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Segeberg Bücherei Wahlstedt: Artothek wird aufgelöst
Lokales Segeberg Bücherei Wahlstedt: Artothek wird aufgelöst
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18:34 25.09.2018
Beschlossene Sache: Die Artothek in der Stadtbücherei wird aufgelöst. Der freie Platz soll anderweitig genutzt werden, sagt die Leiterin Claudia Kramm. Quelle: Heik Hiltrop
Wahlstedt

Kunst zum Ausleihen, das ermöglicht auch denjenigen mit kleinem Geldbeutel, sich Werke großer Könner an die Wand zu hängen. Aquarelle von Otto Flath, Grafiken von Konrad Schüler, Drucke von Horst Janssen, Kirsten Höcker und vielen anderen stehen in der Artothek der Stadtbücherei Wahlstedt. Doch offenbar läuft der Politik die Leih-Kunst nicht gut genug. Nach einem Beschluss wird die Artothek jetzt aufgelöst - pünktlich zum 30-jährigen Bestehen des Angebotes.

Die etwa 400 Arbeiten sollen ausgemustert werden. Ein Teil der Leihgaben gehe zurück zur Artothek Eckernförde. Was mit dem Teil geschieht, der Eigentum der Stadt ist, stehe noch nicht fest, sagt Claudia Kramm, Leiterin der Stadtbücherei, an die die Artothek angeschlossen ist. „Wir haben bisher nur die Nachricht, dass sie geschlossen wird. Alles weitere wird sich zeigen.“ Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren nicht gut gelaufen. „Wir setzen verstärkt auf neue Medien wie Hörbücher, Konsolen-Spiele und DVDs, das geht besser“, umreißt Claudia Kramm die Situation.

„Es ist eine Entscheidung einer kurzsichtigen Politik, die nur auf Ausleihzahlen schaut“, bedauert hingegen Norbert Weber, Vorsitzender beim Artothekenverband Schleswig-Holstein. Wahlstedts Politiker rechneten falsch, wenn sie Kunst mit einem Buch vergleichten, das nur von einem Nutzer pro Ausleihe gelesen werde. Im Gegensatz dazu seien alle Nutzer, die sich in dem Raum aufhiellten, in dem ein Leihbild hänge. Ein Problem sei es, wenn Artotheken Büchereien und nicht der Kunst zugeordnet seien, so Weber. „Den Fall hatten wir auch in Itzehoe. Die Artothek dort gibt es nicht mehr.“ Bibliothekare seien bücherorientiert, da liefen Bilder, Drucke und anderes nur nebenher. „Das funktioniert nicht. Es geht um zeitgenössische Kunst, da muss jemand sein, der fit darin ist.“

In Bad Segeberg ist die Struktur anders. Hier ist die 2013 eingerichtete Artothek mit ihren 112 Exponaten im Kunsthaus Remise angesiedelt. 20 Ausleihen pro Jahr an Privatpersonen gebe es etwa, überschlägt Leiterin Edda Runge. „Da müsste sicher auch mehr Werbung gemacht werden“, räumt sie ein. „Firmen haben wir bisher gar nicht angesprochen.“

In Schleswig-Holstein gibt es gegenwärtig elf Artotheken. „Damit sind wir mit unserer ländlichen Struktur im Vergleich mit anderen bestens aufgestellt“, sagt Norbert Weber. Privatleute, öffentliche Einrichtungen und viele Firmen, die ihre Foyers oder Konferenzräume mit wechselnder Kunst schmücken ohne große Investitionen, schätzen das Angebot.“ Kiel sei so ein Beispiel, wo es hervorragend laufe, ein Ringtausch bei Unternehmen sogar dafür sorge, dass die Artothek Gewinne mache. „Sogar in Lübeck, wo jahrelang alles im Keller lag, hat man sich aufgerappelt, ist das Kulturbüro aktiv geworden“, bedauert er das Ende der Leihkunst in Wahlstedt.

Heike Hiltrop

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