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Arbeiten und Steuern zahlen in der „Stadt der Kinder“

Wittenborn Arbeiten und Steuern zahlen in der „Stadt der Kinder“

Teilnehmer lernen auf dem Jugendzeltplatz Wittenborn, wie Demokratie funktioniert.

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Oscar, Jan und Tischler-Azubi Jakob zimmern den Bürgermeisterstuhl zusammen.

Quelle: Fotos: Domann

Wittenborn. Warum gibt es ein Parlament, wie funktioniert Demokratie? Und warum werden Steuern gezahlt? Das sind nur einige der Fragen, mit denen sich 120 Mädchen und Jungen in der Praxis vier Tage lang auf dem Zeltplatz Wittenborn beschäftigen. Sie nehmen teil am Projekt „Stadt der Kinder“, das zum vierten Mal vom Kreisjugendring und dem Verein für Jugend- und Kulturarbeit angeboten, von Jana Oelschlägel geleitet und von zahlreichen Sponsoren unterstützt wird.

LN-Bild

Teilnehmer lernen auf dem Jugendzeltplatz Wittenborn, wie Demokratie funktioniert.

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Die Schüler zwischen neun und 13 Jahren schnuppern in die „echte“ Lebenswelt der Erwachsenen hinein: Wer sich abends etwas leisten oder sich in der Disko entspannen möchte, muss zuvor gearbeitet haben. Und wie im richtigen Leben werden auch in der „Stadt der Kinder“ Steuern gezahlt. Fünf Kauris, die Währung im Camp, erhält jedes Kind für zwei Stunden Arbeit, dann geht es mit dem Arbeitsheft zur Sparkasse. Ein Kauri geht in den Steuertopf, die übrigen können sich die jungen Arbeitnehmer auszahlen lassen, aber auch Sparen ist möglich.

Da die „Stadt der Kinder“ nicht führungslos handeln will, gibt es ein Parlament, auch ein Bürgermeister wird gewählt (Annrieke Reuter). „Das Parlament bilden die Zeltsprecher, dieses Mal sind wir nur neun. Die Bewohner eines Zeltes wollen lieber arbeiten gehen“, sagt Paula (13). Sie ist die Parlamentssprecherin und wird von ihrem Stellvertreter Justin (10) begleitet. Sie geben Besuchern eine Führung durch ihre Stadt. 46 Arbeitgeber sind über das Gelände am Mözener See verteilt und bieten die unterschiedlichsten Tätigkeiten an. Dazu kommen noch die Außenangebote.

In einem Zelt von „Euroimmun“ sitzen Mädchen und Jungen in weißen Kitteln und Handschuhen, sie nehmen chromatografische Experimente vor und untersuchen die Farbzusammensetzung von Filzstiften. Im Nachbarzelt ist Siebdruck angesagt. T-Shirts und Beutel werden mit dem Stadt-der-Kinder-Logo bedruckt. Die sollen abends auf dem Jahrmarkt verkauft werden.

Oscar (10) und Jan (11) haben eine wichtige Aufgabe übernommen, sie zimmern den Bürgermeisterstuhl unter der Anleitung von Tischler-Azubi Jakob zusammen. Beliebt ist auch der Job in der Kauri-Manufaktur. Kari, Fynn, Lea-Johanna und Dimitri pressen die eigene Währung. „Die Schnellsten schaffen einen Kauri in drei Sekunden“, sagt Betreuer Arno und schätzt, dass etwa 2000 bis 3000 Kauris in den vergangenen drei Jahren geprägt wurden. In der Küche backen Mitglieder des Vereins „Alleineinboot“ Kuchen, auch der soll auf dem Jahrmarkt verkauft werden. Der Erlös sowie Kauri-Spenden der Kinder sind für Sprachkurse für Flüchtlinge gedacht.

„Die Stadt der Kinder ist cool, man kann immer seine Meinung einbringen“, sagt Paula. Jeder Bewohner kann Wünsche auf einen Zettel schreiben und in den Parlamentsbriefkasten (PaBrika) werfen. Der wird täglich geleert, und das Parlament beschließt über Anträge und mögliche Veränderungen. „Einen Pizzaautomat auf den Jungentoiletten haben wir abgelehnt, auch den Antrag, dass Wetten verboten werden sollen.“ Denn: Wenn es um ein Frühstück am See geht, weil man bei „Stratego“ verloren hat, ist das Wetten okay, sagt Paula.

Fünf Kauris für zwei Stunden Arbeit

120 Kinder , 60 Mädchen und 60 Jungen im Alter von neun bis 13 Jahren aus dem gesamten Kreis Segeberg machen bei der „Stadt der Kinder“ mit. Sie wird zum vierten Mal vom Kreisjugendring gemeinsam mit dem Verein für Jugend- und Kulturarbeit auf dem Zeltplatz Wittenborn veranstaltet. Für einen reibungslosen Ablauf sorgen zehn Teamer und 17 Zeltbetreuer. Außerdem bieten 19 externe und 27 interne Arbeitgeber Jobs für die Kinder an. Gearbeitet werden je vormittags und nachmittags zwei Stunden. Für zwei Stunden gibt es fünf Kauris (eigene Geldeinheit), wobei ein Kauri gleich als Steuer einbehalten wird. Hiervon werden Bürgermeister und das Parlament bezahlt. sd

Von Silvie Domann

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