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Segeberg Tatort Erlebnisbad: Asylbewerber wegen sexueller Belästigung verurteilt
Lokales Segeberg Tatort Erlebnisbad: Asylbewerber wegen sexueller Belästigung verurteilt
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09:52 12.03.2019
Im Norderstedter Erlebnisbad Arriba hatte der Angeklagte Ende April 2017 einige Mädchen sexuell belästigt. Quelle: dpa
Kiel/Norderstedt

Das Kieler Landgericht verurteilte am Montag einen Asylbewerber wegen sexueller Belästigung zu 600 Euro Geldstrafe. In erster Instanz war das Urteil für den Angeklagten deutlich härter ausgefallen: Im Oktober 2018 hatte das Amtsgericht Norderstedt den nicht vorbestraften 26-Jährigen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Der Angeklagte legte mit Erfolg Rechtsmittel ein: Die Berufungskammer des Kieler Landgerichts ordnete die Übergriffe auf 12- und 13-jährige Schülerinnen unterhalb der Schwelle für Kindesmissbrauch ein.

Tatort „Wildwasserbach“

Tatort „Wildwasserbach“ im Erlebnisbad: Auf der gleichnamigen 124-Meter-Rutsche im Norderstedter Erlebnisbad Arriba werden „geübte Schwimmer ab 10 Jahre“ durch einen Tunnel und enge Kurven gewirbelt. Ein Asylbewerber aus Afghanistan (26) nutzte das Getümmel Ende April 2017 für körperliche Annäherungen an junge Mädchen. Der noch bei seinen Eltern wohnende Küchenhelfer hatte sich einer Gruppe von 12- bis 13-jährigen Mädchen genähert.

Mehr lesen: Smartphones und Kameras aus vielen Schwimmbädern verbannt

Die Polizei notierte später mindestens sieben Übergriffe. Die meisten Körperkontakte wurden von Überwachungskameras dokumentiert. So begab sich der auffallend kleine und jungenhaft wirkende Mann zu einem Mädchen im Pool, schaute es an und fasste ihm zwei Mal ans Gesäß. Nach dem Rutsch durch das Wildwasser passte der Angeklagte im Zielbecken ein anderes Mädchen ab. Von hinten näherte er sich der Schülerin, die auf einer Treppe das Wasser verlassen wollte, berührte sie unter der Oberfläche am Po und drückte leicht zu. Auch in einem Zwischenbecken der Wildwasserrutsche nahm der Angeklagte Körperkontakt auf, strich einem Mädchen mit der Hand über den Rücken. Mehrmals rutschte er mit weit gespreizten Beinen auf der Wildwasserstecke hinter den langhaarigen Bikini-Trägerinnen her, holte sie ein und umschloss sie von hinten.

Täter geständig

„Der Angeklagte handelte, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen“, urteilte der Norderstedter Jugendrichter, „er war sich des kindlichen Alters der Zeuginnen bewusst.“ Wie im ersten Prozess beschränkte sich die Jugendkammer auf die Verurteilung von zwei Übergriffen und stellte bei den übrigen Vorfällen das Verfahren ein. Gegen sexuellen Missbrauch sprach laut Urteil, dass der Angeklagte nicht den Intimbereich der Mädchen berührt und es bei flüchtigen Berührungen oberhalb der Badebekleidung belassen hatte. Auch die Staatsanwältin sah darin keinen Kindesmissbrauch.

Das Strafverfahren hat den Angeklagten, der den Zeuginnen mit seinem Geständnis den Auftritt vor Gericht ersparte, sichtlich beeindruckt. Mehrfach entschuldigte er sich, brach auch einmal in Tränen aus. Nach eigenen Angaben hat er seinen Eltern die Taten gebeichtet und arbeitet sie in Gesprächen mit einem Therapeuten auf.

Thomas Geyer

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