügen alleine beim Fahren zuschauen.

Gartenbahn gibt es seit 1968

Die Lehmann-Gartenbahn , auch Lehmann-Groß-Bahn (LGB), ist eine wetterfeste Reihe von Modellbahnen, die von 1968 bis 2007 von dem Insolventen Modellbahnhersteller Lehmann aus Nürnberg produziert wurde. Nach der Übernahme der Firma ging die Marke LBG an Märklin über, die 2013 wiederum von der Simba-Dickie-Group geschluckt wurde. Die Gartenbahn wird aber nach wie vor hergestellt – heute in China und Ungarn.

Die Baugröße der LBG wird als Nenngröße II oder seitens der Hersteller als „Spur G“ bezeichnet. Die Spurweite beträgt 45 Milimeter, der Maßstab der Zugmodelle 1:22,5 Wer Lust hat im Frühling Marianne Richter und Torsten Förste beim Einrichten der Anlage zu unterstützen und Freude am Modellbau hat, kann sich bei Torsten Förste unter ☎ 0

4535/297156 melden.

 Silvie Domann

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